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„Vom Schlimmsten ausgehen“: Tod russischer Oligarchen sorgt weiter für Diskussionen

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Von: Sandra Kathe

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Innerhalb 24 Stunden wurden letzte Woche zwei tote russische Oligarchen und ihre getöteten Angehörigen aufgefunden. Hat der Kreml etwas damit zu tun? 

Update vom Freitag, 29. April, 08.40 Uhr: In den vergangenen Wochen starben mehrere russische Oligarchen seit der Eskalation des Ukraine-Konflikts unter mysteriösen Umständen. Der Finanzier und politische Aktivist Bill Browder hat eine Theorie, wer für die ungeklärten Todesfälle verantwortlich sein könnte. Man müsse „vom Schlimmsten ausgehen“, sagte er dem US-Nachrichtenportal Newsweek.

Browder selbst war ein großer Portfolioinvestor in Russland. „Jedes Mal, wenn ein wohlhabender Russe unter verdächtigen Umständen stirbt, sollte man das Schlimmste annehmen und dann ausschließen“, sagte Browder, „anstatt anzunehmen, dass es normal ist und dann nach der anderen, unheilvolleren Alternative zu suchen. Meiner Erfahrung nach ist die Erklärung für den Tod einer wohlhabenden Person, die unter verdächtigen Umständen zu Tode kommt, in den meisten Fällen unheimlich und nicht unschuldig, wenn es sich um Russen handelt.“ Konkret spricht er dabei eine mögliche Beteiligung des Kreml an den Todesfällen an.

„Es gibt genügend empirische Beweise für Morde, die vom Kreml oder von Geschäftskonkurrenten in Russland organisiert wurden, sodass es wahrscheinlich ist, dass es sich um Morde handelt und nicht um Selbstmorde oder andere Erklärungen, die von den russischen Behörden in Umlauf gebracht wurden.“

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind mehrere russische Oligarchen als Putin-Vertraute von Sanktionen des Westens betroffen. Ob diese mit den mysteriösen Todesfällen zusammenhängen, ist unklar.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind mehrere russische Oligarchen als Putin-Vertraute von Sanktionen des Westens betroffen. Ob diese mit den mysteriösen Todesfällen zusammenhängen, ist unklar. (Symbolbild) © Ramil Sitdikov/AFP

Mysteriöse Todesfälle russischer Oligarchen: Angehörige sprechen von Mord

Erstmeldung vom Mittwoch, 27. April, 16.50 Uhr: Moskau/Lloret de Mar – Der Tod mehrerer russischer Oligarchen seit der Eskalation im Ukraine-Konflikt gibt Ermittlungsbehörden und Angehörigen weiterhin Rätsel auf. Im Fall des vergangenen Dienstag (19. April) gemeinsam mit seiner Frau und der gemeinsamen 18-jährigen Tochter tot aufgefundenen Sergey Protosenya, haben sich nun mehrere Weggefährten und sogar der Sohn des Gas-Magnaten öffentlich gegen die Selbstmord-Theorie ausgesprochen.

Der russische Multimillionär, ehemaliger Vizechef des Gaskonzerns Nowatek, war von der spanischen Polizei erhängt in seinem Anwesen im spanischen Lloret de Mar gefunden worden, seine Frau und Tochter waren mit einer Axt ermordet worden. In vergleichbaren Fällen geht die Polizei von einem erweiterten Selbstmord aus, bei dem ein Täter erst seine Angehörigen ermordet und dann sich selbst richtet. Doch nach Berichten der katalanischen Zeitung El Punt Avui gibt es in Fall Protosenya zumindest erste Zweifel.

Ukraine-Krieg: Rätsel um tote russische Oligarchen – „Mein Vater ist kein Mörder“

Die hat nun auch der 22-jährige Sohn Fedor bestätigt, der in einer ersten Stellungnahme gegenüber der Zeitung Daily Mail einen erweiterten Selbstmord ausschließt: „Mein Vater ist kein Mörder“, sagte Protosenya, der sich zum Zeitpunkt des Vorfalls in Frankreich aufgehalten hat und von dort aus die Polizei alarmierte, nachdem er seine Familie telefonisch nicht erreichen konnte. Auch Protosenyas ehemaliges Unternehmen Nowatek nimmt seinen ehemaligen Vize-Chef in Schutz: „Wir sind überzeugt, dass sich die Spekulationen als unwahr herausstellen werden“, hieß es in einer Stellungnahme.

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind mehrere russische Oligarchen als Putin-Vertraute von Sanktionen des Westens betroffen. Ob diese mit den mysteriösen Todesfällen zusammenhängen, ist unklar.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind mehrere russische Oligarchen als Putin-Vertraute von Sanktionen des Westens betroffen. Ob diese mit den mysteriösen Todesfällen zusammenhängen, ist unklar. (Symbolfoto) © Ramil Sitdikov/AFP

Vonseiten der spanischen Behörden gibt es zwar derzeit noch keine offiziellen Angaben zu den Ermittlungs- oder Obduktionsergebnissen, wie die Daily Mail berichtet, seien jedoch auch keine Fingerabdrücke auf den mutmaßlichen Tatwaffen, einer Axt und einem Messer, gefunden worden. An der Leiche des 55-Jährigen sei außerdem kein Blut gefunden worden, das darauf hindeutete, dass dieser seine 53-jährige Ehefrau sowie die Tochter ermordet hätte.

Mysteriöse Umstände: Viele Todesfälle seit Beginn des Ukraine-Kriegs

Was den Fall noch mysteriöser macht, ist die Tatsache, dass am Tag bevor spanische Polizist:innen die Leichen in Lloret de Mar entdeckten, auch in Russland ein Oligarch neben seiner Frau und Tochter tot aufgefunden worden war. Dabei handelt es sich um den ehemaligen Vizechef der Gazprom-Bank Vladislav Avayev, der in der Vergangenheit auch für den Kreml gearbeitet hatte. Auch im Fall von Avayev habe es so ausgesehen, als hätte der 51-Jährige erst seine Frau und die 13-jährige Tochter in der Moskauer Luxuswohnung ermordet und dann sich selbst getötet.

Seit Jahresbeginn sind neben den beiden Oligarchenfamilien mehrere reiche Russen auf bisher ungeklärte Weise ums Leben gekommen. Unter ihnen waren die ehemaligen Gazprom-Funktionäre Leonid Shulman und Alexander Tjuljakov, die im Januar und Februar tot aufgefunden worden waren. Am 28. Februar kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs wurde auch der Unternehmer Mikhail Watford, der in Großbritannien lebte, erhängt aufgefunden. (ska)

Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leiden, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bei Depressionen und anderen psychischen Notfall-Situationen gibt es außerdem unter www.deutsche-depressionshilfe.de. Hilfe bietet auch der Krisendienst Frankfurt unter 069-611375. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.bsf-frankfurt.de.

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