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Russischer Präsident

Russland: Wie viel Autorität genießt Wladimir Putin noch?

  • Stefan Scholl
    vonStefan Scholl
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Gerüchte über eine Krebserkrankung von Wladimir Putin könnten sich als Falschmeldung herausstellen. Die Frage nach seiner politischen Zukunft bleibt dennoch aktuell.

  • Seit Wochen wird in Russland über den Gesundheitszustand von Präsident Wladimir Putin gerätselt.
  • An seinem Amtssitz lässt sich Wladimir Putin demnach nur noch selten sehen.
  • Die Zustimmungswerte des russischen Präsidenten werfen Fragen über dessen politische Zukunft auf.

Update vom Freitag, 04.12.2020, 19.52 Uhr: Die Behauptungen des Historikers Waleri Solowej, der vor wenigen Wochen von einer Krebserkrankung des russischen Präsidenten gesprochen hatte, hat der Kreml als unwahr zurückgewiesen. Und auch der Russland-Experte Fabian Burkhardt vom Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung Regensburg zweifelt an der Glaubwürdigkeit des sogenannten Insiders Waleri Solowej. In einem Podcast des Senders „ntv“ sagte er: „Derzeit muss man ihn eher als Verschwörungstheoretiker beschreiben.“

Eine schwere Erkrankung Wladimir Putins hält Burkhardt für sehr unwahrscheinlich, den bisherigen Rückzug des Präsidenten aus der Öffentlichkeit bringt er vielmehr mit dem ebenfalls in Russland grassierendem Coronavirus in Verbindung. Auch die „Welt“ vermutet, dass es sich bei den Gerüchten über Wladimir Putins angebliche Krebserkrankung um eine Falschmeldung handelt und berichtet zudem, dass der Präsident sich allmählich wieder vermehrt in der Öffentlichkeit zeige.

Zustimmung für Wladimir Putin in Russland sinkt: Keine unantastbare Autorität mehr

Dass sich die vermutliche Falschmeldung so lange habe halten können, ist für die Zeitung weniger ein Indiz für die physische als vielmehr für die politische Angeschlagenheit Wladimir Putins. Dem unabhängigen Forschungsinstitut „Levada“ zufolge sollen sich die derzeitigen Zustimmungswerte des russischen Präsidenten auf gerade einmal 34 Prozent belaufen. Für die „Welt“ ein Anzeichen dafür, dass Wladimir Putin längst nicht mehr als unantastbare Autorität in Russland gilt.

Waldimir Putin beim Besuch einer Petrochemischen Fabrik in der sibirschen Stadt Tobolsk am 01.12.2020.

Russland: Wie krank ist Wladimir Putin?

Erstmeldung vom Montag, 30.11.2020: Moskau - Wladimir Putin fehlte, als am Samstag bei Moskau berühmte Profis und kremlnahe VIPs die Saison der „Nächtlichen Hockeyliga“ starteten. Der russische Präsident hatte nur ein Grußwort gesandt. Dabei gilt die Promi-Liga als Lieblingskind Putins, seit 2011 jagt er dort regelmäßig selbst den Puck. In diesem Jahr aber spielte der begeisterte Sportler noch bei keiner der Hockeygalas mit.

Russlands Präsident Wladimir Putin lässt sich im Kreml kaum noch blicken. (Archivfoto)

Wladimir Putin: Russlands starker Mann altert

Das befeuert die Gerüchte, die seit Wochen in Moskau umgehen: Der 68-jährige sei schwer krank, werde deshalb im kommenden Januar seinen Rücktritt verkünden. Dabei wirkte er bei seinen jüngsten Auftritten keineswegs wie ein Gezeichneter. Aber auch Russlands starker Mann altert.

Der liberale Fernsehkanal TV Doschd vermerkte einen Hustenanfall, nachdem Putin sich bei einer Videokonferenz mehrfach stark geräuspert hatte. Und eine Moskauer Masseurin, die regelmäßig auch Parlamentarier:innen durchknetet, erzählt ihren Kundinnen und Kunden, in der Staatsduma erwarte man „riesige Veränderungen“. Hauptquelle der Gerüchte ist der Historiker Waleri Solowej, der sich enger Kontakte zum Kreml rühmt. Er verkündete im Mai, Putin werde zurücktreten müssen, weil er Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehme.

Wladimir Putin: „Gesundheit nicht mehr ideal“

Im Oktober schob er nach, russische Wissenschaftler, darunter auch Putins eigene Tochter, arbeiteten fieberhaft an der Entwicklung eines Antikrebsmittels für den Staatschef. Im November versicherte er, Putin leide an Parkinson und gehe im Januar auf Druck seiner Familie in Rente. Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete das alles als Unsinn, der Präsident besitze eine ausgezeichnete Gesundheit.

„Es gibt keinerlei Anlass für einen Rücktritt aus Gesundheitsgründen“, sagt der kremlnahe Politologe Alexei Muchin der FR. „Sicher ist Putins Gesundheit in diesem Alter nicht mehr ideal. Aber er wird medizinisch bestens betreut.“

Am Dienstag schlenderte Putin gewohnt lässig vor den Kameras umher, als er staatlichen TV-Journalisten sein Erholungszimmer auf dem Landsitz Nowo-Ogarjowa bei Moskau zeigte. In dem spartanisch eingerichteten Raum gab er ein gewohnt wortreiches Interview, sein Gesicht wirkte vielleicht etwa gerötet, aber inhaltlich war Putin wie üblich Herr der Lage. Er sah weder wie ein Kranker aus, noch wie ein Greis.

Russland: Wladimir Putin sieht man nur noch selten im Kreml

Allerdings scheint Putin immer mehr Zeit in Nowo-Ogarjowo und vor allem in seiner Sommerresidenz in Sotschi zu verbringen. Im Kreml taucht er nur noch selten auf.

Und Präsident Wladimir Putin verliert offenbar nicht nur die Lust am Eishockey, einen Sport, der Tempo und Wendigkeit verlangt. Auch politisch manövriert er weniger flexibel als früher. In Belarus etwa unterstützt er seit Monaten stur den brutalen Kurs seines Kollegen Alexander Lukaschenko. Die Chance, den Gewaltherrscher zu entmachten, damit die protestierenden Weißrussen für sich zu begeistern und sein Image im Westen wesentlich aufzubessern, nutzte Putin nicht. (Stefan Scholl)

Rubriklistenbild: © ALEXEY NIKOLSKY/afp

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