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Jahresbilanz

Wladimir Putin verteidigt seine Corona-Strategie - und attackiert den Westen im Fall Nawalny

  • Stefan Scholl
    vonStefan Scholl
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Seine Jahresbilanz-Presseschau nutzt der russische Präsident Wladimir Putin für ausnehmend viel Selbstlob.

  • Russlands Präsident Wladimir Putin zieht seine Jahresbilanz.
  • Für den Westen gibt es aus Russland saftige Schelte, wie man es kennt.
  • Ansonsten hat man - laut Wladimir Putin - natürlich alles im Griff.

Nowo-Ogarjowo - Ein paar Stirnfalten und graue Haare mehr, aber der russische Präsident wirkte bei seiner 16. Jahrespressekonferenz gut in Form – allen Krankheitsgerüchten zum Trotz. Wladimir Putin, 68, antwortete aus seiner Residenz Nowo-Ogarjowo bei Moskau online auf die Fragen von immerhin 774 in neun Städten akkreditierten Presseleuten. Die meisten ihrer Fragen schienen einer abgestimmten Regie zu folgen.

Wladimir Putin: Russland Probleme besser als andere Länder angegangen

Die Frage eine Reporterin aus Magadan, wie Wladimir Putin das Jahr bewerte, wurde zum Stichwort für sein traditionell mit Erfolgszahlen gespicktes Eingangsstatement. Wegen der Corona-Pandemie habe es ein „Meer von Problemen“ gegeben, „aber wir sind diesen Problemen würdig begegnet, sogar besser als andere Länder“.

Wladimir Putin hatte keine Worte für die Opfer der Corona-Pandemie übrig.

So sei das Bruttoinlandsprodukt Russlands nur um 3,6 Prozent gesunken, weniger als in den führenden EU-Staaten. Die Agrarproduktion habe man sogar um 1,8 Prozent gesteigert. Auch die Reallöhne würden bis Jahresende um 1,5 Prozent wachsen. Allerdings bat Putin das Volk nebenher, sich über diese Angabe nicht zu ärgern. „Sie entspricht ja nicht dem, was die Menschen im wirklichen Leben spüren.“

Russland: Wladimir Putin lobt das Gesundheitssystem

Auch einige Erfolge des Gesundheitssystems, die Putin feierte, klangen fabelhaft. Russland habe die Zahl des ärztlichen Corona-Personals von 8300 auf 150.000 erhöht, sei das erste Land, das Impfstoffe erfunden habe, werde schon Anfang 2021 Millionen Dosen herstellen … Kühne Worte, die Putin dann selbst relativierte: Da es an Produktionsanlagen für die Vakzine mangele, brauche man die Hilfe ausländischer Firmen.

Kurz darauf konfrontierte ihn eine Volontärin des Telefonzentrums mit Corona-Klagen aus dem Volk: „Es ist unmöglich, Ärzte nach Hause zu rufen.“ „Notarztwagen kommen erst nach einer Woche.“ „Mediziner warten vergeblich auf die ausgelobten Pandemie-Zuschläge.“ Wladimir Putin versicherte, man werde auf alle Bitten systematisch reagieren. Worte der Trauer oder des Mitleids mit den Zehntausenden Opfern der Seuche äußerte Putin an dieser Stelle nicht.

Wladimir Putin: Der fall Alexej Nawalny ist eine „Müllkippe“

Das Thema des Tages aber bezeichnete er als „Müllkippe“: Die Presseenthüllungen über die Verwicklung seiner FSB-Agenten in den Giftanschlag auf den Oppositionellen Alexej Nawalny seien die „Legalisierung amerikanischer Geheimdienstinfomationen“. Und sie zeigten, dass US-Organe Nawalny unterstützten. „Das bedeutet, dass unsere Dienste auf ihn achtgeben müssen.“ Nawalnys Trick sei, dass er nun das Staatsoberhaupt beschuldige, um sein eigenes Image aufzublähen. Putin ließ offen, warum ausgerechnet FSB-Giftstoffexperten Nawalny zur Zeit des Anschlags beschatteten.

Als ein „BBC“-Reporter später nachhakte, wurde der Staatschef ungehalten. Er warf dem Westen vor, er ignoriere alle russischen Angebote, gemeinsam zu ermitteln. Und dann wies er jede Mitverantwortung am miserablen Ost-West-Verhältnis von sich. „Im Vergleich zu euch ist unser Fell wirklich blütenweiß und flauschig.“ (Stephan Scholl)

Rubriklistenbild: © Sergei BobylevI/Imago images

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