Zahlreiche Todesopfer bei US-Luftangriffen auf Falludscha

US-Militärs sprechen von "Präzisionsschlag" gegen Aufständische / Autobombenexplosion in Bagdad / Wahlen im Januar gefährdet

Bagdad · 17. September · pn/rtr/dpa/ap · Die US-Streitkräfte flogen am Freitag zahlreiche Angriffe auf die westlich von Bagdad gelegene Stadt Falludscha und auf die umliegende Dörfer. Das Militär sprach dabei von einem "Präzisionsschlag" gegen ein Lager von Anhängern des Moslem-Extremisten Abu Mussab Sarkawi, dem Verbindungen zu Al-Qaeda nachgesagt werden. Zum Zeitpunkt des Angriffs hielten sich nach US-Angaben etwa 90 ausländische Kämpfer in dem Lager auf. Etwa 60 Aufständische seien ums Leben gekommen.

Klinikärzte betonten dagegen, die Opfer seien vor allem Frauen und Kinder gewesen. Arabische Kämpfer seien nicht darunter. Nach Angaben des irakischen Gesundheitsministeriums wurden 45 Zivilisten bei den Angriffen getötet. Reuters-TV zeigte Bilder von blutüberströmten Leichen in einem Hospital, darunter Frauen und Kinder.

Nach Angaben des Sprechers einer Bürgerdelegation in Falludscha wurde mittlerweile ein Waffenstillstand geschlossen. Für Sicherheit in der Stadt sollten demnach künftig irakische Polizisten und einheimische Nationalgardisten sorgen.

In den vergangenen Wochen flogen US-Streitkräfte rund ein Dutzend Angriffe auf Falludscha. Das Militär erklärte, vor den für Januar geplanten Wahlen alle von Rebellen gehaltenen Widerstandsnester zurückerobern zu wollen. US-Außenminister Colin Powell räumte ein, dass der Wahl-Termin nicht zu halten sei, sollte die Sicherheitslage unverändert bleiben.

Großbritannien will zusätzliche Soldaten zur Sicherung der Wahlen nach Irak entsenden. Aber auch in London wachsen die Zweifel. Oberst a. D. Tim Collins, einer der Kriegskommandeure in Irak, warf Premierminister Tony Blair und US-Präsident George W. Bush vor, sie hätten keine Vorbereitungen für die Nachkriegszeit getroffen. Es habe sich um einen "zynischen Krieg" gehandelt, bei dem die "Konsequenzen für das irakische Volk keine Rolle gespielt hätten". Zusätzlicher Druck auf die Blair-Regierung entstand durch die Kritik des UN-Generalsekretärs Kofi Annan, wonach die Invasion Iraks "illegal" gewesen sei. Annan hat sich hinsichtlich des Wahltermins ebenfalls skeptisch geäußert.

Bei einer Autobombenexplosion im Zentrum von Bagdad starben am Freitag nach Behördenangaben bis zu 13 Iraker, die meisten von ihnen Polizisten. Der Selbstmordattentäter hatte sich mit seinem Auto in einen Konvoi der irakischen Polizei gedrängt und dann die Bombe gezündet. An einem Kontrollpunkt der US-Armee in Bagdad war bereits am frühen Morgen eine Autobombe explodiert. Die zwei Insassen wurden dabei getötet.

Ein am Vortag im Nordirak entführter syrischer Lastwagenfahrer wurde am Freitag nach Polizeiangaben freigelassen. Am Vortag hatte sich eine islamistische Extremistengruppe im Internet zur Ermordung dreier irakischer Geiseln bekannt. Die am Montag entführten Lastwagenfahrer hätten Waren zu einer US-Militärbasis bringen sollen.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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