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Gegenspieler von Wladimir Putin

Alexej Nawalny vergiftet? Neue Details zu Anschlag bekannt

  • vonMirko Schmid
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Im August 2020 wurde Kreml-Kritiker Alexej Nawalny mit dem Kampfmittel Nowitschok vergiftet. Dahinter soll der von Wladimir Putin kontrollierte Geheimdienst FSB stecken.

  • Alexej Nawalny gilt als einflussreichster Kritiker des Präsidenten Wladimir Putin in Russland.
  • Im August wurde der Kreml-Kritiker mit dem Kampfmittel Nowitschok vergiftet.
  • Anschließend wurde Alexej Nawalny nach Deutschland geflogen und in der Berliner Charité behandelt.

Frankfurt - Ein Netzwerk aus Reportern des Rechercheverbundes „Bellingcat“, der Nachrichtenmagazine „Der Spiegel“ und „The Insider“ sowie des US-Nachrichtensenders „CNN“ legen nahe, dass Kreml-Kritiker Alexej Nawalny das Opfer eines gezielten und von langer Hand vorbereiteten Anschlages des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB geworden war.

Alexej Nawalny: Schon seit 2017 von Agenten des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB verfolgt?

Mehr als ein Dutzend FSB-Agenten sollen Alexej Nawalny den Recherchen zufolge schon seit dem Jahr 2017 systematisch verfolgt und beschattet haben, um den Anschlag vorzubereiten. Mehr als 30 Mal sollen die Geheimdienstangestellten kurz vor dem Kreml-Kritiker dessen Reiseziele besucht haben und anschließend kurz nach ihm nach Russland zurückgekehrt sein. Das legt die Auswertung von GPS- und Standortdaten sowie von Mobilfunkverbindungen des FSB-Teams nahe.

Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny im September 2019 bei einer Rede. (Archivfoto)

Im Fokus der Recherchen stehen insgesamt acht Männer, die die Operation vorangetrieben haben sollen. Für den konkreten Giftanschlag auf Alexej Nawalny in der russischen Stadt Tomsk sollen die Ärzte Alexej Alexandrov und Ivan Osipov sowie der FSB-Agent Vladimir Panyaev verantwortlich sein. Begleitet wurden die drei Männer wohl von fünf weiteren Mitverschwörern, namentlich Oberst Stanislav Makshakov, Olek Tayakin, Konstantin Kudryavtsev, Alexey Krivoschekov und Mikhail Shvets.

Bisher gibt es keinerlei Bestrebungen aus dem Ausland, im Fall Alexej Nawalny zu ermitteln

Aus den Recherchen ergibt sich, dass alle acht kurz vor der erfolgreichen Vergiftung von Alexej Nawalny in ständigem Kontakt standen. Dieser Kontakt intensivierte sich kurz vor dem Giftanschlag merklich, genau wie während der Nachtstunden Moskauer Zeit, als sich Nawalny auf dem Weg von seinem Hotel zum Flughafen der Großstadt Tomsk befand. Die Journalisten des Recherchenetzwerkes „Bellingcat“ verorten den Auftrag für den Anschlag in höchsten politischen Kreisen um Wladimir Putin: „Unsere Untersuchung ergab auch Telekommunikations- und Reisedaten, die stark darauf hindeuten, dass der Vergiftungsversuch auf Nawalnys Leben im August von den höchsten Rängen des Kremls angeordnet war.“

Kritisch merken die Investigativ-Journalisten an, dass ihre Enthüllungen besonders wichtig seien, da ihr Bericht die Vergiftung Nawalnys erstmals direkt mit den russischen Sicherheitsdiensten in Verbindung bringen - und sich bisher kein anderes Land als Russland dazu bereiterklärt hat, die Zuständigkeit für eine offizielle Untersuchung zu übernehmen. Auch nicht Deutschland. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hatte Russland im Bundestag zwar deutlich als Hauptverdächtigen hinter dem Anschlag gebrandmarkt, aber auch die deutsche Bundesregierung wagte den offenen Affront, der sich aus einer offiziellen Ermittlung der Tatumstände ergeben würde, bisher nicht.

„Keine sicheren Beweise“: Wladimir Putin will im Fall Alexej Nawalny bisher nicht ermitteln lassen

Alexej Nawalny selbst teilt die Einschätzungen des Recherchenetzwerks. Selbst veröffentlichte er die Fotos der acht „Hauptverschwörer“ aus dem Umfeld des russischen Inlandgeheimdienstes FSB mit den Worten:  „Ich weiß, wer mich töten wollte.“ Im Anschluss an den erfolglosen Versuch, den Kreml-Kritiker auszuschalten, sollen sich den Recherchen zufolge mindestens vier FSB-Mitarbeiter in die sibirische Stadt Gorno-Altajsk begeben haben. Im dortigen „Institut für Probleme chemischer und energetischer Technologien“, spezialisiert darauf, Spuren nach dem Einsatz von chemischen Kampfstoffen wie Nowitschok zu verwischen, könnten sie versucht haben, sich von den Spuren der Tat reinzuwaschen. 

Russlands Präsident Wladimir Putin sieht keine Veranlassung, Ermittlungen im Zusammenhang mit der versuchten Vergiftung seines schärfsten Kritikers in die Wege zu leiten. Der Machthaber, der weiterhin jedwede Schuld von sich und seinen Behörden weist, bestreitet, dass die Beweislage ausreichend dazu sei. Erst wenn genügend „sichere Beweise“ vorliegen würden, so Putin, würden die russischen Strafbehörden tätig. Putin wörtlich: „Auch wenn eine Person fast gestorben ist, heißt das nicht, dass in jedem Fall ein Strafverfahren eröffnet werden muss.“

Auf die Recherchen der Investigativjournalisten hat der Kreml hingegen bereits reagiert. Einen Sprecher ließ Wladimir Putin ausrichten, die Vorwürfe gegen den Geheimdienst FSB seien „Bullshit“. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Vladimir Gerdo/Imago Images

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