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ANC-Getreue warten in Johannesburg auf das Ergebnis der Vernehmung Zumas.

Untersuchung

Zumas Rundumschlag in Südafrika

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Südafrikas Ex-Staatschef kontert vor der Kommission zur Untersuchung des „State Captures“ Korruptionsvorwürfe mit Verschwörungstheorien.

Vorbereitungen wie zur Krönung eines Königs oder zum Auftritt eines Popstars. Journalisten müssen vier Stunden vor dem Ereignis, morgens um sechs Uhr, zur Akkreditierung erscheinen, auch für die Öffentlichkeit stehen nur wenige Sitze im Saal zur Verfügung: Interessierte haben dafür stundenlang anzustehen. Vor dem Johannesburger Bürogebäude, in dem das Schauspiel stattfinden wird, wurden Vorbereitungen für Tausende von Schaulustigen getroffen: Allerdings tauchten schließlich nur ein paar Dutzend Fans des heutigen Hauptakteurs auf. Auch eine Fanmeile mit Live-Übertragung wie bei einer Fußball-WM bleibt leer: Womöglich hat das etwas mit der schwindenden Popularität des Protagonisten zu tun – oder dass kaum jemand mit seinem tatsächlichen Erscheinen gerechnet hat.

Für seinen Auftritt vor der Kommission zur Untersuchung des „State Captures“, der Geiselnahme des Staates, hatte Ex-Präsident Jacob Zuma Bedingungen gestellt: Er wollte die ihm gestellten Fragen vorab bekommen. Als das abgelehnt wurde, war fraglich, ob der des Ausverkaufs seines Landes beschuldigte Ex-Staatschef überhaupt erscheinen würde: Die Kommission habe sich in ihren 130 Sitzungstagen ohnehin höchst einseitig gezeigt, ließ Zuma wissen. In einer Twitterbotschaft machte sich der 75-Jährige am Vorabend seines Auftritts über die Kommission lustig. „Ich dachte, ich sollte euren Tag etwas aufhellen“, schrieb Zuma über ein Video, das ihn in Anspielung an einen Slogan der südafrikanischen Studentenbewegung zu den Worten tanzend zeigt: „Zuma must fall“, Zuma muss fallen.

Er kam dann doch. Mit fünf Minuten Verspätung betrat er den Saal – unter dem Beifall knapp 20 Getreuer, die in den Zuschauerrängen Platz gefunden hatten. Der Anwalt des der Korruption und der Vetternwirtschaft bezichtigten Ex-Präsidenten bereitete die Kommission auf mögliche in Zumas Äußerungen enthaltene Sprengsätze vor. „Wir wissen nicht, was er sagen wird“, kündigte der Anwalt an: „Aber darunter könnten sich auch schwere Vorwürfe befinden.“

Und dann ging’s los. Zuma, der in seiner neunjährigen Amtszeit Südafrika an den Rand des Ruins regiert hatte, zündete in seinem vorbereiteten zweieinhalbstündigen Monolog einen Sprengsatz nach dem anderen. Er sprach von ausländischen Geheimdiensten und Spionen in seiner eigenen Partei, dem Afrikanischen Nationalkongress (ANC), die ihn bereits seit Jahrzehnten zu Fall zu bringen versuchten – von Giftanschlägen und Selbstmordattacken, mit denen er ermordet werden sollte. Er habe sich lange zurückgehalten, die Verräter beim Namen zu nennen. Doch jetzt sei die Zeit gekommen, in der er mit der Wahrheit nicht länger hinterm Berg halten könne.

Sämtliche vor der bereits seit einem Jahr tagenden Kommission erhobenen Vorwürfe gegen Zuma wies dieser als Teil einer Verschwörung zurück, die bereits seit der Rückkehr der ANC-Führung nach Südafrika im Jahr 1990 anhalte. Zunächst habe die Allianz der Geheimdienste versucht, ihn lediglich aus dem Amt zu entfernen. Als dies an seiner Popularität gescheitert sei, hätten sie zu härteren Mitteln gegriffen. Unter anderem sollte er im März dieses Jahres bei einem Auftritt im Stadion von Durban von Selbstmordattentätern umgebracht werden. Über den vermeintlichen Vorfall war in Südafrika bisher nichts bekannt geworden.

Seine spektakulären Vorwürfe unterfütterte Zuma mit dem Hinweis, dass er als einstiger Sicherheitschef des ANC beste Verbindungen zu Geheimdienstkreisen habe. Er verfüge über eine Liste mit den Namen von ANC-Politikern, die insgeheim für die Apartheidregierung gearbeitet hätten. Zuma wollte keine weiteren Namen nennen, erwähnte aber Ex-Minister Ngoako Ramatlhodi, der den Ex-Präsidenten in seiner Aussage vor der Kommission im November des vergangenen Jahres belastet hatte. Ramatlhodi sei von der Apartheidpolizei in Lesotho als Spion rekrutiert worden, behauptete Zuma. In einer ersten Reaktion forderte Ramatlhodi den Ex-Präsidenten zu einem Test mit dem Lügendetektor auf.

Außer dem Ex-Minister bezichtigte Zuma auch die prominente Journalistin Redi Tlhabi sowie die Medien im Allgemeinen, der Verschwörung der Geheimdienste in die Hände gearbeitet zu haben. Ohne ihn beim Namen zu nennen, brachte der ehemalige Staatschef auch seinen Nachfolger Cyril Ramaphosa mit diesen Kreisen in Verbindung. „Einige Leute wollen mich töten“, sagte Zuma, „Aber ich werde auspacken, bevor ich sterbe.“ Die Kommission setzte für die Anhörung Zumas vier weitere Tage an. Aller Voraussicht nach werden seine Vorwürfe Südafrika allerdings noch wesentlich länger beschäftigen.

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