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Selenskyj erinnert in US-Rede an Kampf gegen Nazi-Deutschland

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Von: Johanna Soll

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj muss mit seiner Rede vor dem US-Kongress vor allem die Republikaner überzeugen. Er appelliert an ihren Patriotismus.

Washington, D.C. – Am Mittwochabend (Ortszeit) hielt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine viel beachtete Rede vor dem US-Kongress – auf Englisch. Er war aus der kriegsgebeutelten Ukraine in die Hauptstadt der USA gereist, um für weitere Unterstützung bei der Verteidigung seines Landes im Krieg gegen Russland zu werben. Selenskyj muss insbesondere die Republikaner überzeugen, die ab Januar die Mehrheit im Repräsentantenhaus innehaben, das sie bei den Midterm-Wahlen von den Demokraten zurückgewinnen konnten. Der ukrainische Präsident zog in seiner Rede Parallelen zum US-Patriotismus, indem er sich auf die Freiheit und die Landesflagge berief.

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, spricht vor einer überreichten ukrainischen Flagge, die US-Vizepräsidentin Kamala Harris (l.) und die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, halten
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, spricht vor einer überreichten ukrainischen Flagge, die US-Vizepräsidentin Kamala Harris (l.) und die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, halten © Jacquelyn Martin/dpa

Während Selenskyjs Rede applaudierten die Parlamentarier:innen mehrmals langanhaltend, so auch als er an die Kämpfe der US-Truppen gegen Nazi-Deutschland erinnerte. „Unsere beiden Nationen sind Verbündete in diesem Kampf und das nächste Jahr wird ein Wendepunkt sein“, so Selenskyj. „Ich weiß es. Der Punkt, an dem der ukrainische Mut und die amerikanische Entschlossenheit die Zukunft unserer gemeinsamen Freiheit garantieren müssen. Die Freiheit der Menschen, die für ihre Werte einstehen.“

Selenskyj will Unterstützung der USA – dazu müssen die Republikaner mitziehen

Seit Beginn des Ukraine-Konflikts haben die USA der Ukraine 22 Milliarden Dollar an Militärhilfe zur Verfügung gestellt. Nun kündigte das Weiße Haus weitere Hilfe in Höhe von 1,85 Milliarden Dollar an, darunter zum ersten Mal auch Patriot-Luftabwehrraketen zum Schutz der ukrainischen Infrastruktur, auf die russische Angriffe zunehmend abzielen. Die Republikaner hatten zuletzt angedeutet, die Hilfen für die Ukraine drastisch kürzen zu wollen.

US-Präsident Joe Biden zu seinem ukrainischen Amtskollegen, Wolodymyr Selenskyj: „Sie werden niemals allein dastehen“
US-Präsident Joe Biden zu seinem ukrainischen Amtskollegen, Wolodymyr Selenskyj: „Sie werden niemals allein dastehen“ © Andrew Harnik/dpa

In seiner Rede verglich Selenskyj ukrainische Soldaten mit amerikanischen Truppen, die sich 1944 in der Ardennenoffensive den Deutschen widersetzten. Die Ukrainer würden kämpfen und sterben. Das Mindeste, was die USA tun können, ist, ihnen die Waffen zum Widerstand zu liefern. „Wir haben Artillerie. Ja. Danke schön. Reicht das? Nicht wirklich“, sagte Selenskyj. Ferner versuchte er, seinen Feind in einer Art zu definieren, die US-Politiker:innen verstehen. Er nannte Russland einen terroristischen Staat, der mit einem anderen Feind der USA, dem Iran, verbündet ist, der Drohnen geliefert hat, die bei Angriffen auf ukrainische Städte eingesetzt werden.

Selenskyj versuchte, an den Patriotismus seiner Verbündeten im US-Kongress zu appellieren, indem er eine ukrainische Flagge entrollte, die von der Front stammt. Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, und Vizepräsidentin Kamala Harris, die während seiner Rede hinter Selenskyj saßen, hielten die Flagge hoch. Ob Selenskyjs Auftritt dazu geführt hat, genügend skeptische Republikaner im Kongress für seine Sache zu gewinnen, ist noch unklar. Aus dem Weißen Haus jedenfalls bekam er den erbetenen Rückhalt. „Sie werden niemals allein dastehen“, sagte US-Präsident Joe Biden seinem ukrainischen Amtskollegen. (Johanna Soll)

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