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USA zahlen - ein wenig

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Commander A.F. Birch nummeriert auf der Marianeninisel Tinian nahe Guam die für Hiroshima bestimmte Atombombe "Little Boy" vor dem Verladen auf den Bombenwagen als unit L-11 (Einheit L-11). Rechts steht der Physiker Dr. Norman Foster Ramsey.
Commander A.F. Birch nummeriert auf der Marianeninisel Tinian nahe Guam die für Hiroshima bestimmte Atombombe "Little Boy" vor dem Verladen auf den Bombenwagen als unit L-11 (Einheit L-11). Rechts steht der Physiker Dr. Norman Foster Ramsey. © Archival Research Catalog

Washington überweist als erste Atommacht seit 1990 Geld an Strahlenopfer. Von Dietmar Ostermann

Von DIETMAR OSTERMANN

Washington. Die USA haben 1990 als erste Atommacht ein Gesetz zur Entschädigung von Strahlenopfern ihrer Nukleartests verabschiedet. Seither hat Washington rund 1,4 Milliarden Dollar an Betroffene gezahlt. Die meisten anerkannten Gesundheitsschäden wurden durch Atomtests auf der berüchtigten Nevada Test Site verursacht.

Auf dem Militärgelände nahe der Glücksspielmetropole Las Vegas im US-Staat Nevada haben die USA bis zu deren Verbot 1963 knapp die Hälfte von 210 überirdischen Atomtests durchgeführt. Gezündet wurden Atomsprengsätze auch im US-Staat New Mexico sowie im Atlantik und Pazifik. Insgesamt rund 380 000 Soldaten wurden dazu abkommandiert. Teils wohnten sie atmosphärischen Tests ungeschützt in nur drei Kilometer Entfernung bei.

Schwere Gesundheitsschäden verursachten Atomtests zudem vor allem in Nevada, aber auch in den Nachbarstaaten Arizona und Utah bei Anwohnern - meist in indianischen Dörfern. Schon 1980 räumte eine US-Regierungskommission ein, Atomtests hätten wahrscheinlich zu Erkrankungen und dem Tod zahlreicher Menschen geführt.

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Zehn Jahre später billigte der Kongress den Radiation Exposure Compensation Act. Verstrahlten Anwohnern wurde darin eine Entschädigung von 50 000 Dollar gewährt. Teilnehmer von Atomtests sollten bei Gesundheitsschäden bis zu 75 000 Dollar erhalten, erkrankte Arbeiter in Uranminen bis zu 100 000 Dollar.

Umfang und Art der Wiedergutmachung sind umstritten. Zuletzt weitete der Kongress 2002 die betroffenen Gebiete und die Liste der als entschädigungswürdig anerkannten Krankheiten aus. Betroffene und deren Familien klagen indes immer wieder über bürokratische Hindernisse, etwa wenn ein Nachweis des Wohnsitzes zum Zeitpunkt der Atomtests vor rund einem halben Jahrhundert gefordert wird. Seit 1990 wurden nach Angaben der US-Regierung lediglich 20 792 Anträge auf Entschädigung anerkannt. 8531 Anträge wurden abgelehnt, 597 werden noch bearbeitet.

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