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Bisher ist klar, dass alle Einschränkungen zumindest bis zum 19. April bestehen bleiben.

Pandemieverlauf

„Die Zahlen werden trügerisch sein“

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Niedersachsens Gesundheitsministerin warnt vor einer raschen Lockerung der Beschränkungen.

Die niedersächsische Sozialministerin Carola Reimann (SPD) hält es für verfrüht, bereits kurz nach Ostern über eine Lockerung der Kontaktbeschränkungen zu entscheiden. „Die Zahlen, die am Dienstag nach Ostern als Entscheidungsgrundlage vorliegen, werden trügerisch sein und fälschlicherweise eine Entspannung zeigen“, sagte Reimann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Zu diesem Zeitpunkt werden wir leider eine ausgesprochen schlechte Datengrundlage haben“, mahnte sie. „Wirklich belastbare Daten gibt es aus meiner Sicht im Grunde erst Ende April.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder hatten sich darauf geeinigt, am Dienstag nach Ostern eine Neubewertung der Lage vorzunehmen. Bisher ist klar, dass alle Einschränkungen zumindest bis zum 19. April, dem Ende der Osterferien in den meisten Ländern, bestehen bleiben.

„Seit der Krise ist zu beobachten, dass stets nach einem Wochenende die Zahl der Neuinfektionen zurückgeht, weil nicht so viele Menschen untersucht werden und die Behörden die Daten erst verspätet weiter melden“, argumentierte Reimann. Nach dem langen Osterwochenende werde es „eine extra tiefe Delle“ geben, zumal auch schon in der Woche vor Ostern viele ambulant tätige Ärzte im Urlaub seien und somit tagelang weniger getestet werde. „Wenn man auf Grundlage der direkt nach Ostern vorliegenden Zahlen eine neue Lagebewertung vornimmt, muss dies berücksichtigt werden“, warnte Reimann.

Die SPD-Politikerin sagte, auf der Politik laste ein hoher Druck, die Einschränkungen zu lockern. Das habe unter anderem mit der entsprechenden Entscheidung in Österreich zu tun. „Doch wir dürfen nicht vergessen, dass Österreich beim Pandemieverlauf mindestens vier Wochen weiter ist als Deutschland“, sagte sie. Außerdem müsse befürchtet werden, dass zu Ostern entgegen der Empfehlungen viele Menschen ihre Angehörigen besuchten, so dass es mehr Infektionen gebe werde. „Das dicke Ende werden wir dann möglicherweise 14 Tage nach Ostern durch eine steigende Zahl von Neuinfektionen und leider auch Toten sehen“.

Auch der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sagte, es sei zu früh, über Lockerungen zu diskutieren: „Wir stehen immer noch am Anfang der Pandemie.“ Ähnlich äußerte sich das Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Trotz „positiver Signale“ aus einigen Ländern wären rasche Lockerungen verfrüht. (mit afp)

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