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Eine Schule, die bei einem Luftangriff zerstört wurde.

Zwei Jahre Krieg

Die Zerstörung des arabischen Armenhauses

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Nach zwei Jahren Krieg im Jemen zerfällt der Staat und die Bevölkerung leidet.

Felix Arabia – „glückliches Arabien“ nannten die Römer einst die Südspitze der Arabischen Halbinsel – jahrhundertelang ein Open-Air-Museum mit märchenhaften Landschaften und epochalen Kulturschätzen. Seit zwei Jahren jedoch zerstört ein verheerender Krieg den Jemen – weitgehend vergessen von der übrigen Welt.

Das übermächtige Saudi-Arabien will die Huthi-Rebellen im südlichen Nachbarland niederkämpfen, die das Königshaus als verlängerten Arm seines schiitischen Erzfeindes Iran ansieht. Wahllos bombardieren Rijads Kampfjets Wohnviertel, Krankenhäuser und Schulen, Hochzeitsgesellschaften und Märkte, in erster Linie mit Waffen, geliefert von den USA und Großbritannien. Alle Vermittlungsversuche der UN sind bislang gescheitert.

Schon vor dieser Tragödie war der Jemen das Armenhaus der arabischen Welt, mittlerweile ist der Staat faktisch zusammengebrochen. 7700 Tote und 42 000 Verletzte zählten die Vereinten Nationen bisher. Zwei Millionen irren als Binnenflüchtlinge umher. Allein in der Hauptstadt Sanaa verloren 250 000 Einwohner ihr Dach über dem Kopf.

Neue Drohnenoffensive

Zwei Drittel der 27 Millionen Jemeniten sind auf Nahrungshilfe angewiesen, 3,3 Millionen Menschen akut unterernährt, die meisten von ihnen Kinder. Die Preise für Lebensmittel haben sich vervielfacht, die Staatsangestellten seit sieben Monaten kein Geld mehr bekommen. Vor allem in den Dörfern fehlt es am Nötigsten. „Viele schaffen es nicht mehr bis zu den Hilfszentren oder Krankenhäusern“, berichtet UN-Hilfekoordinator Jamie McGoldrick. Die Menschen „sterben einen stillen Tod daheim und werden begraben, ohne dass dies noch irgendjemand registriert“.

Der Jemen muss 90 Prozent seiner Lebensmittel importieren. Doch die Entladekräne des wichtigsten Importhafens in Hudaida am Roten Meer, durch den 80 Prozent aller Einfuhren liefen, wurden durch saudische Raketen schwer beschädigt. Dutzende Handelsschiffe liegen vor der Küste und müssen wochenlang warten, bis sie ihre Ladung löschen können.

Immer weniger Reeder sind überhaupt noch bereit, den Jemen anzulaufen. Sprit ist rar und kostet umgerechnet zwei Euro pro Liter, was die Verteilung der Lebensmittel extrem teuer macht. „Wenn nicht sofort etwas unternommen wird, droht dem Land 2017 eine Hungersnot“, warnte kürzlich UN-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien. Bis zum Jahresende werden mindestens 2,1 Milliarden Dollar gebraucht, um das Schlimmste abzuwenden. Eingegangen sind bisher nur sechs Prozent davon. Im April soll die nächste internationale Geberkonferenz stattfinden.

Hauptprofiteure des Chaos aber sind die Extremisten von Al-Kaida und des „Islamischen Staats“. Al-Kaida ist stärker als je zuvor. Seine 3000 Gotteskrieger beherrschen im Süden und Osten der zerklüfteten Gebirgsnation immer weitere Landstriche, eine Entwicklung, die auch die USA und Europa beunruhigt.

Seit Donald Trump im Weißen Haus regiert, geht die Zahl der Drohnenangriffe steil nach oben. Gab es 2016 unter Präsident Barack Obama 38 Einsätze am Himmel des Jemen, waren es unter seinem republikanischen Nachfolger in den ersten drei Monaten 2017 bereits mehr als 40.

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