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Wohlstand verpflichtet

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Von: Michael Kopatz

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Nicht die ärmsten Menschen verbrauchen die meiste Energie – es ist die Mittelschicht, die – ein Haus, zwei Autos, ein bis zwei Flugreisen im Jahr – das meiste Einsparpotential hat.
Nicht die ärmsten Menschen verbrauchen die meiste Energie – es ist die Mittelschicht, die – ein Haus, zwei Autos, ein bis zwei Flugreisen im Jahr – das meiste Einsparpotential hat. © Jan Woitas/dpa

Mit Abstand die meiste Energie verbrauchen reiche Menschen. Sie sollten überlegen, wie sie ihren Verbrauch an Sprit, Strom und Gas verringern können. Die Kolumne „Öko-Logisch“.

Vor gut zehn Jahren habe ich zu Energiearmut geforscht. In das erste Projekt starteten wir mit der Hypothese, dass einkommensarme Haushalte vergleichsweise viel Energie verbrauchen. Im Gegensatz dazu könnten sich Menschen mit gutem Einkommen öfter effizientere Geräte anschaffen, seien aufgeklärter, etwa über die Kosten von Energie und auch eher aus ökologischer Perspektive bereit, den Verbrauch zu verringern. Viele Gesprächspartner aus Wohlfahrtsorganisationen haben die Einschätzung bestätigt. Das Vorurteil war: In jeder Wohnung läuft ein Fernseher, das Fenster steht auf kipp, während die Heizung an ist.

Tatsächlich verbrauchen arme Menschen relativ wenig Energie. Das ergaben unsere haushaltsspezifischen Untersuchungen. Auch quantitativ liegt es auf der Hand: Mit zunehmendem Einkommen wächst der Energieverbrauch. Im Nachhinein ist es fast peinlich, dass uns das nicht von Beginn an klar war. Schließlich lagen die Zahlen etwa durch die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe vor. Zudem ist es offensichtlich, dass Leute mit viel Geld meist größere Wohnungen und Autos haben als der Durchschnitt, häufiger und weiter in Urlaub fliegen und sich auch sonst einigen Luxus wie schwere SUV gönnen, der zulasten unserer Enkel geht. In der „Süddeutschen Zeitung“ war jüngst zu erfahren, dass das reichste Prozent der Bevölkerung zusammen so viel Energie verbraucht wie die unteren 16 Prozent.

Am besten wäre es, wenn sich die reichsten zehn Prozent, also die Topverdiener und Erben, ein wenig einschränken würden. Doch wer ist Topverdiener? Immer die, die mehr haben. So könnte ich die Beurteilung in meinem persönlichen Umfeld beschreiben. Paare mit einem Jahreseinkommen über 120 000 Euro gucken auf den Abteilungsleiter bei VW mit 200 000 oder den Sparkassenchef mit 400 000 Euro. Einschränken? Sollen die „richtig“ Reichen machen.

Die Skandalberichte über den Exzess von Milliardären lenken ab vom Wesentlichen: Die größten Potenziale liegen bei denen, die sich einen Flug samt Urlaub leisten können und dazu noch ein bis zwei Autos mit mehr als 120 PS. Diese Menschen sollten überlegen, wie sie ihren Sprit, Strom und Gasverbrauch verringern können. Zum Wohle des Klimas und um der Energiearmut etwas entgegenzusetzen.

Dr. Michael Kopatz ist Dezernent für Klimastrukturwandel in Marburg und von seiner Tätigkeit am Wuppertal Institut für Klima, Energie, Umwelt beurlaubt.

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