1. Startseite
  2. Politik

Propaganda für Putin: Russlands Medien sorgen sich um Tucker Carlson

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Daniel Dillmann

Kommentare

Tucker Carlson ist seit Jahren bekennender Putin-Fan. Nun macht man sich in Russland Sorgen um die Zukunft des erfolgreichsten Moderators von Fox News.

Update, 27.01.2022, 10.30 Uhr: Es war ja alles nur ein Witz. So erklärte Fox News Moderator Tucker Carlson, warum er vor knapp drei Jahren sagte, er würde Wladimir Putin die Daumen drücken. „Warum sollte ich nicht Russland anfeuern, was ich auch tue?“, fragte Carlson damals in seiner unnachahmlichen Art, Fragen zu stellen, ohne eine Antwort zu erwarten.

Mit seiner offenen Propaganda für Wladimir Putin schaffte es Tucker Carlson sogar bis ins russische Staatsfernsehen. Laut Informationen des Nachrichtenportals Daily Beast spielten gleich mehrere Putin-freundliche Programme den Clip aus der Fox News Sendung Carlsons. Der Rechtsaußen-Moderator wurde dort als der letzte Adovkat des Friedens in den USA gefeiert. Calrson sei die „Stimme der Wahrheit und der Vernunft“ und der einzige Moderator, der sich für den Frieden ausspreche.

Der Kreml macht sich Sorgen um Tucker Carlson

Doch die von der Mehrheit abweichende Meinung des Moderators im Ukraine-Konflikt würde in den USA gar nicht gut ankommen. Tucker Carlson riskiere mit seinem Mut die Marginalisierung durch die großen Medienanstalten. „Er soll zum Schweigen gebracht werden“, so ein Moderator in Russland.

Demgegenüber stehen die Fakten: Tucker Carlson arbeitet für Fox News, den größten Fernsehsender der USA. Seine Show „Tucker Carlson Tonight“ ist die meistgesehene Show im Kabelfernsehen der Vereinigten Staaten. Im Durchschnitt schauen fast drei Millionen fünf Mal die Woche zu.

Tucker Carlson als Handyhülle. Der Fox News Moderator ist einer der größten Fans von Wladimir Putin. (Archivbild)
Tucker Carlson als Handyhülle. Der Fox News Moderator ist einer der größten Fans von Wladimir Putin. (Archivbild) © Chip Somodevilla/afp

Ukraine-Konflikt: Tucker Carlson schlägt sich auf die Seite von Wladimir Putin

Erstmeldung vom 25.01.2022: USA – An der Grenze zur Ukraine sammeln sich seit Wochen russische Truppen. Bis zu 100.000 Soldaten soll Wladimir Putin bereits in die Region entsendet haben. Die Nato versetzt die eigenen Streitkräfte in Alarmbereitschaft, die USA senden immer mehr Soldaten in die angrenzenden Staaten und die ganze Welt blickt besorgt auf die Region zwischen Woronesch und Charkow.

Selbstverständlich ist die Krise an der Grenze der Ukraine auch Thema der konservativen Medienanstalten in den USA. Doch statt der Angst vor einem Krieg mit Russland scheint hier die Wut auf die Politik von Joe Biden zu überwiegen. Allen voran geht einmal mehr die Meinungssparte von Fox News, angeführt von Tucker Carlson, dem erfolgreichsten Moderator der zeitgenössischen Abendunterhaltung. Carlsons rhetorischer Lieblingstrick ist es, Fragen zu stellen, in denen Statements mehr oder weniger offensichtlich verpackt werden. „Warum ist es ein Zeichen von Illoyalität, sich mit Russland zu solidarisieren und warum ist es ein Zeichen von Loyalität, solidarisch mit der Ukraine zu sein?“, fragte Carlson ganz unschuldig ein seiner Show am Sonntagabend (23.01.2022). „Irgendwie komisch“, ergänzte der einstige Student der Geschichte.

Krieg mit Russland: Tucker Carlson hält die Ukraine für „strategisch irrelevant“

Die Ukraine und die dort etablierte Demokratie seien für die USA „strategisch irrelevant“, sagte Carlson. „Keine rationale Person würde einen Krieg mit Russland wegen der Ukraine befürworten“, und weiter: „Ein solcher Konflikt würde Amerika weder sicherer noch stärker machen.“

Bei einem Blick, wer denn nun verantwortlich sei für die angespannte Lage zwischen der Ukraine und Russland, ist sich der ehemalige Nachrichtensprecher von CNN und nun Meinungsführer von Fox News sicher: Joe Biden und seine Demokraten. Es sei die „Hybris, Dummheit und gestörte Psychologie unserer Führer sowie massive Lobbykampagnen ukrainischer Politiker und amerikanischer Rüstungsunternehmen“, die das Land förmlich in einen Krieg mit Russland zwängen. Wladimir Putin erwähnt Carlson mit keinem Wort.

Tucker Carlson hat den Schuldigen für die Ukraine-Krise längst gefunden: US-Präsident Joe Biden.
Tucker Carlson hat den Schuldigen für die Ukraine-Krise längst gefunden: US-Präsident Joe Biden. © Screenshot Fox News

Die USA, der Ukraine-Konflikt und der Faktor Donald Trump

Was der Moderator mit Blick auf die Ukraine sagt, bestätigt einen Trend in der amerikanischen Medienlandschaft, der spätestens seit Donald Trump die Runde macht. Ging es früher um Russland oder ganz früher um die Sowjetunion, man konnte sicher sein, wie konservative Medien die Lage einschätzten. Ob der sozialistische Staat oder sein Nachfolger, Russland war das Böse. Selbst inländische Streitigkeiten zwischen Republikanern und Demokraten wurden regelmäßig hinten angestellt, um eine gemeinsame Front mit dem Gegner zu bilden.

Doch das hat sich durch die Präsidentschaft von Donald Trump grundlegend geändert. Bis heute gibt es den Verdacht, dass Trump nur mithilfe Wladimir Putins und aus Russland gesteuerten Medienkampagnen seinen Sieg bei der US-Wahl 2016 gegen Hillary Clinton feiern konnte. Trump telefonierte während seiner Amtszeit mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyi – aus den Forderungen Trumps resultierte im weiteren Verlauf das erste Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten.

Tucker Carlson: Zur Person

NameTucker Swanson McNear Carlson
Geburtsdatum, -ort16.05.1969, San Francisco (USA)
BerufFernsehmoderator für Fox News Channel (seit 2009)
Politische PositionierungRepublikaner

Das Verhältnis zwischen den USA und der Ukraine ist für Trump-Fans alleine deshalb ein ganz besonderes. So besonders, dass sie sogar ein uraltes Tabu brechen, nach dem sich bei außenpolitischen Bedrohungen alle Amerikaner unter einer Flagge versammeln müssen - egal, welcher politischer Couleur sie sich zugehörig fühlen. (Daniel Dillmann)

Auch interessant

Kommentare