+
Zusammen ausgehen und plaudern – eine noch unscharfe Vision.

Corona-Krise

Zurück in den Alltag, aber wie? Exit-Szenarien auf dem Prüfstand

Alle Autoren
    schließen
  • Thoralf Cleven
    Thoralf Cleven
  • Markus Decker
    Markus Decker
  • Damir Fras
    Damir Fras
  • Daniela Vates
    Daniela Vates

Kontaktsperre lockern, Schulen und Geschäfte wieder öffnen, ohne eine fatale zweite Infektionswelle zu riskieren - die Rückkehr in einen Alltag, wie wir ihn vor Corona kannten, ist eine Herausforderung.

Während andere Länder mit Öffnungsankündigungen vorpreschen, bittet die Bundesregierung weiter um Geduld und starke Nerven im Umgang mit der Corona-Krise. Am Dienstag nach Ostern soll beraten werden, wie es weitergeht mit den Beschränkungen. Nur den Tonfall hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mittlerweile verändert. Vor zehn Tagen befand Merkel aus dem Quarantäne-Homeoffice, die Debatte über Exit-Szenarien komme zu früh. Die Befürchtung dahinter: Wenn über eine Lockerung diskutiert werde, würden Bürger Beschränkungen nicht ernst genug nehmen. In ihrer ersten Pressekonferenz nach ihrer Rückkehr aus der Quarantäne verkündete die Kanzlerin nun am Montag, natürlich denke die Regierung darüber nach, wie man „das Leben schrittweise wieder öffnen kann“. Andernfalls wäre man ja „eine schlechte Bundesregierung“.

Konzepte gibt es mittlerweile einige: Das Innenministerium hat eines formuliert, der Wirtschaftsexperte Clemens Fuest vom IFO-Institut ein weiteres, die Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschafen ein drittes. Eine Handy-App zum Nachverfolgen von Kontaktpersonen Infizierter ist im Gespräch und auch das Mundschutztragen in der Öffentlichkeit.

Der Deutsche Ethikrat findet es gut, dass darüber nun diskutiert wird: „Es ist nicht nur legitim, sondern geboten, sich Gedanken zu machen, wie es weitergeht“, sagt der Vorsitzende des Sachverständigengremiums, der Theologe Peter Darbock. Gerade in Krisen brauchten die Menschen Hoffnung. „Das motiviert zum Durchhalten.“ Er empfiehlt der Bundesregierung dringend, die Bürger mehr an der Lösungssuche zu beteiligen. Und Angst davor, Beschränkungen nach einer Pause wieder einführen zu müssen, brauche man nicht haben: Etwas zu korrigieren sei „kein Versagen von Politik“.

Von einem allerdings rät Darbock ab: Eine Exit-Strategie mit Terminen zu versehen führe nur zur Frustration.  

Kontaktsperre

Mangels Alternative klammert sich die Politik an den Indikator der Neuinfektionen. Als wichtiger Maßstab gilt die „Verdopplungszeit“ – also der Zeitraum, in dem sich die Zahl der Infizierten verdoppelt hat. Sie ist in Deutschland zuletzt nach unseren Berechnungen auf über elf Tage gestiegen. Ob das aber schon ein Trend ist, muss abgewartet werden.