Im Wortlaut:

"...stößt Hilfe an ihre Grenzen"

Die Pressestelle des Hamburger Senats veröffentlichte am Donnerstag nach der Nachricht vom Tod von Sigurd Debus folgende Erklärung: In einem Hamburger Krankenhaus ist heute morgen, 11.00 Uhr, der 38jährige Strafgefangene Sigurd Debus verstorben. Debus war am 11. Februar 1981 in den Hungerstreik getreten, am 20. Februar 1981 zur ärztlichen Beobachtung und Behandlung in das Zentralkrankenhaus der Justizbehörde und am 7. April 1981 in ein allgemeines Krankenhaus verlegt worden. Sigurd Debus, der am 30. Mai 1975 vom Landgericht Hamburg wegen schweren Raubes in drei Fällen und Anstiftung zu einer Beihilfe zu zwei Sprengstoffverbrechen in Tateinheit mit Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung zu 12 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden war, hatte in einer Erklärung zu seinem Hungerstreik 'jede medizinische Behandlung abgelehnt'. Dies gelte grundsätzlich für jeden Fall, auch den der Bewußtlosigkeit.

Für Debus hatten seit Februar 1980, als er von der Justizvollzugsanstalt Celle nach Fuhlsbüttel verlegt wurde, normale Haftbedingungen gegolten. Dazu gehörten individuelle Ausgestaltung des eigenen Haftraumes, Tragen von Privatkleidung, zweimal monatlich Besuchsempfang für etwa zwei Stunden in Gemeinschaft, Besitz eigener Rundfunk- und Fernsehgeräte, tagsüber geöffnete Zellentüren mit Zugang zu den Anstaltshöfen, Freizeit- und Sportveranstaltungen sowie Kontakte mit anderen Insassen nach eigener Wahl.

Sigurd Debus hat von diesen Möglichkeiten jedoch nur geringen Gebrauch gemacht und war am 11. Februar 1981 in einen unbefristeten Hungerstreik getreten. Nach seiner Verlegung zur ärztlichen Beobachtung und Behandlung in das Zentralkrankenhaus der Justizbehörde lehnte er zunächst jede Behandlung ab. Als sich sein Gesundheitszustand verschlechterte, wurde Debus ab 19. März 1981 intravenös ernährt.

Er ist von den behandelnden Ärzten eindringlich darauf hingewiesen worden, daß für ihn Lebensgefahr bestehe. Die Infusionsbehandlung ist von Debus geduldet worden. Am 7. April 1981 wurde er aufgrund einvernehmlicher Entscheidungen der beteiligten Ärzte in ein allgemeines Krankenhaus verlegt. Dies entsprach einer vorher getroffenen Absprache der Justizbehörde und der Gesundheitsbehörde, nach der der Zeitpunkt einer notwendig werdenden Verlegung in ein öffentliches Krankenhaus allein ärztlichem Ermessen überlassen bleiben sollte.

Die Justizbehörde betont, daß von ihr alles unternommen worden ist um das Leben von Sigurd Debus zu erhalten. Dort jedoch, wo ein Mensch den eigenen Tod bewußt in Kauf nimmt, stößt ärztliche Hilfe an ihre Grenzen.

FR vom 18. April 1981

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