+
Ungeachtet der Gewalt in Irak hält der Chef der Übergangsregierung, Ajad Allawi, eine Parlamentswahl Ende Januar weiterhin für möglich.

Zwei Ägypter in Bagdad entführt

Schicksal westlicher Geiseln weiterhin ungewiss / Allawi hält Wahl Ende Januar noch für möglichDie Welle der Entführungen in Irak hält an: In Bagdad verschleppten Bewaffnete in der Nacht zwei ägyptische Ingenieure. Das Schicksal zweier entführter Italienerinnen sowie des Briten Kenneth Bigley blieb zunächst weiterhin unklar. Dossier: Irak nach dem Krieg

Bagdad (ap). Dem Innenministerium zufolge stürmten Bewaffnete das Büro der Firma Iraquna Mobile Net und brachten die beiden Ägypter in ihre Gewalt. Die Kidnapper seien mit ihnen dann in einem schwarzen BMW weggefahren. Von den Arbeitgebern waren zunächst keine weiteren Einzelheiten zu erfahren. In Irak wurden in den vergangenen Monaten immer wieder Ausländer entführt, vor allem westliche Staatsbürger.

Die Berichte über eine Ermordung der entführten italienischen Entwicklungshelferinnen Simona Pari und Simona Torretta blieben bis Freitagmorgen weiterhin unbestätigt. Im Internet hatten sich gleich zwei Extremistengruppen zur Enthauptung der 29-jährigen Frauen bekannt. Die Regierung in Rom stufte diese Informationen jedoch als zweifelhaft ein. Die beiden Mitarbeiterinnen der Hilfsorganisation Un Ponte per... (Eine Brücke für...) waren am 7. September in Bagdad verschleppt worden.

Der Brite Kennteh Bigley hatte sich am Mittwoch in einem Video mit einem verzweifelten Hilferuf direkt an Premierminister Tony Blair gewandt. Die Mutter des Entführten appellierte am Donnerstagabend an die Extremisten, das Leben ihres Sohnes zu verschonen. "Er ist nur ein einfacher Arbeiter und will seine Familie ernähren", sagte die 86-jährige Lil Bigley in einer vom britischen Fernsehsender BBC ausgestrahlten Videobotschaft. Bigleys Kidnapper enthaupteten bereits die mit ihm entführten Amerikaner Jack Hensley und Eugene Armstrong.

Allawi hält an Wahltermin fest

Ungeachtet der Gewalt in Irak hält der Chef der Übergangsregierung, Ajad Allawi, eine Parlamentswahl Ende Januar weiterhin für möglich. Man dürfe nicht zulassen, dass Gewalttäter den Zeitplan durcheinander brächten, sagte der Ministerpräsident am Donnerstag vor dem Kongress in Washington. In 14 bis 15 der 18 irakischen Provinzen sei die Lage absolut sicher.

Dies stieß auf die Kritik des demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry, der Allawis Rede als schönfärberisch bezeichnete. Allawi versuche offenbar, die Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush ins beste Licht zu rücken. Dabei gebe es in Irak aber Regionen, die die amerikanischen und irakischen Streitkräfte nicht mehr zu betreten wagten. Unter diesen Bedingungen sei eine Wahl unmöglich, sagte Kerry.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte vor Senatoren in Washington, vielleicht könne die Wahl nicht überall stattfinden, sondern nur in den sicheren Landesteilen. Dies sei besser als gar keine Abstimmung. Für eine Wahl Ende Januar sprach sich auch schiitische Großayatollah in Irak, Ali al Sistani, aus.

Dossier: Irak nach dem Krieg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion