Das Zentrum für Politische Schönheit sucht nach verschollenen Bundeswehrwaffen.
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Das Zentrum für Politische Schönheit sucht nach verschollenen Bundeswehrwaffen.

Zentrum für Politische Schönheit (ZPS)

Neues Meldeportal vom ZPS: Wo sind die Waffen unserer Bundeswehr?

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Das Zentrum für Politische Schönheit macht mit einer neuen Aktion auf sich aufmerksam. Diesmal will es „vermisste“ Waffen der Bundeswehr wieder einsammeln.

Berlin - Die Aktionskünstler:innen vom Zentrum für Politische Schönheit haben mit Mitmachaktionen bereits Erfahrungen gesammelt. So hatten sie 2018 mit der „Soko Chemnitz“ dazu aufgerufen, „Problemdeutsche“ aka Neonazis zu melden und dafür eine kleine Belohnung ausgelobt. „6 Monate Gedanken. 3 Monate Recherche, 1 großes Team und am Ende nur eine Frage: Welche Nazis waren das in Chemnitz? Mit 1552 ermittelten Teilnehmerinnen und Teilnehmern konnten wir zwar einen Großteil identifizieren“, hieß es am Ende der Aktion auf der ZPS-Seite und: „Danke, liebe Nazis.“ Die hatten sich ob ihrer Empörung über die Aktion teils unfreiwillig selbst geoutet.

Das ZPS sucht nach verschollenen Bundeswehrwaffen

Am Montag (26.10.2020) nun startete die Gruppe eine neue Aktion vor dem Kanzleramt. „Wir suchen unsere Waffen“ heißt es auf einer überdimensional großen Kleidertonne in Bundeswehr-eigenen Tarnfarben. Ein Pfeil weist auf den Schacht, der die Fundstücke aufnehmen soll, wobei ein Postenhäuschen - jenen der Bundeswehr gleich - die Inszenierung ergänzt.

Das Zentrum für Politische Schönheit will wohl nicht nur darauf aufmerksam machen, dass der Bundeswehr in den letzten Jahren Waffen abhanden gekommen sind. Vielmehr dürfte es der Gruppe konkret darum gehen, dass die extreme Rechte der Bundeswehr „seit Jahren Waffen klaut, um einen Bürgerkrieg anzuzetteln ... Das lassen wir nicht länger zu ... Wir wollen jetzt unsere Waffen wieder haben“, heißt es in einem Video, das die Bundeswehrwaffen als von Steuergeldern erworbene Güter und ergo Eigentum des Volkes markiert. Die angeblichen Zahlen der entwendeten Waffen inklusive Munition sind ebenfalls aufgelistet.

Was der Bundeswehr laut ZPS so alles entwendet wurde, kann sich sehen lassen: 9mm x 19 Patronen, Stückzahl 16377, 30,7 Meter Sprengschnur, 23 Sprengkapseln, ein Maschinengewehr MP 7, eine Fliegerfaust, sieben Maschinengewehre HK G36, 60 Kilo Plastiksprengstoff und noch einiges mehr. Das Zentrum für Politische Schönheit gibt die Standorte gleich mit an, die diese Verluste zu verzeichnen hätten. Prüfen lassen sich die Angaben nicht, da die Bundeswehr hierzu keine Datei führt.

Dennoch brauche der Militärische Abschirmdienst (MAD) auf Weisung der Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer „unsere“ Hilfe. Es würden „für jeden Hinweis, der zur Ergreifung der Täter oder zum Auffinden der gestohlenen Ausrüstung führt“, 1000 Euro bezahlt, heißt es auf „unsere-waffen.de“. „Der Militärische Abschirmdienst hat bei der Aufklärung versagt. Wir haben jetzt den Laden übernommen!“, heißt es gar bei Philipp Ruch, dem Gründer der Gruppe, auf Facebook

Bundeswehr: Zentrum für Politische Schönheit sucht für den MAD „unsere“ Waffen

Sollten Angehörige der Bundeswehr diverse Waffen „zuhause vergraben haben“, würden sie straffrei ausgehen, so sie denn das Diebesgut bis zum 31. Oktober zurückerstatten. „Die Waffenabgabe erfolgt anonym.“

Das dürfte als Verweis gelesen werden, dass die Truppe keineswegs nur Opfer externen Diebstahls gewesen ist. Vielmehr könnte es sich großteils um Angehörige der Bundeswehr handeln, die ihren eigenen Laden um Waffen erleichterten, so die Botschaft. Schließlich könnten Leute wie beispielsweise André S. diese für ihre eigenen politischen Ziele gebrauchen. Unteroffizier André S. war unter dem Decknamen „Hannibal“ bekannt geworden, weil er ein Netzwerk von Prepper-Gruppen gründet hatte. Deren Teilnehmern wird nachgesagt, sich auf den Zusammenbruch der Staatsordnung an einem „Tag X“ vorzubereiten. (Katja Thorwarth)

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