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Wladimir Putin bald „Herrscher“ statt „Präsident“?

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Von: Nail Akkoyun

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Seit Jahren baut Wladimir Putin seine Macht in Russland aus. Eine Partei fordert jetzt, dass der Präsident nur noch als „Herrscher“ bezeichnet wird.

Moskau – Seit dem Jahr 2000 herrscht Wladimir Putin, mit knapp vier Jahren Unterbrechung, über Russland. Nun werden Stimmen laut, die Putins Führung besonders unterstreichen wollen. Die als nationalistisch-populistisch geltende Liberaldemokratische Partei (LDPR) fordert etwa, das Staatsoberhaupt künftig nicht mehr als „Präsident“ zu bezeichnen, um von einer aus einer Fremdsprache stammenden Berufsbezeichnung wegzukommen – in diesem Fall Französisch beziehungsweise Latein.

Die Partei schlägt vor, fortan den Begriff „Pravitel“ zu nutzen, was auf Russisch so viel wie „Herrscher“ bedeutet. Im Gegensatz dazu sei der Begriff „Präsident“ in Russland noch nicht „vollständig verwurzelt“, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Ria Novosti. In den Augen der LDPR würde man sich dadurch auch von den USA abgrenzen, die ihr Staatsoberhaupt seit jeher als Präsidenten betiteln.

Wladimir Putin als „Pravitel“: 2020 wurde ähnlicher Vorschlag noch abgewiesen

Schon in der Vergangenheit schlug Wladimir Schirinowski, der im April 2022 verstorbene, langjährige Vorsitzende der LDPR, vor, den russischen Präsidenten fortan als „Obersten Herrscher“ zu bezeichnen. Diesen Vorschlag lehnte die Duma im Jahr 2020 allerdings ab. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte damals, Wladimir Putin, selbst Mitglied der Partei „Einiges Russland“, habe keine Meinung zu dem Vorschlag.

Wladimir Putin
Streetart in Polen: Eine Karikatur Wladimir Putins. © Lukasz Gdak / Imago Images

Zweifelsohne handelt es sich dabei um einen populistischen Vorschlag, dessen Begründung, „Pravitel“ sei „für das russische Ohr verständlicher“, eher für Fragezeichen sorgt – insbesondere, weil der Begriff „Präsident“ schon während des Endes der Sowjetunion im Jahr 1991 eingeführt wurde. Angesichts der Tatsache, dass Wladimir Putin sich selbst aber schon mit Peter dem Großen verglichen hat, dürfte ihm der Titelvorschlag inzwischen vielleicht besser gefallen.

Denn heute, über zwei Jahre später, befindet sich die Russische Föderation mitten im Ukraine-Krieg. Während Gerüchte um angebliche Putschversuche die Runde machen, scheint in Russland auch der Widerstand gegen den Überfall auf das Nachbarland wieder aufzukeimen. Es könnte sich daher um einen passenden Zeitpunkt handeln, um die Titeländerung schließlich doch noch einzuführen. Überraschen würde ein solcher Zug jedenfalls niemanden mehr. (nak)

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