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Youssou N'Dour ist Unesco-Botschafter und will Präsident werden.

Präsidentschaftskandidat im Senegal

Youssou N’Dour: Musiker mit Kampfgeist

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Sollte Weltmusiker Youssou N’Dour damit gerechnet haben, seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten im Senegal werde nur ein weiterer seiner frenetisch umjubelten Auftritte, so sieht er sich jetzt getäuscht. Der Eintritt des Grammy-Gewinners in die Welt der Politik wurde am Wochenende von ungewöhnlich rüden Szenen begleitet.

Polizisten schlugen dem 52-Jährigen die Brille vom Gesicht und behandelten den vom Musikmagazin Rolling Stone als einen der größten Sänger der Welt gefeierten Star wie einen miesen Verbrecher.

Den Tumulten in Senegals Hauptstadt Dakar waren zwei Entscheidungen des Höchsten Gerichtshofs vorausgegangen, die die bevorstehenden Wahlen zur Farce werden lassen könnten. Die vom amtierenden Präsidenten Abdoulaye Wadi erst kürzlich mit einer Gehaltserhöhung belohnten Richter ließen den Staatschef zu einer weiteren Kandidatur zu, obwohl die Verfassung die Amtszeit ausdrücklich auf zwei Perioden beschränkt. Die Begründung ist eine juristische Spitzfindigkeit. Wade war ein Jahr vor der 2001 verabschiedeten neuen Verfassung zum ersten Mal gewählt worden. Diese erste Amtszeit zähle deshalb nicht, folgten die Richter dem Argument des heute 85-Jährigen.

Gleichzeitig befanden die höchsten Juristen des westafrikanischen Staats, dass sie die Echtheit von vielen der 13000 Unterschriften zur Unterstützung N’Dours nicht nachprüfen könnten. Ihrer Meinung nach müsse der „Kleine Prinz von Dakar“, wie der Sänger genannt wird, deshalb aus dem Rennen genommen werden.

Das sei ein verfassungsrechtlicher Staatsstreich, tobte der Künstler und drohte, dass er seine Anhänger nun nicht mehr länger kontrollieren könne.

Einst gutes Verhältnis zu Wade endgültig zerstört

Damit war ein einst gutes Verhältnis endgültig zerstört. Youssou N’Dour hatte Wade zu dessen ersten Wahlsieg singend mit verholfen. Er werde niemals selbst in die Politik gehen, schwor der mit „Seven Seconds“ zu Weltruhm gelangte Sänger seinerzeit, denn „als Politiker musst du lügen und Versprechen machen, die du nicht einhalten kannst“.

Doch Wade wandelte sich vom Hoffnungsträger zu einem Politiker, der sich an die Macht klammert, der nur an der Bereicherung einer Clique statt am Gemeinwohl interessiert ist. Da revidierte N’Dour seine Ansicht. „Wir müssen von vorne anfangen“, meint der Unesco-Botschafter heute. „Wir müssen das Senegal der reichen Limousinenfahrer wieder mit dem der armen Schlucker zusammenbringen.“

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