1. Startseite
  2. Politik

Wulff: „Ich lerne noch“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Karl Doemens

Kommentare

Wulff im Gespräch mit Journalisten.
Wulff im Gespräch mit Journalisten. © dapd

Christian Wulff will ungeachtet des anhaltenden Drucks in der Kredit- und Medienaffäre nicht zurücktreten. „Ich nehme meine Verantwortung gerne wahr“, sagte Wulff am Mittwochabend in einem Interview bei ARD und ZDF.

In einem Exklusivinterview für ARD und ZDF hat Bundespräsident Christian Wulff erklärt, dass er im Amt bleiben will. „Ich habe nichts Unrechtes getan, aber es war auch nicht alles richtig, was ich getan habe“, sagte Wulff.  Der Anruf beim Chefredakteur der Bild-Zeitung sei ein „schwerer Fehler“ gewesen, so Wulff. Für diesen entschuldige er sich. Er wolle sein „Verhältnis zu den Medien neu ordnen“. Auch im Amt als Präsident lerne er noch.

Man müsse die Situation auch „menschlich verstehen“, so Wulff. Er habe sich zum Zeitpunkt des Anrufs bei der Bild-Zeitung auf einer Auslandsreise befunden und wegen der angekündigten Veröffentlichung  „hilflos“ gefühlt.

Zu dem kritisierten privaten Kredit bei einem Unternehmer und  dem Urlaub in Immobilien von befreundeten Unternehmern sagte Wulff, es müsse möglich bleiben, sich bei Freunden Geld zu leihen und bei Freunden Urlaub zu machen.

Wulff versuchte mit dem Interview, die  Empörung über seinen privaten Hauskredit und die versuchte Einflussnahme auf Journalisten einzudämmen. Es wird um 20.15 Uhr ausgestrahlt. Eine ursprünglich  für den Nachmittag angekündigte schriftliche Erklärung Wulffs wurde kurzfristig auf Donnerstag verschoben.

Merkel machte Druck

Zu dem öffentlichen Auftritt war Wulff angesichts der immer massiveren Kritik in den Medien offenbar von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gedrängt worden.  Am Mittwochvormittag ließ Merkel  ihren Sprecher erklären, sie habe „volles Vertrauen darin, dass der Bundespräsident auch weiterhin alle anstehenden Fragen umfassend beantworten wird“.  Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits mit Wulff gesprochen.   Wenig später wurde das Interview  angekündigt.

Damit äußerte sich Wulff seit Bekanntwerden der ersten Vorwürfe in der Privatkredit-Affäre zum zweiten Mal vor laufenden Kameras. Zum ersten Mal hatte er zwei Tage vor Heiligabend eine Erklärung in Schloss Bellevue abgegeben, jedoch keine Fragen zugelassen. Zu diesem Zeitpunkt war bekannt, dass Wulff entgegen früheren Erklärungen mit dem Unternehmer Egon Geerkens direkt über den zinsgünstigen 500?000-Euro-Kredit von dessen Ehefrau Edith verhandelt hatte. Wulff entschuldigte sich für  Irritationen: „Das war nicht gradlinig, und das tut mir leid.“

Um die Jahreswende wurde dann bekannt, dass der Bundespräsident offenbar Mitte Dezember mit Droh-Anrufen bei der Chefredaktion der Bild-Zeitung und der Spitze des Springer-Konzerns versucht hatte, eine kritische Veröffentlichung zu seinem Kredit zu unterbinden. Seitdem wuchs der  Druck auf Wulff. Zuletzt hatte es kaum noch unterstützende Äußerungen aus dem  Koalitionslager gegeben. Trotzdem sickerte schon am Mittwochvormittag durch, dass der Präsident im Amt bleiben will.

Privatsender verärgert

Mit seinem Fernsehinterview sorgte er jedoch zunächst für neuen Ärger. Von der Einflussnahme des Präsidenten auf die Berichterstattung sei alleine die Tagespresse betroffen gewesen, monierte  Michael Konken, der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV). Deshalb müsse sich Wulff „den Fragen aller Journalistinnen und Journalisten der Hauptstadtmedien stellen“. Die Privatsender RTL, n-tv und ProSiebenSat1 beschwerten sich nach Informationen der Berliner Zeitung mit einer Protestnote beim Präsidialamt, weil alleine ARD und ZDF bedient wurden.

Gleichwohl versicherte CSU-Chef Horst Seehofer, dass er weiter zu Wulff stehe. Der Bundespräsident habe trotz der Kreditaffäre sein Vertrauen. In diesem Punkt bestehe in der Union Einigkeit. Allerdings hatte die CDU-Politikerin und DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld am Mittwoch den Rücktritt Wulffs gefordert. Auch die Opposition verstärkte ihre Kritik.

Auch interessant

Kommentare