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Im Oktober 2010: Protestbotschaften vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof. Der Widerstand gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 war die Geburtsstunde der "Wutbürger"

Studie

Die Wutbürger sind glückliche Menschen

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Zwischen 55 und 70 Jahre alt, Gutverdiener, männlich und eher Ingenieur als Soziologe: Eine Studie über Protestkultur beschäftigt sich mit dem deutschen Wutbürger.

Es ist noch nicht so lange her, dass die Deutschen sich verwundert die Augen rieben über die neuen Protestbewegungen. Insbesondere im Kampf gegen Stuttgart 21 waren viele meist ältere und wohlsituierte Menschen zu sehen. Ein frischer Begriff kam auf, der des Wutbürgers. Franz Walter, wortmächtigster Politikwissenschaftler dieser Republik, hat das Phänomen nun untersucht, gemeinsam mit Mitarbeitern des Göttinger Instituts für Demokratieforschung, dessen Leiter der 56-Jährige ist. Die Ergebnisse decken sich mit dem äußeren Eindruck.

Demnach werden die neuen Protestbewegungen von 55- bis über 70-Jährigen dominiert. Bei dieser Gruppe sei die Karriere gelaufen, die Kinder seien aus dem Haus, sagt Walter. Auch sind die Protestler in der Regel männlich, gut verdienend und akademisch gebildet. Es sind aber nicht mehr wie in den 70er Jahren Soziologen oder Kulturschaffende, die demonstrieren gehen. Heute sind es Ingenieure. Die wiederum haben Walter zufolge eine technokratische Herangehensweise an Politik. Bei der Kanzlerin fühlten sich diese Menschen meist gut aufgehoben. Ansonsten blickten sie mit Verachtung auf die politische Klasse, während die politische Klasse über den Wutbürger denke: „Das ist der Lümmel, den man unter Kontrolle halten muss.“

Aufschlussreich ist auch, wer nicht auf die Barrikaden geht: die mittleren Jahrgänge mit Beruf und Familie. Ihnen fehle das Wichtigste, nämlich Zeit, so Walter. Davon haben Arbeitslose zwar viel. Doch auch sie protestieren selten. Obwohl sie Grund dazu hätten.

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