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Hurera Ibrahim (links).

Mut-Geschichte 3

Wurzelwerker

Um das Land wieder zu begrünen, „mussten wir keine neuen Bäume pflanzen, wir mussten nur einige Baumtriebe vor Ziegen und Feuer schützen und sie regelmäßig beschneiden.“

„5000 Bäume haben wir in den letzten 30 Jahren herangezogen“, sagt Ibrahim Hassan, der junge Chief Guidan Jidos, eines Dorfs der Haussa in der Sahelzone Nigers: hinter Lehmmauern versteckte Wohnhütten und Vorratsspeicher; im Hintergrund von Baumkronen beschattete Hirse- und Sorghumfelder.

Hurera Ibrahim, eine wohl 80-jährige Frau, ist aus dem Portal einer grau-braunen Mauer getreten – einen Eimer mit Brennholz auf dem Kopf. „Früher“, sagt sie, „mussten wir Frauen weit laufen, um Brennholz zu finden. Jahrzehntelang haben wir mit Hacken Baumstümpfe und Wurzeln ausgegraben – steinhartes Holz. Morgens um acht gingen wir los und kamen erst mittags um eins zurück, völlig erschöpft natürlich.“

Dann aber hat Ibrahim Hassans Vater Tony Rinaudo nach Guidan Jido geholt – jenen australischen Agrarexperten, den sie heute den Waldmacher nennen. In den 1980er Jahren entdeckte er, dass im Untergrund der auf Druck der Kolonialherren gerodeten Halbwüste zahllose Baumwurzeln, Stümpfe und Samen überlebt hatten. Die entwickelten stets zur Regenzeit neue Triebe, die bis dahin allerdings von Ziegen abgefressen oder beim Abbrennen der Felder vernichtet worden waren.

Um das Land wieder zu begrünen, „mussten wir keine neuen Bäume pflanzen“, erzählt Chief Ibrahim begeistert. „Wir mussten nur einige Baumtriebe vor Ziegen und Feuer schützen und sie regelmäßig beschneiden. Nach drei, vier Jahren hatten wir dann neue Bäume.“

Ibrahim Hassan schwärmt von Kalgo, botanisch Philostigma reticulata. Der Baum liefere Bau- und Brennholz; seine Früchte seien ein exzellentes Viehfutter, das in Notzeiten auch der Mensch essen könne. Der Star unter den Bäumen sei allerdings Gao, botanisch Acacia albida, sagt der Chief. Eine bis zu 20 Meter hohe Akazie mit weit ausladender Krone. „Acacia albida wirft ihre Blätter während der Regenzeit ab und behält sie während der Trockenzeit. So beschattet sie unsere Hirsefelder und reduziert die Verdunstung im Boden.“

Stolz führt Ibrahim Hassan den Besucher zum Tiefbrunnen des Dorfs, wo Frauen an langen Seilen Wasser schöpfen. „Der Wasser-spiegel ist in den vergangenen Jahren um mehrere Meter gestiegen.“ (trk)

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