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Elegante Eroberer, dankbare Kolonisierte – so stellte man sich jahrhundertelang die „Entdeckung Amerikas“ vor. Ein Kupferstich aus dem 16. Jahrhundert von Kolumbus’ Landung 1492.
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Elegante Eroberer, dankbare Kolonisierte – so stellte man sich in Europa jahrhundertelang die „Entdeckung Amerikas“ vor. Ein Kupferstich aus dem 16. Jahrhundert von Kolumbus’ Landung 1492.

Kolonialismus

Zapatistas kommen nach Europa

  • VonTimo Dorsch
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Eine Delegation zapatistischer Gruppen bereist 500 Jahre nach der Eroberung des Aztekenreichs durch die Spanische Krone den europäischen Kontinent und prangert bei den Ex-Kolonialmächten globale Missstände an.

In Wien ist an diesem Dienstag eine 170-köpfige politische Delegation aus Mexiko gelandet. Aufgeteilt in 28 Untergruppen bereist sie über drei Monate Europa, um das gesellschaftliche Leben in Italien, Belgien und anderen Ländern kennen zu lernen und sich mit politischen Initiativen und Organisationen auszutauschen. Auch die Rhein-Main-Region soll Anlaufpunkt der Delegation sein.

Hinter der Delegation, die den Namen „Reise für das Leben“ trägt, steckt die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN), die im südöstlich gelegenen Bundesstaat Chiapas am 1. Januar 1994 einen Aufstand durchführte, der weltweit Sympathiebekundungen auslöste.

Die große Delegation löst eine siebenköpfige Vorhut der EZLN ab, die am 11. September zurück nach Mexiko reiste. Die Vorhut hatte per Segelschiff den Atlantik überquert und legte im Juni im galizischen Hafen von Vigo an. Es ist die gleiche Route, die Jahrhunderte zuvor von den spanischen Eroberern genommen wurde, um weite Teile des amerikanischen Kontinents zu unterwerfen. Nun bereisten die Nachfahren der Eroberten sie in entgegengesetzter Richtung, als Reise für das Leben.

Unter dem Slogan „“Ihr habt uns nicht erobert“, zogen diese Sieben zusammen mit Mitstreiter:innen aus ganz Europa am 13. August durch Madrid - genau 500 Jahre nachdem die aztekische Hauptstadt Tenochtitlán von der Spanischen Krone erobert wurde. In Nantes, Frankreich, fand zudem ein europaweites feministisches Treffen statt. Als Blaupause dienten zwei „Internationale Zusammentreffen der Frauen, die kämpfen“, die die Zapatistinnen mit über 5000 Gästen aus aller Welt in den letzten Jahren abgehalten hatten. Die große Delegation plant weitere Treffen und Proteste in verschiedenen europäischen Ländern

Neben den Zapatistas setzt sich die Delegation aus Mitgliedern des Nationalen Indigenen Kongresses und einer regionalen Vernetzung zusammen, die sich gegen ein umweltzerstörerisches Megaprojekt im Zentrum Mexikos stellt. Gemeinsam prangern sie historische wie auch heutige koloniale Verhältnisse heute an.

Da der mexikanische Staat den Forderungen der EZLN nach unter anderem Demokratie und Anerkennung indigener Lebensweisen nicht erfüllt, setzten sie die Zapatistas selbst um. Sie errichteten ein regionales Autonomieprojekt, das trotz permanenter Angriffe durch Armee und paramilitärische Einheiten ein Leben in relativem Frieden ermöglicht – ungleich zum Rest des Landes. Seit Ende 2006 herrschen in Mexiko kriegerische Zustände. Verschwindenlassen, Vertreibungen und Morde sind alltäglich.

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