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Zurück nach Fukushima

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Von: Joachim Wille

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Die Dekontaminierungsarbeiten sind noch längst nicht abgeschlossen.
Die Dekontaminierungsarbeiten sind noch längst nicht abgeschlossen. © TORU YAMANAKA (AFP)

Die japanische Regierung will die Evakuierungszone rund um Fukushima aufheben und die ehemaligen Bewohner wieder ansiedeln. Greenpeace warnt: Die Strahlung ist immer noch viel zu hoch.

Genau sechs Jahre sind seit dem Tsunami vergangen, der am 11. März 2011 Japans Nordosten verheerte, 18.500 Tote forderte und den Super-Gau im AKW Fukushima Daiichi auslöste. Die Aufräum- und Abbrucharbeiten an den stark verstrahlten Reaktorruinen werden noch mindestens bis Mitte des Jahrhunderts dauern. Doch Japans Regierung setzt alles daran, in der Sperrzone rund um das havarierte AKW wieder „Normalität“ einkehren zu lassen. Frühere Anwohner sollen dorthin zurückkehren. Doch Umweltschützer warnen: Die Strahlenbelastung sei noch viel zu hoch.

Tokio will die Evakuierungszone im Umkreis von Fukushima mit der Freigabe weiterer Gebiete am 1. April weitgehend aufheben. Nach diesem Schritt werden nur noch 30 Prozent des ursprünglich geräumten Gebiets gesperrt sein. Wie viele Menschen tatsächlich zurückkehren werden, ist aber unklar. In den bisher schon freigegebenen fünf Gemeinden waren es im Schnitt nur 13,5 Prozent. Grund dafür: Angst vor der Strahlung und Mängel in der Infrastruktur.

Nach dem Super-Gau waren durch Einrichtung der Sperrzone rund 170.000 Menschen heimatlos geworden, derzeit haben immer noch über 123.000 Menschen den offiziellen Status als „Evakuierte“. Tokio behauptet nun, durch die Dekontaminierungsarbeiten sei es wieder sicher, in den Ortschaften zu wohnen. Hausdächer und Straßen wurden mit Hochdruckreinigern abgespritzt, Böden zum Teil abgetragen, kontaminiertes Laub und Gras eingesammelt. Millionen Kubikmeter belasteter Müll entstanden so, die größtenteils in Plastiksäcken in der Umgebung der Kommunen gelagert werden. Als Hauptproblem gilt, dass Wälder, Wiesen und Berge in der Umgebung weiterhin radioaktiv verseucht sind. Wind kann belasteten Staub wieder in die „strahlenfreien“ Häuser wehen.

Die Umweltorganisation Greenpeace hält die Aufforderung zurückzukehren, für fahrlässig. Sie veröffentlichte jüngst die Auswertung von eigenen Langzeit-Strahlenmessungen. Sie wurden unter anderem in sieben Gebäuden in der Gemeinde Iitate in der Präfektur Fukushima gemacht, die größtenteils wieder geöffnet werden soll. Danach wird der von der Regierung angestrebte Wert – 0,23 Mikrosievert pro Stunde in einem Meter Höhe – in allen Fällen überschritten, zum Teil bis zum Zehnfachen. „Jede Woche einmal zum Röntgen der Lunge gehen, oder zurück in die verstrahlten Häuser ziehen. Die Strahlendosis ist ungefähr die gleiche und deshalb muss die Evakuierung bestehen bleiben“, kommentierte Greenpeace-Experte Heinz Smital.

Kritiker beklagen, die Regierung und AKW-Betreiber Tepco wollten durch die Öffnung der Sperrzone vor allem die hohen Entschädigungen einsparen, die an die Evakuierten gezahlt werden. Tokio verrate die Opfer der Atomkatastrophe und stelle die Konzerninteressen über das Wohl der Menschen. Ex-Bewohner der freigegebenen Kommunen verlieren den Entschädigungsanspruch ein Jahr nach der Freigabe. Zudem werden allen Menschen, die im März 2011 „freiwillig“ aus der Region geflohen waren, obwohl ihr Wohnort nicht zur Evakuierungszone gehörte, die Wohnzuschüsse gestrichen. Smital forderte: „Die Menschen müssen finanziell entschädigt werden, wenn sie sich gegen eine Rückkehr in die belasteten Gebiete entscheiden.“

Unterdessen versuchen die Behörden, die Rückkehr auch mit anderen Maßnahmen attraktiver zu machen. So meldete die Präfektur Fukushima, man sei bei der Bekämpfung der Wildschwein-Plage in der Sperrzone sogar besser als geplant vorangekommen. Die Tiere verursachen große Schäden an Gebäuden auf den früheren Ackerflächen. Abschüsse und Vertreibung sollen das stoppen. Der Plan sah vor, im Jahr 17.000 Schweine zu „beseitigen“, es dürften 24 000 werden.

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