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„Alles läuft richtig“: US-Präsident Trump (li.) bei „Fox“.

USA

Der Zahlen-GAU

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US-Experten errechnen schaurige Todesraten. Das Schlimmste steht dem Land in der COVID-19-Pandemie wohl noch bevor.

Die rote Kurve auf der Grafik weist nach oben und sie steuert zum 1. Juni auf einen wahnwitzigen Spitzenwert zu. Doch ausnahmsweise wird sich der rekordsüchtige Präsident damit nicht brüsten: Die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den USA dürfte nach einer Modellrechnung von Regierungsexperten binnen eines Monats von derzeit rund 30.000 auf 200.000 hochschießen. Die USA haben das Schlimmste wohl noch vor sich.

Die Modellrechnungen in dem vertraulichen Regierungsbericht, an dem unter anderem das Heimatschutzministerium und die Gesundheitsbehörde CDC mitgearbeitet haben, stehen in scharfem Kontrast zu der Erfolgsrhetorik von Trump. „Wir sind auf der richtigen Seite. Praktisch jeder marschiert in die richtige Richtung“, verkündete der Präsident in einer bizarren Fernsehshow seines Haussenders „Fox“. Auch bei dieser Gelegenheit stachelte Trump die Gouverneure an, möglichst bald ihre Strände, Parks und Geschäfte zu öffnen.

Doch nach Einschätzung der Experten sind in vielen Bundesstaaten die Voraussetzungen für Lockerungen nicht erfüllt. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen in den USA ist seit einem Monat nicht gefallen, sondern schwankt mal leicht unter, mal über der 30 000er-Marke. In der ersten Aprilhälfte lag die tägliche Covid-19-Todeszahl konstant über 1000. Inzwischen kommen täglich fast 2000 Tote dazu. Die jetzt bekannt gewordene Modellrechnung unterstellt, dass die Todeszahl durch die überstürzte Rücknahme des Lockdowns bis 1. Juni auf 3000 steigt. „Die Kosten des Kurswechsels können an der Zahl der Beerdigungen gemessen werden“, formulierte die „New York Times“ sarkastisch.

Wenig überraschend wiegelte das Weiße Haus ab: Die von der „New York Times“ veröffentlichte Prognose mit dem Zusatz „Nur für den Dienstgebrauch“ spiegele nicht die Analysen der Corona-Taskforce der Regierung wider. Überprüfen kann man das freilich nicht, denn zeitgleich hat die Regierung den Mitgliedern dieses Arbeitsstabs einen Maulkorb verpasst. Nur mit ausdrücklicher Genehmigung von Trumps Stabschefs sollen sie dem Kongress Rede und Antwort stehen dürfen. Zugleich wird die Anzahl solcher Aussagen in einer Aktennotiz begrenzt – angeblich wegen der hohen Arbeitsbelastung der Experten. Tatsächlich hatte sich der renommierte Immunologe Anthony Fauci wiederholt kritisch zu einer verfrühten Abkehr von der Stay-at-Home-Politik geäußert.

Trump sagt, er sei „stolz“

Doch selbst Trump kommt nicht umhin, seine schönfärberischen Erklärungen gelegentlich der Realität anzunähern. „Es geht in Richtung 50.000 oder 60.000“, hatte er am 20. April die gesamte Todeszahl durch die Corona-Pandemie für die USA prognostiziert. „Unser Todeszoll pro Millionen Einwohner ist wirklich sehr, sehr solide“, brüstete er sich am vorigen Freitag und sagte, er sei „sehr stolz“ auf das Erreichte. Inzwischen sind mehr als 69.000 Menschen ums Leben gekommen. Nun sagt Trump: „Wir werden irgendetwas zwischen 75.000 und 100.000 Menschen verlieren.“ Das sei zwar furchtbar, doch ohne sein entschlossenes Handeln läge die Zahl viel höher.

Das wird sie wohl tatsächlich: Das angesehene Institut für Gesundheitsökonomie der Universität des Bundesstaats Washington erwartet für die USA 134.000 Tote bis August. Dann hätten doppelt so viele Amerikaner wie im Vietnamkrieg ihr Leben verloren.

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