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Kim Jong Un (vorne links) salutiert im Dezember 2011 neben den sterblichen Überresten seines Vaters, des nordkoreanischen Führers Kim Jong Il, während des Trauerzuges in Pjöngjang.
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Kim Jong Un (vorne links) salutiert im Dezember 2011 neben den sterblichen Überresten seines Vaters, des nordkoreanischen Führers Kim Jong Il, während des Trauerzuges in Pjöngjang.

Nordkorea

Zehn Jahre Kim Jong Un, zehn Jahre Armut

  • VonFelix Lill
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Nordkoreas Diktator ist seit einem Jahrzehnt an der Macht – seine Ägide ist ein Auf und Ab.

Die Menschen hat er immer im Herzen“, lobte das Staatsblatt „Rodong Shinmun“ am Montag seinen Regenten. Und Ende vergangener Woche hatte ein Leitartikel von dessen Führungsstil geschwärmt: „Die unverrückbare Wahrheit des Patriotismus lehren“. Kritik an ihrer Regierung ist in den Medien des Einparteienstaats Nordkorea nie zu vernehmen. Derzeit liest sich die Propaganda im nordostasiatischen Land aber besonders harmonisch.

Schließlich ist es diese Tage zehn Jahre her, dass der damals 27-jährige Kim Jong Un Staatschef von Nordkorea wurde, nachdem sein Vater und Amtsvorgänger Kim Jong Il gestorben war.

Nordkorea unter Kim Jong Un: USA als Feindbild

Für die Stabilität eines Regimes, sagt Vladimir Tikhonov, ein russisch-südkoreanischer Koreanistikprofessor der Universität Oslo, brauche es drei Dinge. Demokratie und Menschenrechte gehören demnach nicht dazu, ansonsten müssten weltweit noch diverse Regierungen wackeln, die keine unabhängigen Wahlen, Meinungsfreiheit und Ähnliches zulassen, was auf Freiheit deutet. Laut Tikhonov geht es bei der Stabilität eines Regimes vielmehr um nationalistische Legitimität, die begründete Hoffnung des Wachstums und zumindest ein kleines bisschen Meritokratie. Legt man diesen Maßstab an Kim Jong Un an – wie fest sitzt der Mann im Sattel?

Die nationalistische Legitimität ist nicht das Problem. In dem Land, wo familiäre Abstammung viel zählt, ist Kim der Enkel des Mannes, der nach der nationalen Erzählung Nordkorea vor dem Kapitalismus gerettet und in den Kommunismus geführt hat. Die Juche-Ideologie, die großen Wert auf nationale Autarkie legt und alle Macht im Staatsoberhaupt vereint, ist eine nordkoreanische Erfindung – und quasi Staatsreligion.

Nordkorea: Millionen Menschen haben Mobiltelefone

Auch Meritokratie – dass sich also eigene Arbeit lohnt, um im Leben voranzukommen – ist in Nordkoreas Staat vorhanden. „Jeder weiß, dass man den zehnjährigen Militärdienst machen sollte, damit man dann bessere Chancen auf eine Parteikarriere hat“, so Tikhonov. Nordkoreaner können unter bestimmten strengen Bedingungen auch eine Ausreisegenehmigung erhalten.

Selbst was den Glauben an Wachstum im Land angeht, hat es unter Kims Regentschaft teils deutliche Fortschritte gegeben. Schwarzmärkte und unternehmerische Aktivitäten wurden praktisch erlaubt. Millionen Menschen haben Mobiltelefone. Das staatliche Intranet, das zwar vom weltweiten Internet abgeschottet ist, erlaubt auch digitale Kommunikation. Dennoch bleibt Nordkorea eines der ärmsten Länder des Planeten – und durch die Pandemie ist die Lage deutlich schlimmer geworden.

Nordkorea: Corona sei schuld an der Mangelwirtschaft

Im Oktober 2020, als Nordkoreas Kommunistische Partei ihr 75-jähriges Jubiläum feierte, sagte Kim Jong Un unter Tränen: „Unser Volk hat Vertrauen auf mich gesetzt, so hoch wie der Himmel und so tief wie die See, aber ich bin dabei gescheitert, die Erwartungen zu erfüllen.“ Anfang dieses Jahres erklärte er, die Gründe für das Scheitern seien „sowohl außerhalb als auch innerhalb“ des Landes zu finden.

Kim Jong Un kann für die Mangelwirtschaft zwei Erklärungen bieten: Die Corona-Pandemie sowie die USA, unter deren globalem Einfluss dem nordkoreanischen Staat schmerzhafte UN-Sanktionen auferlegt wurden.

Kim Jong Un: Der Nationalismus Nordkorea wird geschürt

Das Feindbild USA dient in Nordkorea zudem als Rechtfertigung für einen ständigen Ausnahmezustand, in dem Ausgaben für Militär jene für das Bildungssystem oder Sozialprogramme übertrumpfen. Diese Erzählung wird dann nicht nur als Erklärung für die momentane Armut benutzt, sondern schürt auch den Nationalismus – und erschwert einen Friedensvertrag mit Südkorea.

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