1. Startseite
  2. Politik

Wladimir Putin – ein „wahnsinnig gewordener Zar“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christian Stör

Kommentare

Wie ist es um Wladimir Putins psychische Verfassung bestellt? Die US-Geheimdienste tragen neue Informationen zusammen.

Moskau – Wladimir Putin* galt immer als kühler und berechnender Stratege. Doch im Ukraine-Konflikt* scheint der russische Präsident völlig verändert. Immer mehr Fachleute treibt deshalb die Frage um, wie es eigentlich um Putins psychische Verfassung bestellt ist.

Beamte des US-Geheimdienstes sprachen jetzt dem Nachrichtensender NBC News gegenüber davon, dass Putin derzeit ein anderes Verhaltensmuster an den Tag lege als in der Vergangenheit. Er sei zunehmend frustriert über die unerwarteten Probleme des Feldzugs in der Ukraine* sowie die weltweite Ächtung des Einmarschs – zwei Dinge, die Putin offenbar nicht hat kommen sehen.

Ukraine-Krieg: Putin verhält sich völlig untypisch

Die Situation sei so schlimm, dass Putin inzwischen seine Wut an seinen Untergebenen auslasse. Diese verbalen Ausbrüche sind nach Angaben der von NBC zitierten Geheimdienstmitarbeiter eine völlig untypische Verhaltensweise, da Putin eigentlich dafür bekannt ist, seine Gefühle unter Verschluss zu halten. Der ehemalige CIA-Direktor John Brennan brachte es kurz und bündig auf einen Punkt: „Er ist nicht mehr derselbe kaltblütige, scharfsichtige Diktator, der er 2008 war.“

Wladimir Putin
Wladimir Putins psychische Verfassung bereitet auch dem US-Geheimdienst Sorgen. © Mikhail Klimentyev/AP/dpa

Genauso wie Brennan sehen es auch viele andere Fachleute. So wies die ehemalige CIA-Agentin Tracy Walder darauf hin, dass Putins Marschbefehl mit einer Wesensveränderung des Präsidenten zusammenhängen könnte. Michael McFaul, der während der Obama-Regierung als US-Botschafter in Russland* tätig war, sprach in einem Interview mit NBC News davon, dass Putin „zunehmend aus den Fugen geraten“ sei. Und die Delegation, die den französischen Präsidenten Emanuel Macron am 10. Februar nach Moskau begleitet hatte, sah das genauso. Die Gespräche hätten deutlich gemacht, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters damals eine Quelle, wie sehr sich Putin in den vergangen drei Jahren verändert habe.

NameWladimir Wladimirowitsch Putin
Geburtstag07.10.1952
GeburtsortSankt Petersburg (Russland)
PositionPräsident Russlands
Amtszeiten31. Dezember 1999 – 7. Mai 2000
7. Mai 2000 – 7. Mai 2008
seit 7. Mai 2012
Anderes AmtMinisterpräsident von Russland (2008 bis 2012)

Ukraine-Krieg: Putin ist zunehmend isoliert

Dem Westen macht vor allem die zunehmende Isolation Putins Sorgen. NBC zitierte einen ungenannten Diplomaten, der davon sprach, dass Putin über die wirkliche Lage in der Ukraine falsch informiert werde. „Wir glauben nicht, dass er ein realistisches Verständnis dafür hat, was vor sich geht.“

In diese Kerbe schlug auch der demokratische Senator Mark Warner. Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses sprach im TV-Sender MSNBC davon, dass Putin von der Größe des ukrainischen Widerstands eindeutig überrascht worden sei. „Er ist isoliert. Er war nicht oft im Kreml. Er bekommt immer weniger Informationen, und diese Infos stammen dann von Speichelleckern“, so Warner. „Ich mache mir Sorgen, dass er in eine Ecke gedrängt wurde. Ich mache mir Sorgen, dass er keinen offensichtliche Ausweg mehr hat.“

Wie weit wird Putin im Ukraine-Krieg gehen?

Der republikanische Senator Rubio sieht das genauso. Der alte Putin sei „ein kaltblütiger, aber berechnender Mörder“ gewesen, schrieb der stellvertretende Vorsitzender des Geheimdienstausschusses auf Twitter. „Dieser neue Putin ist noch gefährlicher.“

Rubio, der wie Warner von der CIA spezielle Informationen erhält, zeigte sich besorgt über mögliche weitere Maßnahmen, zu denen Russland bisher noch nicht bereit oder in der Lage gewesen sei. „GEFAHR“, twitterte Rubio. „#Putins Legitimität baut auf dem Image als starker Führer auf, der #Russland nach den Katastrophen der 90er Jahre wieder zur Supermacht gemacht hat. Jetzt liegt die Wirtschaft in Trümmern und das Militär wird gedemütigt und seine einzigen Werkzeuge, um das Machtgleichgewicht mit dem Westen wiederherzustellen, sind Cyber und Atomwaffen.“

Ukraine-Krieg: Nawalny ruft zum Aufstand gegen Putin auf

Dass Putin im Ukraine-Krieg Atomaffen einsetzen könnte, klingt zunächst abwegig. In einem Interview mit dem US-Nachrichtenmagazin Politico sprach aber auch die Sicherheitsexpertin Fiona Hill davon, dass Putin ihrer Ansicht nach bereit ist, Atomwaffen einzusetzen. Dies ist wahrscheinlich ein Grund mehr, warum Putin-Gegner Alexej Nawalny die Menschen in Russland aus der Gefangenschaft heraus via Twitter zum Aufstand gegen Putin aufgerufen hat. Was Nawalny von Putins psychischer Verfassung hält, ist an seinen Worten deutlich abzulesen. Für Nawalny ist Putin ein „wahnsinnig gewordener Zar“. (Christian Stör)*fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare