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Kurzurlaub im Thüringer Wald: Christian und Bettina Wulff.

Wulff-Affäre

"Wulff hat den Landtag hinters Licht geführt"

Niedersachsens Grünen-Fraktionschef Wenzel sieht den Landtag massiv getäuscht, weil Präsident Christian Wulff geschäftliche Beziehungen zu Egon Geerkens offenbar verschwiegen hat. Regierungschef McAllister wiederum fühlt sich vom ehemaligen Wullff-Sprecher Glaeseker hintergangen.

Von Matthias Thieme

Niedersachsens Grünen-Fraktionschef Wenzel sieht den Landtag massiv getäuscht, weil Präsident Christian Wulff geschäftliche Beziehungen zu Egon Geerkens offenbar verschwiegen hat. Regierungschef McAllister wiederum fühlt sich vom ehemaligen Wullff-Sprecher Glaeseker hintergangen.

Der niedersächsische Regierungschef David McAllister klagte gegenüber der Bild-Zeitung, beim sogenannten Nord-Süd-Dialog sei vieles vom ehemaligen Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker ohne Absprachen entschieden worden. "Herr Glaeseker hat für diese Veranstaltungsreihe wohl einiges nicht nur vom Büro aus geregelt. Wir haben in der Staatskanzlei nur wenige Unterlagen gefunden, und wenn, zumeist da, wo man sie nicht vermuten würde", sagte McAllister und fügte hinzu: „Auf jeden Fall hatte Olaf Glaeseker eine unorthodoxe Arbeitsweise und er hat offenkundig außerhalb der üblichen Kontrollen gehandelt.“

Geerkens war Mandant in Kanzlei von Wulff

Zuvor war bekannt geworden, dass Bundespräsident Christian Wulff engere geschäftliche Beziehungen zu Egon Geerkens unterhielt als bisher bekannt. Laut tagesschau.de war der Osnabrücker Geschäftsmann Geerkens sowohl Mandant als auch Vermieter einer Rechtsanwaltskanzlei, für die Christian Wulff über Jahre tätig war. Wulff hatte am 28. Februar 2010 im niedersächsischen Landtag erklären lassen, zwischen ihm und Egon Geerkens habe es in den letzten zehn Jahren „keine geschäftlichen Beziehungen“ gegeben.

Der „väterliche Freund“ Geerkens war jedoch über Jahre Mandant der Osnabrücker Anwaltskanzlei „Funk, Tenfelde und Partner“. In dieser Kanzlei war Wulff über mehr als 15 Jahre tätig. Dies belegen Anwaltsschreiben, auf denen Wulff im Briefkopf geführt wurde. Noch im Oktober 2004 vertrat diese Kanzlei Egon Geerkens – der Unternehmer war bis 2007 sogar Vermieter der Kanzleiräume. Wulff sieht auch darin keinen Verstoß. Sein Anwalt erklärte, Wulff habe seine anwaltlichen Tätigkeiten 1994 abgeschlossen und danach keinerlei Einkünfte mehr aus der Anwaltstätigkeit erzielt.

Wulff macht widersprüchliche Angaben vor dem Landtag

Doch Wulff selbst hatte gegenüber dem Niedersächsischen Landtag stets andere Angaben gemacht und noch 1999 erklärt, als Anwalt der Kanzlei tätig zu sein. Erst mit seiner Wahl zum Ministerpräsidenten im März 2003 habe er einen Vertreter bestellt. Zudem stand Wulff mehr als 15 Jahre auf dem Briefbogen der Kanzlei und wurde in Anzeigen als prominentes Mitglied aufgeführt. So gratulierte die Sozietät noch am 1. Juli 2010 in einer Zeitung „unserem Kollegen zur Wahl zum Bundespräsidenten“.

„Es wird immer offensichtlicher, dass Wulff nicht nur die halbe Wahrheit gesagt hat, sondern den Landtag nach Strich und Faden hinters Licht geführt hat“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Grünen im niedersächsischen Landtag, Stefan Wenzel. Nun zeige sich „eine weitere geschäftliche Beziehung, die dem Landtag verschwiegen wurde“. Er hoffe, dass nun auch die Bundes-CDU erkenne, dass es mit Wulff nicht weitergehe, so Wenzel. „Jeder Beamte, der solche Geschäftsbeziehungen verschweigt, muss mit dem Verlust seines Arbeitsverhältnisses rechnen“, so Wenzel. „Die Fragen, die die Staatsanwaltschaft an Wulffs ehemaligen Sprecher richtet, stellen sich bei Wulff genauso“, so Wenzel. (mit dapd)

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