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Synchron winken: Moon Jae In (li.) und Kim Jong Un bei einer Parade in Pjöngjang.

Korea-Gipfel

Zeichen stehen auf Annäherung

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Beim Besuch in Nordkorea sendet Südkoreas Staatschef Moon klare Zeichen.

Diktator Kim Jong Un begrüßt den südkoreanischen Präsidenten mit einem breiten Lächeln und einer herzlichen Umarmung. Moon Jae In spielt mit, lächelt ebenso freundlich zurück. Die Szene am Dienstag in Pjöngjang hätte sich zwischen den Staatschefs zweier innig befreundeter Staaten abspielen können.

Doch die Freundschaft ist nicht echt – zumindest noch nicht. An der Grenze zwischen den beiden Ländern stehen sich immer noch zwei waffenstarrende Armeen gegenüber. Kim hat seit Beginn der Friedensgespräche noch keine seiner Atombomben verschrotten lassen.

Die Zeichen der Annäherung sind auch immer noch ziemlich jung: Noch vor einem Jahr standen sich Nord- und Südkorea als Feinde gegenüber. Der Norden drohte der damaligen südkoreanischen Präsidentin den „Tod eines armseligen Hundes“ an. Diese wiederum soll ihren Geheimdienst beauftragt haben, Kim ermorden zu lassen. Der Norden hatte zuvor „Schläge mit dem Vorschlaghammer gegen die Marionetten der US-Imperialisten“ in Südkorea angekündigt. Kim ließ US-Präsident Donald Trump einen „debilen Tattergreis“ nennen und stellte den USA „totale Vernichtung“ in Aussicht.

Doch Nordkorea kann seine Propaganda rasch umschalten. Die bestellten Volksmassen begrüßten Moon mit allen Zeichen der Begeisterung. Der bedankte sich mit einer höflichen Verbeugung – und sandte dadurch eine geschickt platzierte Botschaft der Freundschaft.

Hilfe für Kims marode Wirtschaft

Es ist bereits das zweite Treffen zwischen Kim und Moon. Im Mai hatten sie sich noch an einem Grenzposten getroffen, jetzt wagte sich Moon zum Staatsbesuch in die Höhle des Löwen, in Kims herausgeputzte Hauptstadt Pjöngjang. Moon, ein ehemaliger Menschenrechtsanwalt, will unbedingt die Annäherung und hat sogar schon eine Wiedervereinigung als Fernziel im Blick.

Dafür ist er bereit, über seinen Schatten zu springen und nett zu dem grausamen Diktator zu sein. Kim wiederum braucht die Hilfe Südkoreas und der USA, um seiner maroden Wirtschaft aufzuhelfen. Beide Staatsmänner wissen, dass dieser Gipfel nur ein Vorgeplänkel ist. Das wirklich bedeutsame Treffen wäre ein zweiter Gipfel zwischen Kim und Trump. Da liegt etwas in der Luft: Trump kann eine außenpolitische Schau kurz vor den Zwischenwahlen zum Parlament gut gebrauchen.

Nur liegt es bei Kim, was er aus der für ihn günstigen Situation macht, so umworben zu sein. Bisher zeigt er ein gemischtes Bild. Anders als Trump es nach einem Gipfel Mitte Juni in Singapur angekündigt hat, blieb sichtbare Abrüstung aus. Trump zeigte sich irritiert, reagierte aber nicht eindeutig: Wenn er zugibt, Kim zu schnell entgegengekommen zu sein, könnte das den von ihm verkündeten außenpolitischen Sieg schmälern. Und in Trumps Weltbild macht Trump keine Fehler.

Doch Kim hat das diplomatische Spiel bisher schlau gespielt, und nichts deutet darauf hin, dass er nicht weiterhin das Maximum für sich herausholt. Bei dem laufenden Gipfel mit Moon darf er am Mittwoch auf vorgreifende Belohnungen hoffen. Mit Moon ist eine Wirtschaftsdelegation aus Führungspersönlichkeiten der südkoreanischen Großkonzerne wie Samsung, SK und LG nach Pjöngjang gereist. Wenn die Gespräche für Kim gut laufen, können diese Männer aus dem Stand Milliardeninvestitionen locker machen – im Sinne der Staatsräson. Die Zeichen stehen tatsächlich auf weiterer Annäherung.

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