Paul Wolfowitz steckt der Schreck noch in den Knochen.
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Paul Wolfowitz steckt der Schreck noch in den Knochen.

Wolfowitz entgeht Anschlag in Irak unverletzt

Raketenangriff auf Hotel in Bagdad, in dem sich US-Vizeverteidigungsminister aufhielt / Zehntausende Amerikaner demonstrieren für FriedenDer stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz, einer der wichtigsten Verfechter des Irak-Kriegs, ist am Sonntagmorgen einem Angriff auf das Raschid-Hotel in Bagdad unverletzt entkommen. Wolfowitz sprach von einem "terroristischen Anschlag". Dossier: Irak nach dem Krieg

Bagdad · 26. Oktober · dpa/ap/rtr · Das Raschid-Hotel in Bagdad wurde laut Augenzeugen von sechs bis acht Raketen getroffen. Dabei wurde nach Angaben des Senders CNN ein US-Soldat getötet und 15 Menschen verletzt. Der Sender Al Dschasira berichtete, Unbekannte hätten etwa zur gleichen Zeit das Haus von Innenminister Nuri Badran in Bagdad mit Granaten angegriffen. Dabei sei niemand verletzt worden. Am Abend meldete der Sender einen zweiten Angriff auf das Hotel und ein benachbartes Konferenzzentrum mit Katjuscha-Raketen. Das US-Kommando bestätigte zunächst lediglich zwei Detonationen. Die Ursache werde geprüft.

Wolfowitz, der am Freitag zu einem dreitägigen Besuch in Irak eingetroffen war, wurde nach dem ersten Anschlag aus dem Hotel gebracht . Dabei wirkte er sichtlich erschüttert. Er sagte: "Dieser terroristische Akt wird uns nicht davon abhalten, unsere Mission zu Ende zu führen, die darin besteht, dem irakischen Volk zu helfen, sich von jener Sorte Krimineller zu befreien, die das tat, und das amerikanische Volk vor dieser Art Terrorismus zu schützen." Die USA lassen sich nach den Worten von US-Präsident George W. Bush von solchen Attacken nicht einschüchtern, wie er in einer Rundfunkansprache betonte. Intensität und Zahl der Angriffe in Irak sind laut US-Verteidigungsminister Colin Powell jedoch stärker als von der US-Regierung erwartet. Dies sagte Powell im Sender NBC.

Das 18-geschossige Raschid-Hotel wurde nach dem Anschlag am Morgen evakuiert. Laut CNN war die Nordseite des Hotels betroffen, in der auch Wolfowitz untergebracht war. Der Anschlag wurde nach Polizeiangaben mit einem ferngezündeten Raketenwerfer verübt. Ein Kleinlastwagen habe in der Nähe des Hotels einen Anhänger abgekoppelt und sei schnell weitergefahren. Die Polizisten hätten das Feuer auf den Pick-up eröffnet. Aus dem Fahrzeug sei zurückgeschossen worden, zwei Polizisten seien dabei verletzt worden. Das Raschid-Hotel, in dem viele US-Soldaten und Zivilbeschäftigte untergebracht sind, war bereits am 27. September Ziel eines Granatenangriffs. Damals wurde niemand verletzt.

Zum Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan wurde die nächtliche Ausgangssperre in Bagdad am Sonntag aufgehoben. Die US-Verwaltung trage damit der verbesserten Sicherheitslage in der irakischen Hauptstadt Rechnung, hatte der Vorsitzende des Bagdader Stadtrates, Adnan Abdul Sahib Hassan, am Freitag dazu mitgeteilt.

Am Samstag wurden bei Angriffen auf US-Truppen in Irak drei Zivilisten getötet. Im Westen Bagdads überrollte ein US-Schützenpanzer ein Taxi, nachdem er von Unbekannten beschossen worden war. Drei Insassen des Taxis starben, wie Augenzeugen und Krankenhausärzte berichteten. Nahe Tikrit wurde ein US-Hubschrauber mit Panzerfäusten angegriffen und stürzte ab. Dabei wurden nach Angaben des US-Militärs fünf Soldaten verwundet. Bereits am Freitag war im südirakischen Amarah der von den Alliierten unterstützten Polizeichef Hamid Hadi Hassan beim Verlassen einer Moschee erschossen worden.

In Washington demonstrierten am Samstag Zehntausende gegen die US-Besatzung in Irak. Es war die größte Protestaktion gegen den Kurs der US-Regierung seit Anfang Mai. Bush begrüßte die Irak-Hilfszusagen von über 33 Milliarden Dollar auf der internationalen Geberkonferenz von Madrid.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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