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Wladimir Putin wirft Westen „Cancel Culture“ bei J.K. Rowling vor

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Von: Max Schäfer

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Russlands Präsident Wladimir Putin beim Treffen mit den Kulturschaffenden, bei dem er sich über westliche „Cancel Culture“ beklagt.
Russlands Präsident Wladimir Putin beim Treffen mit den Kulturschaffenden, bei dem er sich über westliche „Cancel Culture“ beklagt. © Mikhael Klimentyev/Imago

Wladimir Putin beklagt die „Cancel Culture“ des Westens und führt J.K. Rowling als Kronzeugin auf. In Russland gebe es „keinen Platz für Intoleranz“.

Nowo-Ogarjowo – Wladimir Putin hat dem Westen einen Feldzug gegen russische Kultur vorgeworfen und dabei Parallelen zu den Verbrechen der Nazis gezogen. „Das letzte Mal, dass eine solch massive Kampagne zur Vernichtung anstößiger Literatur geführt wurde, war vor fast 90 Jahren von den Nationalsozialisten in Deutschland“, sagte der russische Präsident am Freitag (25.03.2022) bei einem Treffen mit Kulturschaffenden in seiner Residenz in Nowo-Ogarjowo nahe Moskau.

„Tschaikowski, Schostakowitsch und Rachmaninow werden von Konzertankündigungen genommen, russische Autoren und ihre Bücher werden ebenfalls verbannt“, behauptete Putin und verwies auf die Bücherverbrennungen der Nazis in Hitler-Deutschland. „Heute versuchen sie, ein ganzes tausendjähriges Land, unser Volk zu ‚canceln‘“, sagte Putin.

Wladimir Putin beklagt „Cancel Culture“ und wählt J.K. Rowling als Kronzeugin

Alles, was mit Russland zusammenhänge, werde diskriminiert, mit Zustimmung der herrschenden Eliten, beklagte sich Putin beim Treffen mit den Künstler:innen. Auch in Hollywood-Filmen werde so getan, als hätten nur die USA Europa vom Hitlerfaschismus befreit.

Als Kronzeugin für eine angebliche „Cancel Culture“ im Westen führte Wladimir Putin zudem die durch die „Harry Potter“-Bücher bekanntgewordene Autorin J.K. Rowling an. Sie war wegen transfeindlichen Aussagen in die Kritik geraten. Rowling sprach sich etwa gegen die gesellschaftliche und rechtliche Gleichstellung von Transfrauen aus.

Wladimir Putin beklagt westliche „Cancel Culture“: In Russland „nicht vorstellbar“

„Das ist in unserem Land nicht vorstellbar“, behauptete Wladimir Putin nach seiner Klage über westliche „Cancel Culture“ während des Ukraine-Krieges. Für Russland sei die nationale Kultur untrennbar mit dem Mutterland verbunden, es gebe keinen Platz für Intoleranz. „Die kulturelle Vielfalt ist der Stolz der Gesellschaft, ist Stärke und Vorteil unseres Staates.“

Was Wladimir Putin nicht erwähnt: Seine Regierung unterdrückt seit Jahren die Opposition im Land. Wer gegen den Kreml protestiert, wird inhaftiert oder muss um sein Leben fürchten. Im Ukraine-Krieg, der in Russland nicht als solcher bezeichnet werden darf, ist kein Widerspruch möglich. Es drohen lange Haftstrafen. Wie auch der prominenteste Putin-Gegner Alexej Nawalny am eigenen Leib erfahren muss, der erst am Dienstag (22.03.2022) zu weiteren neun Jahren Haft verurteilt wurde.

J.K. Rowling wehrt sich gegen Wladimir Putins „Cancel Culture“-Klage

Auf Alexej Nawalny verweist auch J.K. Rowling, die sich nicht von Wladimir Putin vor den Karren spannen lassen möchte und ihre Solidarität mit der Ukraine verkündete. „Kritik an westlicher Cancel Culture sollte am besten nicht von jenen geäußert werden, die derzeit Zivilisten wegen ihres Widerstands abschlachten oder ihre Kritiker einsperren und vergiften“, schrieb Rowling als Antwort auf Putins Klagen auf Twitter. Ihren Tweet ergänzte sie durch den Hashtag „I stand with Ukraine“ („Ich stehe auf der Seite der Ukraine“.

Bereits in früheren Reden zum Ukraine-Konflikt hatte Wladimir Putin erklärt, der Westen plane die „Zerstörung“ Russlands und habe dazu Massenvernichtungswaffen in der Ukraine entwickelt. Dem russischen Präsidenten dienen die Narrative, um seinen Krieg in der Ukraine zu rechtfertigen. (ms mit dpa)

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