NACH DEN PLüNDERUNGEN IN IRAK

USA und EU wollen nach Kulturgütern suchen

LYON/BRÜSSEL. Nach Angaben des amerikanischen Justizministers John Ashcroft sind die irakischen Museen von "organisierten Diebesbanden" geplündert worden.

LYON/BRÜSSEL. Nach Angaben des amerikanischen Justizministers John Ashcroft sind die irakischen Museen von "organisierten Diebesbanden" geplündert worden. Diese Diebe würden der Justiz nicht entkommen, sagte Ashcroft am Dienstag auf einer Interpol-Konferenz in Lyon. Die Kulturminister der Europäischen Union riefen am selben Tag in Brüssel zum wirkungsvollen Schutz der Kunstschätze auf und verlangten die Rückgabe gestohlener Objekte. Interpol solle bei der Fahndung helfen, sagte der Ratsvorsitzende und griechische Ressortchef Evangelos Venizelos. Die internationale Polizeiorganisation will nach den Plünderungen vor allem im irakischen Nationalmuseum von Bagdad dazu beitragen, dass verschwundene Kunstwerke wiedergefunden werden. Seit Montag tagen in Lyon Experten von Interpol, vom Zoll, von der UNESCO und vom internationalen Museumsverband, um ihre Anstrengungen zu koordinieren.

In Brüssel appellierte die deutsche Kulturstaatsministerin Christina Weiss nach der Ratssitzung an Kunsthändler und Museumsdirektoren, die Fahnder beim Aufspüren gestohlener Kulturgüter aus dem Irak zu unterstützen. "Im Zweifelsfall erkennen sie die Kunstschätze früher als die Polizei", sagte Weiss. Viele Gegenstände, die gegen Ende des Krieges aus geplünderten Museen und Büchereien verschwunden seien, würden früher oder später wohl auf dem internationalen Kunstmarkt angeboten. Dann müsse das Beutegut als geraubt erkannt werden: "Das ist die einzige Chance, dass es wieder zurückgegeben werden kann."

Großbritannien versicherte dem Ministerrat, das Thema mit dem Bündnispartner USA und den Vereinten Nationen anzusprechen. "Wir wissen um die Sorgen der archäologischen Fachwelt über den jüngsten US-Vorschlag an die UN, die Sanktionen gegen den Irak aufzuheben", hieß es in einer britischen Erklärung. Man wolle prüfen, wie diese Schutzmaßnahme für die absehbare Zukunft aufrechterhalten werden könne. Derzeit versuchen die Briten nach eigenen Angaben, das Ausmaß des kulturellen und archäologischen Schadens festzustellen. Man arbeite hart an Maßnahmen gegen weitere Plünderungen. dpa

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