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Wladimir Putin
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Wladimir Putin gerät in Russland offenbar unter Druck. (Archivfoto)

Russland

Wladimir Putin gerät unter Druck: Flashmobs zur Unterstützung des Präsidenten teilweise manipuliert

  • Stefan Scholl
    vonStefan Scholl
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In Russland mehren sich die spontanen Kundgebungen für den Staatschef – wohl nicht immer ganz freiwillig.

Moskau – Derzeit hagelt es in Russland neue Spottnamen für Wladimir Putin – „Bunkerzwerg“, heißt es etwa. Nicht, dass es dort nur noch Oppositionelle gäbe. In einer Fabrikhalle in Barnaul entstand kürzlich ein Video pro Putin. Mehr als hundert Arbeiter:innen sangen im Chor für den Präsidenten im Besonderen und für Bunker im Allgemeinen, mit erstaunlich professionellen Alt- und Tenorstimmen: „So war das in Russland seit fernen Zeiten, je größer der Druck, umso härter der Beton.“

Der Staatschef ist wirklich unter Druck geraten, nach dem Giftmordanschlag und der Verhaftung seines Hauptkritikers Alexei Nawalny. Hunderttausende sind im Januar für Nawalny auf die Straße gegangen, im Februar aber machen Russlands Patriot:innen, zumindest seine Propagandist:innen, für Putin mobil. „Im ganzen Land laufen Flashmobs zur Unterstützung des Präsidenten Russlands“, titelt die Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“. „Hashtag: #PutinUnserPräsident.“ In Jekaterinburg marschierten mehr als tausend Mitarbeiter:innen des Großhandelskonzerns Sima-Lend auf einem verschneiten Parkplatz auf. Gefilmt von einem Multikopter, formierten sie sich zu den Buchstaben: „Putin unser Präsident“. Ein Angestellter berichtete später dem Portal „e1.ru“, er und viele Kolleg:innen hätte nicht gewusst, wozu man sie auf die Straße schickte.

Russland: Sprechchöre für Wladimir Putin, die es nicht gegeben hat

Auch Studierende in Moskau und Belgorod wurden auf die Beine gebracht: später zitierte das Portal „Mediasona“ mehrere Hochschüler:innen, die Veranstaltungen seien angeblich der russischen Flagge oder dem Kampf gegen Covid 19 gewidmet gewesen. Die Sprechchöre für Wladimir Putin habe jemand hinterher in die Videos hinein montiert. Bei anderen Flashmobs trugen die Leute allerdings Putin-Plakate, sie wussten also, was sie taten. Auch Sportstars dienerten: Die Spieler des mehrmaligen russischen Eishockeymeisters SKA-Neftjanik aus Chabarowsk trommelten mit ihren Schlägern aufs Eis und skandierten: „Wir sind für einen starken Präsidenten!“ Lkw-Piloten des Rallye-Teams Kamas-Master kurvten kunstvoll die Parole „Putin-Team“ in ein Neuschneefeld.

Laut dem Lewada-Meinungsforschungsinstitut ist Putins Vertrauensrate gerade wieder gefallen – auf 29 Prozent. Außer Schelmen bezweifeln deshalb auch Politolog:innen, dass die Flashmobs freiwillig oder gar spontan zustande kämen. Und sie streiten, ob diese wirklich noch beweisen sollen, dass das Volk sich für seinen Präsidenten begeistert. Oder nur noch, dass die Obrigkeit alles weiter unter Kontrolle hat.

Nach Nawalnys Stabschef Leonid Wolkow wird gefahndet, er soll Minderjährige zu nicht genehmigten Demos aufgerufen haben. Kremlnahe Medien schimpfen, die Opposition zerre Kinder in den Schmutz der Politik. Die Staatsmacht selbst kennt solche Skrupel nicht: Schon 2017 versammelte die Parlamentarierin Anna Kuwytschko in Wolgograd zwei Dutzend Jungen und Mädchen in adretten Kadettenuniformen. Sie schmetterten mit glänzenden Augen und wippenden Haarschleifen den Putin gewidmeten Schlager „Onkel Wowa“ in die Kamera: „Und ruft uns der Oberkommandierende zum letzten Kampf, so sind wir, Onkel Wowa, mit dir!“ (Stefan Scholl)

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