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Mit dem Urwald sind auch seine indigenen Völker bedroht, hier ein Yanomami-Indianer in Venezuela nahe der Grenze zu Brasilien.

Umweltschutz

Zerstörerisches Wachstum

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Die katholische Kirche in Lateinamerika beklagt, wie Ölförderung, Bergbau und Agro-Industrie den Amazonas vernichten und Ureinwohner bedrohen.

Die katholische Kirche hat mit scharfen Worten die rücksichtslose Ausbeutung der Rohstoffe in Lateinamerika kritisiert. Das Modell des grenzenlosen Wachstums der Staaten der Region, das sich vor allem auf die Förderung von Öl, den Bergbau und die Agro-Industrie stütze, habe keine Zukunft, sagte der brasilianische Kurienkardinal Cláudio Hummes vor deutschen Journalisten in der ecuadorianischen Stadt Puyo.

„Das ist eine zerstörerische Form des Wachstums“, betonte Hummes, der einer der engsten Berater von Papst Franziskus ist. Der so genannte Extraktivismus nehme keinerlei Rücksicht auf die Umwelt und die Ureinwohner, die in der Amazonasregion leben und sich oft gegen den Abbau von Rohstoffen in ihren Gebieten wehren. So übergingen Regierungen und multinationale Großkonzerne in Ländern wie Brasilien oder Ecuador sogar die in der Verfassung vorgeschriebene Anhörung der Zivilbevölkerung in den betroffenen Gebieten vor den geplanten Ausbeutungsprojekten.

Die lateinamerikanischen Regierungen sähen sich gezwungen, ständig Wachstum zu generieren und würden dafür Großkonzernen den Zugang zum Amazonasgebiet eröffnen oder wie in Ecuador die Ressourcen selber ausbeuten.

Die Folgen seien Entwaldung, Umweltverschmutzung und die Vertreibung der Urvölker aus ihren Gebieten.

Die Kirche müsse die Indígenas in ihrem Kampf für Selbstbestimmung und Erhalt ihres Territoriums unterstützen, betonte Hummes. Um dies besser zu koordinieren, wurde vor gut einem Jahr das „Panamazonische Kirchliche Netzwerk“ (Repam) gegründet, deren Präsident Kardinal Hummes ist. Laut Repam ist bereits ein Viertel des Amazonasgebiets abgeholzt. Dabei liegen in der rund acht Millionen Quadratkilometer großen Region 20 Prozent der weltweiten Wasservorräte und 20 bis 30 Prozent der Sauerstoffvorräte. „Die Zukunft unseres Planeten hängt am Amazonas“, warnt Repam-Geschäftsführer Mauricio López. „Jedes fünfte Glas Wasser, das wir trinken, kommt aus dem Amazonasgebiet“.

Heimat zahlreicher Ureinwohner

Repam, das vom deutschen katholischen Lateinamerika-Hilfswerk „Adveniat“ unterstützt wird, hat mehrere Hundert Infrastrukturprojekte, Erdölförderungen, Vorhaben zum Bau von Staudämmen zur Stromgewinnung und zur Ausbeutung von Bodenschätzen in dem Gebiet ausgemacht, das an acht lateinamerikanische Länder grenzt.

Gegenwärtig besonders umstritten ist die Ölgewinnung im ecuadorianischen Yasuní-Nationalpark, mit der die Regierung des linksnationalistischen Präsidenten Rafael Correa jüngst begonnen hat.

Das Gebiet in der Amazonasregion ist eines der artenreichsten der Erde, zudem ist es Heimat zahlreicher Ureinwohner.

Um das Ökosystem zu schützen, erklärten die Vereinten Nationen den Nationalpark 1989 zum Biosphärenreservat. Dennoch beutet die Regierung in Quito mit ihrer Staatsfirma Petroamazonas nun ein Ölfeld am Rand des Yasuní aus, wo mehr als 40 Prozent der Rohölreserven Ecuadors liegen sollen.

Präsident Correa hatte 2007 Milliardenzahlungen der internationalen Gemeinschaft gefordert, um im Gegenzug auf die Förderung zu verzichten und das Gebiet zu schützen. 850 Millionen Fass Öl sollten im Urwaldboden bleiben, wenn die internationale Gemeinschaft die Hälfte der entgangenen Einnahmen bezahlt. Da das Geld aber nicht zusammen kam, wird nun gefördert.

Auch angesichts der Ölförderung im Yasuní-Park rief Kardinal Hummes die Zivilgesellschaften in den Ländern Lateinamerikas dazu auf, die jeweiligen Regierungen friedlich und demokratisch unter Druck zu setzen. So könnten die Machthaber dazu gezwungen werden, nach alternativen Wachstumsmodellen zu suchen, die nicht umweltzerstörerisch sind und die Rechte der Ureinwohner respektieren.

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