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Xinjiang - Geographie, Geschichte, Politik von Chinas Uiguren-Provinz

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Ürümqi, Hauptstadt von Xinjiang
Ürümqi, Hauptstadt von Xinjiang © ViewStock / IMAGO

Xinjiang hat eine lange Geschichte. Heute macht die Region in Chinas Nordwesten hauptsächlich aufgrund der Menschenrechtsverletzungen an den dort lebenden ethnischen Minderheiten Schlagzeilen.

Ürümqi – Dies ist die Hauptstadt der autonomen Region – kurz AR – Xinjiang in der Volksrepublik China. Xinjiang ist ebenfalls unter dem Namen Ostturkestan bekannt. Seit einiger Zeit macht das Gebiet aufgrund der dortigen Menschenrechtsverletzungen durch die Kommunistische Partei Chinas Schlagzeilen.

Xinjiang: Geografie der Region in China

Xinjiang befindet sich im äußersten Nordwesten Chinas. Obwohl es in Xinjiang einige geschichtsträchtige Städte wie etwa Kaschgar oder Gaochang gibt, ist die Hauptstadt Ürümqi noch relativ jung. Innerhalb des Landes grenzt das autonome Gebiet an die Provinzen Qinghai, Gansu sowie an die autonome Region Tibet. Außerhalb Chinas schließt Xinjiang an folgende Länder an:

Zu Indien und Pakistan liegt die Grenze in der umstrittenen Region Kaschmir. Insgesamt macht die Grenzlinie von Xinjiang mit 5.600 Kilometern ein Viertel der gesamten chinesischen Grenzlinie aus.

Im Südwesten hält Xinjiang Anteile an den Gebirgsmassiven Pamir, Himalaja und Karakorum. Während der Norden des erdbebengefährdeten Gebietes von der Dsungarei gebildet wird, beherrscht das Tarimbecken den Großteil der übrigen Region. Dort liegt auch die Taklamakan-Wüste.

Die Taklamakan-Wüste

Die Taklamakan ist die zweitgrößte Sandwüste der Erde. Ihre Dünen messen über 100 Meter – einigen Berichten zufolge sollen auch manche mit einer Höhe von 300 Metern vorkommen. Daneben finden sich einige Salzseen in der Wüste. Das Klima ist mit weniger als 30 Millimetern Niederschlag pro Jahr extrem trocken. Die Temperaturen schwanken im Verlauf des Tages stark: So kann es tagsüber bis über 60 Grad Hitze haben und nachts auf minus zwölf Grad abkühlen.

Berüchtigt ist die Taklamakan-Wüste für den Kara Buran, den „schwarzen Sandsturm“. Zwischen Februar und Juni wirbelt er regelmäßig tonnenweise Sand auf und verfinstert dabei oftmals den Himmel. Der Kara Buran dauert mitunter mehrere Tage oder Wochen an. Der daraus resultierende Staubnebel reduziert nicht selten die Sonneneinstrahlung massiv. Zahlreiche Karawanen und sogar Städte vergrub der Sturm schon unter sich. Außerdem ist die Taklamakan als Teil Xinjiangs erdbebengefährdet, was ebenfalls dazu beiträgt, dass sie als höchst lebensfeindlich gilt.

Xinjiang in China: Geschichte der Region im Altertum und Mittelalter

Die Geschichte Xinjiangs reicht weit zurück. Im 1. Jahrtausend v. Chr. bevölkerten zahlreiche nomadisierende sowie sesshafte Ethnien das Gebiet. Der chinesische Kaiser Han Wudi (156 bis 87 v. Chr.) eroberte das Tarimbecken erstmals für China und eröffnete das Fernhandelsnetz der Seidenstraße. Das hatte zur Folge, dass sich die Städte in Xinjiang und im Tarimbecken zu Handelszentren entwickelten, in denen auch chinesische, persische, sogdische, syrisch-aramäische und jüdische Kaufleute sesshaft wurden.

Im 2. bis 3. Jahrhundert v. Chr. geriet die Region dann unter die Herrschaft der Xiongnu. 104 v. Chr. eroberte China das Gebiet während der Han-Dynastie zurück. Im Jahre 25 mussten die Chinesen das Xinjiang-Reich jedoch wieder an die Xiongnu abtreten und erlangten es erst 73 wieder. Im 9. Jahrhundert siedelte der Großteil der uigurischen Nomaden vom Baikal nach Xinjiang über. Grund dafür war die kirgisische Zerstörung ihres Großreiches in der Mongolei. Im Turfan-Becken in Xinjiang bauten die Uiguren ihren eigenen Staat auf. Jener wurde im 12. Jahrhundert ein Vasall der Kara-Kitan. Später unterwarfen die Mongolen das Gebiet und gliederten es ins Tschagatai-Khanat ein. Tschagataisch etablierte sich im Mittelalter zur angesehensten und dominierenden Sprache in Xinjiang und im Tarimbecken. Sie verdrängte sogar die älteren Sprachen und assimilierte so ihre Sprecher.

Die Region Xinjiang in China: Neuzeit und Moderne

1757 unterwarf das chinesische Qing-Reich unter Kaiser Qianlong das Gebiet endgültig. In der Qing-Dynastie wurden die Dsungarei und das Tarimbecken zur Provinz Xinjiang vereint. Der Name Xinjiang bedeutet übersetzt „Neue Grenze“. 1876 eroberte Russland einige chinesische Gebiete und auch Xinjiang galt als Einflusszone des Russischen Reiches. Bis zur Gründung der Volksrepublik China 1949 übte die Sowjetunion großen Einfluss auf die heutige AR aus. Die UdSSR unterhielt eine Militärbasis in Xinjiang und dominierte die Wirtschaft.

Der erste chinesische Präsident Yuan Shikai und der Gouverneur Yang Zengxin schufen schließlich eine Militärdiktatur in Xinjiang. 1933 kam Sheng Shicai an die Macht. Er akzeptiere den sowjetischen Einfluss und baute mithilfe der UdSSR die Wirtschaft in Xinjiang auf. Auf der Suche nach Verbündeten wandte sich Sheng in den 1940er-Jahren an die Guomindang und wurde daraufhin zum extremen Antikommunisten. Seine Herrschaft endete am 5. Januar 1945 mit der „Drei-Regionen-Revolution“. Revolutionäre riefen eine Republik Ostturkestan aus, die jedoch nirgendwo auf der Welt anerkannt wurde. Ein Jahr darauf kam es zu einer Übereinkunft von nationalistischen und revolutionär-demokratischen Kräften in Xinjiang und damit zur Einrichtung einer Koalitionsregierung. 1949 wurde Xinjiang in die Volksrepublik China eingegliedert. 1955 erklärte man Xinjiang zum uigurischen autonomen Gebiet.

Xinjiang: Der Flaggen-Konflikt

Von 1933 bis 1934 hatte sich in Teilen Xinjiangs die erste Islamische Republik Ostturkestan gegründet. Ihre Flagge nach türkischem Vorbild war hellblau mit einem weißen Halbmond und einem Stern darauf. Die Zeichen stehen für den Islam; Blau symbolisiert die Gemeinschaft der Turkvölker. Zu diesen gehören unter anderem die Uiguren. Auch die Zweite Republik Ostturkestan, die nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde und die die Sowjetunion unterstützte, führte neben weiteren eine ähnliche Flagge. Halbmond und Stern wiesen nach links oben und außer einem blauen Hintergrund wurde das Motiv ebenso auf rotem Grund gezeigt. Als sich am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China gründete, wurden alle Teile Xinjiangs darin eingegliedert. Heute ist das Zeigen der Flagge in ganz China verboten. Die Regierung lehnt die separatistischen Strömungen in Xinjiang ab.

Xinjiang in China: Einwohner und aktuelle Lage der Region

Den größten Anteil der rund 25,2 Millionen Einwohner in Xinjiang machen inzwischen Uiguren, Han und Mongolen aus, wobei die uigurische Bevölkerung am häufigsten vertreten ist. Die Mehrheit der Uiguren gehört dem Islam an. Sie führen Traditionen fort, deren Ursprünge auf das turko-persische Zentralasien zurückgehen.

Die muslimischen Minderheiten werden seit einigen Jahren unter der Herrschaft von Xi Jinping verfolgt, überwacht, inhaftiert und gefoltert. Da diese Menschenrechtsverbrechen in einem Polizeistaat stattfinden, sind unabhängige Recherchen vor Ort nahezu unmöglich. Die Quellenlage beruht vorwiegend auf Satellitenaufnahmen und Zeugenaussagen von Betroffenen, die es ins Exil geschafft haben. UN-Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu einer Million Menschen willkürlich in Internierungslagern gebracht und dort festgehalten sowie politisch und kulturell indoktriniert werden. Daneben ist bei den Vorwürfen von Verhütungseingriffen wie Sterilisation die Rede. Dass es solche Lager gibt, bestätigte die chinesische Regierung 2018 offiziell. Die Misshandlungen stritt sie jedoch ab und sprach von Ausbildungszentren, die freiwillig besucht würden.

Die Region Xinjiang in China: Politik

Die Region Xinjiang hat ihre eigene Lokalregierung und gliedert sich in vier bezirksfreie Städte, fünf autonome Bezirke und fünf Regierungsbezirke. Zehn der insgesamt 26 kreisfreien Städte unterstehen direkt der Regierung des autonomen Gebietes. Diese verwaltet die Städte zusammen mit dem Produktions- und Aufbaukorps Xinjiang. Als autonome Region befindet sich die Verwaltungseinheit auf Provinzebene und wird von ethnischen Minderheiten bewohnt. Sie besitzen besondere legislative Rechte. So genießen sie verfassungsmäßige Unabhängigkeit in folgenden Bereichen:

In der Praxis jedoch respektiert China diese Rechte nicht.

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