1. Startseite
  2. Politik

Zermürbungstaktik in Harare

Erstellt:

Von: Bascha Mika

Kommentare

Tsitsi Dangarembga vor dem Gerichtsgebäude in Harare.
Tsitsi Dangarembga vor dem Gerichtsgebäude in Harare. © AFP

Verhandlung gegen Regimekritikerin Dangarembga erneut ohne Urteil

Und wieder vertagt: 27 mal musste Tsitsi Dangarembga in Harare bereits vor Gericht erscheinen, 27 mal wurde kein Urteil gesprochen. Auch am Dienstag dauerte die Verhandlung gegen Simbabwes bekannteste Schriftstellerin nur wenige Minuten, der Antrag der Verteidigung auf Einstellung des Verfahrens wurde abgelehnt, der Prozess erneut in die Länge gezogen. Eine Zermürbungstaktik, die vor allem bei politischen Prozessen angewandt wird.

„So lebt man in Simbabwe“, sagte Tsitsi Dangarembga nach der Entscheidung – nicht überrascht, aber doch enttäuscht. Als Begründung für die erneute Vertagung führte die Richterin am Antikorruptionsgerichtshof an: Da es unbestritten sei, dass die Angeklagte Plakate hochgehalten habe, müsse sie nun Zeugen beibringen, ob damit nicht zu Gewalt aufgerufen wurde.

„Es geht darum, die Angeklagten auf Trab zu halten und zu verunsichern“, so Olaf Koschke, Ehemann von Tsitsi Dangarembga, die sich aus juristischen Gründen nur sehr eingeschränkt zum laufenden Verfahren äußern darf. Kommende Woche, am 10. August, will der Antikorruptionsgerichtshof die Zeugen hören und ein Urteil fällen. Das Gericht untersteht direkt Simbabwes autokratischem Präsidenten Emmerson Mnangagwa. „Es wird immer deutlicher, dass das Regime glaubt, vor der Welt alles tun und sagen zu können, ohne dass irgendjemand daran Anstoss nimmt,“ so Olaf Koschke.

Mit Tsitsi Dangarembga steht auch die Journalistin Julie Barnes vor Gericht. Gemeinsam hatten die beiden Frauen 2020 gegen die schlechte Regierungsführung, das brutale Vorgehen gegen Andersdenkende und die grassierende Korruption demonstriert. Sie wurden umgehend verhaftet, wieder frei gelassen und anschließend angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, zu öffentlicher Gewalt, Friedensbruch und Bigotterie aufgestachelt zu haben. Elisha July, Präsident des PEN-Simbabwe: „Egal ob eine einzelne Person oder eine Gruppe demonstriert, die Regierung nimmt es nicht auf die leichte Schulter. Denn sie hat Angst vor dem, was aus dem kleinen Protest entstehen könnte.“

Tsitsi Dangarembga, Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels, ist eine der wichtigsten afrikanischen Literatinnen, Filmemacherinnen und Theaterregisseurin. Als Kritikerin des Regimes in Simbabwe engagiert sie sich seit Jahren für Menschenwürde und Freiheitsrechte in ihrem Land. Sollte sie verurteilt werden, droht ihr mehrjährige Haft.

In Simbabwe sind Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung. Aktivist:innen und Oppositionelle werden ohne rechtliche Grundlage inhaftiert, gefoltert und gedemütigt. „Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit haben kein Forum in Simbabwe“, so Cornelia Zetzsche, Vizepräsidentin des deutschen PEN, die den Prozess vor Ort beobachtet.

Auch interessant

Kommentare