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Gräber von toten Soldaten im Niger.

Niger

Das Wüten der Islamisten im Niger 

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Die Zahl der Todesopfer dschihadistischer Anschläge in den Sahelstaaten steigt, ebenso die Zahl der Vertriebenen.  

Beim Angriff islamistischer Extremisten auf einen nigrischen Militärposten an der Grenze zu Mali sind Ende vergangener Woche nicht – wie zunächst berichtet – 25, sondern 166 Soldaten getötet worden: der tödlichste Überfall von Dschihadisten auf den westafrikanischen Staat Niger überhaupt. Aus Militärkreisen will die Agentur Reuters erfahren haben, dass in der Hauptstadt Niamey am Wochenende allein 89 Soldaten bestattet wurden. Am Ort des Überfalls, in dem gut 200 Kilometer nördlich von Niamey gelegenen Chinagodrar, waren bereits zuvor mehrere getötete Soldaten begraben worden. 77 mutmaßliche Islamisten seien getötet worden, teilte ein Regierungssprecher mit. Der Überfall sandte erneut Schockwellen durch den Sahelstaat: Erst im Dezember waren in einer anderen nigrischen Militärstation mehr als 70 Soldaten bei einem Angriff der Dschihadisten ums Leben gekommen.

Militärisch nicht zu lösen

Nach Angaben der unabhängigen Organisation „Armed Conflict Location and Event Data Project“ (Acled) hat sich die Zahl der Todesopfer von Terrorangriffen im Niger inzwischen vervierfacht: Im vergangenen Jahr kamen fast 400 Menschen ums Leben. Vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beklagte der UN-Sonderbeauftragte für Westafrika, Mohamed Ibn Chambas, einen „verheerenden Anstieg“ terroristischer Überfälle in der gesamten Sahelregion: Im Niger, in Mali und Burkina Faso habe sich die Zahl der Opfer derartiger Attacken in den vergangenen drei Jahren von 770 auf über 4000 mehr als verfünffacht, davon alleine von 80 auf 1800 in Burkina Faso. Das sich immer weiter nach Süden ausbreitende Operationsgebiet gefährde zunehmend auch die Küstenstaaten am Atlantischen Ozean, fügte Chambas hinzu.

Die Zahl der Vertriebenen steigerte sich nach Angaben des Sonderbeauftragten sogar um das Zehnfache: Mehr als eine halbe Million Menschen hätten wegen der Terrorangriffe in der Sahelzone bereits ihr Zuhause verloren. In der Region sind zahlreiche Terrorgruppen aktiv, die sich entweder Al-Kaida im Maghreb (Aqim) oder der westafrikanischen Provinz des Islamischen Staates (Isis) zugehörig erklären. Keine der beiden Organisationen hat bislang die Verantwortung für den jüngsten Angriff im Niger übernommen. Allerdings veröffentlichte Isis auf seiner Webseite Amaq News ein ausführliches Video, in dem Bilder von zahlreichen Angriffen in jüngster Zeit enthalten sind. Die Terrorgruppe behauptet auch, für den Absturz zweier französischer Hubschrauber verantwortlich zu sein, bei dem im November 13 französische Soldaten getötet wurden.

Kenner der Sahelzone sind sich einig, dass es für das Terrorproblem in der Region keine nur militärische Lösung geben kann: Selbst der Chef des französischen Generalstabs, François Lecointre, räumte das kürzlich ein. Vor allem in Mali wächst die Kritik der Bevölkerung an der Präsenz französischer Soldaten: In der Hauptstadt Bamako gingen am Freitag Hunderte von Demonstranten auf die Straße, um den Abzug der Legionäre zu fordern.

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