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Der Anschlag ereignete sich am Freitag nahe der Hauptstadt Teheran.
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Der Anschlag ereignete sich am Freitag nahe der Hauptstadt Teheran.

Attentat

Wohl von langer Hand geplant

  • Inge Günther
    vonInge Günther
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Israel rechnet nach Attentat mit Vergeltung. Entsprechend alarmiert sind nicht nur die israelischen Auslandsbotschaften, sondern auch viele jüdische Gemeinden weltweit.

Es war einer der größten Coups des Mossad, den Benjamin Netanjahu im Frühjahr 2018 enthüllte. Mit Sinn für Showeffekte riss der israelische Premier vor laufender Kamera die Tücher von zwei mit Akten und CDs vollgestellte Regalen – voilà, das iranische Atomarchiv, das Israels legendärer Auslandsgeheimdienst erbeutet und außer Landes geschmuggelt hatte. Während seiner Präsentation hielt Netanjahu auch ein Foto des Mannes hoch, dessen Unterschrift sich auf vielen der entdeckten Dokumente fand: Mohsen Fachrisadeh, iranischer Kernphysiker und Topgeneral der Revolutionsgarden. Für die Israelis ein zweifelsfreier Beweis, wer im Auftrag des Mullah-Regimes als Kopf des geheimen militärischen Nuklearprogramms fungiere. „Behaltet den Namen im Gedächtnis“, hatte Netanjahu damals empfohlen.

Spätestens da dürfte Fachrisadeh gewusst haben, dass sein Name weit oben auf der israelischen Abschussliste rangierte. Seit dem offenbar von langer Hand geplanten Attentat auf ihn am Freitagnachmittag hüllt sich Israel zwar offiziell in Schweigen. Aber kaum war die Nachricht auf dem Markt, konnte es sich Netanjahu dann doch nicht verkneifen, in seinem per Facebook geposteten Wochenrückblick auf seine vollbrachten Taten anzumerken, es handele sich um eine unvollständige Liste. „Weil ich Ihnen nicht alles erzählen kann.“

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Teheran wiederum beschuldigte als Erstes Israel, hinter dem Anschlag zu stecken. Mit Vergeltungsschlägen muss gerechnet werden. Entsprechend alarmiert sind nicht nur die israelischen Auslandsbotschaften, sondern auch viele jüdische Gemeinden weltweit. Sicherheitsexperten halten für ebenso möglich, dass sich der Iran seiner „Vertreter“ in Syrien, Irak oder Jemen bedient, um sich für den Anschlag zu rächen, der mutmaßlich auf das Konto des Mossad geht.

Einen der denkbaren Gründe, warum er gerade jetzt erfolgte, sieht Ex-General Amos Yadlin vom Institute for National Security Studies der Tel Aviver Universität darin, Iran zu einer militärischen Eskalation zu provozieren. Allerdings glaube er nicht, Teheran werde sich in den letzten Regierungstagen Donald Trumps dazu hinreißen lassen. Für wahrscheinlicher hält er, wie viele andere israelische Fachleute, das Motiv, es jenen schwerer zu machen, die eine Rückkehr zu einem Deal mit Iran wollen – so wie der designierte US-Präsident Joe Biden. Trump hatte 2018 den Ausstieg aus dem Vertrag mit dem vom Mossad geraubten Atomarchiv gerechtfertigt. Damit sei der Beweis erbracht, dass die Mullahs unter dem Deckmantel des internationalen Atomabkommens klammheimlich ihr militärisches Nuklearprogramm fortsetzten.

Israel ist interessiert, Bidens politischen Manövrierraum, mit den Iranern wieder zu verhandeln, möglichst zu verringern. Wenn überhaupt, so Yadlin, müsste ebenso deren Raketenarsenal sowie die Forderung nach erweiterten Befugnissen für die Inspektoren der internationalen Atomaufsichtsbehörde auf den Tisch. Darum ging es wohl auch bei Netanjahus Treffen vor einer Woche mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed Bin Salman in Neom. Mit von der Partie war neben US-Außenminister Mike Pompeo auch Mossad-Chef Jossi Cohen. Dass fünf Tage später vermutlich unter seiner Regie der iranische Physikprofessor Fachrisadeh „ausgeschaltet“ wurde, dürfte kaum ein Zufall sein.

Nur, darauf weist unter anderen der israelische Kommentator Ehud Yaari hin: Auch ohne das „Hirn“ der iranischen Atomgelüste laufe das Programm weiter. Schließlich habe Fachrisadeh Tausende Techniker und Ingenieure ausgebildet.

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