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Wladimir Putin: Scharfe Kritik nach Treffen mit italienischen Geschäftsleuten

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Von: Sophia Lother

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Wladimir Putin bei der Video-Konferenz mit italienischen Unternehmen.
Wladimir Putin bei der Video-Konferenz mit italienischen Unternehmen. © Alexey Nikolsky/AFP

Während sich der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine immer weiter zuspitzt, treffen sich italienische Unternehmen zu einer Video-Konferenz mit Wladimir Putin.

Moskau – Die Fronten sind verhärtet. Angesichts des sich zuspitzenden Konflikts zwischen der Ukraine und Russland halten sich die westlichen Regierungschefs nicht mit Drohungen zurück. Die USA versetzten ihre Truppen in Alarmbereitschaft. Joe Biden sprach von einer potenziellen „größten Invasion seit dem Zweiten Weltkrieg“.

Aktuellen Erkenntnissen westlicher Geheimdienste zufolge setzt Russland seinen Truppenaufmarsch in hohem Tempo fort. Viele westliche Regierungschefs haben bereits Sanktionen angekündigt. So betonte auch Bundeskanzler Olaf Scholz bei einer gemeinsamen Erklärung mit Emmanuel Macron, „dass es hohe Kosten haben würde für Russland, wenn es eine militärische Aggression gegen die Ukraine gibt“. Angesichts drohender Sanktionen schlägt ein umstrittenes virtuelles Treffen zwischen Wladimir Putin und italienischen Geschäftsleuten umso größere Wellen.

Ukraine-Konflikt: Umstrittenes Treffen zwischen Russland und italienischen Geschäftsleuten

Bereits im Vorfeld des Treffens hatte die italienische Regierung deutliche Worte gewählt. Laut dpa hat die Regierung die Handelskammer Italiens dazu aufgerufen, das von ihr geplante Treffen mit Putin abzusagen. Firmen, bei denen Italien Anteilseigner ist, wurden aufgefordert, die Einladung nicht wahrzunehmen. In Regierungskreisen in Rom wurde betont, dass das Treffen eine private Initiative sei und weder Vertreter der Regierung noch Diplomaten daran teilnahmen. Mehrere Unternehmen hatten bereits verkündet, nicht teilnehmen zu wollen, wie beispielsweise der Energie-Gigant Eni.

Dennoch trafen sich laut Kreml am Mittwoch (26.01.2022) insgesamt 16 italienische Firmen mit Wladimir Putin. Angesichts der überaus angespannten Lage im Ukraine-Konflikt und drohender Sanktionen für Russland sorgt dieses Treffen für Zündstoff. Zwar versuchte der Kreml, das Treffen herunterzuspielen, indem betont wurde, dass es solche Treffen regelmäßig, auch mit Unternehmen anderer Länder gebe, dennoch regt sich Kritik.

„Man kann die Industrie nicht auf die eine und Außenpolitik auf die andere Seite stellen“, erklärte etwa die Ökonomin Lia Quartapelle gegenüber Politico. In einer E-Mail der Demokratischen Partei, der Fünf-Sterne-Bewegung und der Forza Italia wird das Vorgehen der Unternehmen ebenfalls kritisiert, berichtet das Nachrichtenportal. Sie betonten, dass das Treffen eine falsche Nachricht an Italiens Nato-Partner senden könnte, angesichts dessen, dass 100.000 Soldaten Russlands derzeit an der ukrainischen Grenze versammelt sind.

Konflikt zwischen Russland und der Ukraine: Treffen italienischer Unternehmen mit Putin in der Kritik

Indes versuchte Putin, die Allianzen mit den italienischen Unternehmen bei dem Treffen zu festigen. So bezeichnete er Italien als einen führenden Wirtschaftspartner. „Wir können mit Genugtuung feststellen, dass es unseren Ländern gelungen ist, die Zusammenarbeit auf der wirtschaftlichen Ebene auf einem ziemlich hohen Niveau zu halten“, sagte der Staatschef dem Kreml zufolge.

In der aktuellen Energiekrise bezahlten italienische Unternehmen dank langfristiger Verträge außerdem deutlich niedrigere Preise für russisches Gas als marktüblich, behauptete Putin laut der Agentur Tass. Die stark gestiegenen Kosten für Gas sind auch in Italien ein brisantes Thema und setzen die Regierung unter Druck.

Ökonomin Quartapelle zeigt sich besorgt über Putins Botschaft, dass Italien ein so wichtiger Handelspartner sei, und warnte davor, dass Italien Gefahr laufe, in „seine Honigfalle“ zu tappen. „Russland braucht uns mehr als wir Russland“, erklärte sie gegenüber Politico. (slo)

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