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Beste Zschäpe mit Anwälten.

NSU-Prozess

Zschäpe nennt Namen

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe nennt in einer neuen Erklärung erstmals die Namen mehrerer Neonazis, die den "Nationalsozialistischen Untergrund" unterstützt haben sollen.

Von Mirko Weber

Im NSU-Prozess hat Anwalt Hermann Borchert am Donnerstag Antworten der Angeklagten Beate Zschäpe vorgelesen. Sie bezogen sich auf Fragen, die Richter Manfred Götzl ihr nach ihrem schriftlichen Geständnis vor mehreren Wochen gestellt hatte. Borchert beginnt mit dem Alkoholkonsum Zschäpes. Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos waren strikt gegen Alkohol. Ende 2006 begann Zschäpe wieder regelmäßig Sekt zu trinken, am Schluss trank sie zwei oder drei Flaschen über den Tag verteilt. Die leeren Flaschen entsorgte sie heimlich. Zur politischen Sozialisation Uwe Böhnhardts sagt sie, dass er weniger für Hitler, mehr für die deutsche Armee im Zweiten Weltkrieg geschwärmt habe. Er sei ein unbedingter Waffennarr gewesen und wurde oft handgreiflich, auch Zschäpe gegenüber.

Mundlos, „ein fanatischer Sportler“, habe die gleiche politische Einstellung wie Böhnhardt gehabt. Er sei aber weniger gewalttätig gewesen, sondern „eher ein Zyniker“. In den letzten Jahren habe man überhaupt nicht mehr über Politik gesprochen, vorher nicht dezidiert. Alle drei hätten sie die „Überfremdung Deutschlands“ befürchtet. Zschäpe sagt aus, sie habe es dennoch nicht, „nie“, für möglich gehalten, dass die beiden einen Mord begehen könnten.

Tino Brandt, den V-Mann, habe sie persönlich nicht leiden können. Er habe „überall seine Finger im Spiel“ gehabt. Uwe Böhnhardt habe sexuellen Missbrauch in seiner Haft erlebt. Deswegen wollte er, laut Zschäpe, auf keinen Fall noch einmal ins Gefängnis kommen. Seiner Freundin Beate Zschäpe traute er zu, dass sie im Falle der Festnahme „singen“ würde.

„Ein Ali weniger“

Zschäpe betont noch einmal, wie „schockiert“ sie gewesen sei, als die beiden Männer ihr den ersten Mord gestanden. Sie habe aber trotzdem nicht nachgefragt. Beide Männer hätten weder eine berufliche noch eine familiäre Perspektive gesehen. An die Pistole, die ihr die Männer gezeigt hatten, kann sich Beate Zschäpe nicht mehr erinnern. Einmal, bildet sie sich ein, könne eine andere Pistole verwendet worden sein (die Pistolen wurden, wie die anderen zahlreichen Waffen) in den jeweiligen Wohnungen versteckt). Aus den wenigen Erzählungen wusste Zschäpe, dass die Männer sozusagen „arbeitsteilig“ vorgingen, beim Morden wie beim Bombenbau. Nach den ersten Fragen zum „Warum?“ habe sie nur noch „ausweichende Floskeln“ zu Antwort bekommen. Rechte Lieder habe zwar auch sie, Beate Zschäpe, gesungen. Als Jugendliche. Sie sehe aber einen großen Unterschied, ob man so etwas einmal gröle – „oder Ausländer“ umbringe („ein Ali weniger“, hätten die Männer gesagt).

Trotz allem, das ist gewissermaßen Zschäpes Kernthese, sei sie von den beiden „abhängig“ gewesen, finanziell und emotional. Umgekehrt, betont Zschäpe, sei sie nicht gebraucht worden. Weder an der Planung noch bei der Durchführung von Taten sei sie beteiligt gewesen.

Zu den Unterstützern nach dem Untertauchen zählt Zschäpe vor allem den Angeklagten André Eminger. Nicht die Rede ist von Ralf Wohlleben. Als Überbringer der „Waffe“ (gemeint ist die Ceska) erinnert sie, „lediglich aus Erzählungen“, Holger Gerlach.
Im Wesentlichen paraphrasieren die Antworten das schriftliche Geständnis. Nur in wenigen Punkten geht Zschäpe geringfügig mehr ins Detail, beispielsweise bei der viertägigen Reise, die sie unternahm, bevor sie sich in Jena stellte. Revidiert an der Aussage wird nichts.

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