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Die Zahl der Toten

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Propaganda ist ein wichtiges Mittel im Krieg, und die Zahl der Opfer des Gegners ist ein wichtiges Propagandamittel. Was für den Krieg gilt, erstreckt sich

Propaganda ist ein wichtiges Mittel im Krieg, und die Zahl der Opfer des Gegners ist ein wichtiges Propagandamittel. Was für den Krieg gilt, erstreckt sich mittlerweile oft auch auf die Nachkriegszeit, die - wie bereits in Afghanistan - auch in Irak von täglichen Gefechten zwischen Besatzungstruppen und Anhängern des gestürzten Regimes geprägt ist. Zumeist fehlt eine unabhängige Instanz, die die tatsächliche Zahl der Getöteten auf beiden Seiten ermittelt.

Beobachtern bleibt deswegen lediglich übrig, entweder den offiziellen Verlautbarungen der jeweiligen Parteien zu vertrauen oder - auf Grund von eigenen Recherchen sowie den täglichen Meldungen aus dem Kriegsgebiet und anderen inoffiziellen Quellen - mehr oder minder akkurate Schätzungen über die tatsächliche Zahl der Opfer anzustellen.

Das US-Verteidigungsministerium informiert in täglichen Mitteilungen auf seiner Homepage namentlich über jene US-Soldaten, die beim Einsatz in Irak getötet worden sind. Bis Anfang August waren es demzufolge insgesamt 250 Angehörige der US-Streitkräfte, die ihren Einsatz in Irak mit dem Leben bezahlten.

Knapp die Hälfte davon, nämlich 117 Soldaten, starb demzufolge, seit US-Präsident George W. Bush am 1. Mai die Kampfhandlungen zwischen Euphrat und Tigris offiziell für beendet erklärt hatte. Fast jeder Zweite von ihnen (55 Angehörige von Armee und Marines) fielen dabei Guerilla-Angriffen zum Opfer.

Keine offiziellen Daten gibt es hingegen über die Zahl der Opfer im irakischen Militär und der Zivilbevölkerung. Die Neue Zürcher Zeitung machte allein 15 verschiedene Organisationen mit ebenso vielen Zählweisen und dementsprechend unterschiedlichen Ergebnissen aus. Die Nachrichtenagentur Associated Press beispielsweise bezifferte die Zahl der getöteten Zivilisten nach den ersten fünf Kriegswochen auf Grund einer eigenen Umfrage in 60 irakischen Krankenhäusern auf 3240.

Nach Recherchen von britischen und US-Friedensaktivisten, die sich in der Organisation "Iraq Body Count" (IBC) zusammengefunden haben, sind im Zuge des Irak-Konflikts seit 1. Januar dieses Jahres mindestens 6086 Männer, Frauen und Kinder getötet worden. Die IBC-Mitarbeiter stützen ihre Kalkulationen auf Pressemeldungen aus dem Krisengebiet und werteten dabei mehr als 40 verschiedene Medien - wie CNN, Al Dschasira, BBC und New York Times - als Quellen aus. Die Zahl der "wahrscheinlich Getöteten" setzte die Organisation mit 7797 deutlich höher an. Nach ihren Angaben töteten die Besatzer nach dem 1. Mai mindestens 110 Iraker, hinzu kämen noch mindestens 200 zivile Opfer durch Blindgänger oder Minenexplosionen.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz sieht sich bislang außer Stande, eine eigene Bilanz über die Opfer in Irak zu erstellen. eff

Dossier: Irak nach dem Krieg

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