Russland im US-Wahlkampf

Wladimir Putin „hilft“ Joe Biden - oder doch Donald Trump?

  • vonMirko Schmid
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Donald Trump wirft Hunter Biden, dem Sohn von Joe Biden, verbrecherisches Geschäftsgebaren in Russland und der Ukraine vor. Wladimir Putin widerspricht.

  • Wladimir Putin widerspricht im US-Wahlkampf der Anschuldigung von Donald Trump, der Sohn von Joe Biden habe in der Ukraine illegal Geld verdient.
  • Gleichzeitig spricht der russische Präsident Putin von lukrativen Geschäften der Bidens in der Ukraine.
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Russland/USA - Wladimir Putin äußert sich zu den Anschuldigungen von Donald Trump gegenüber Hunter Biden, dem Sohn von Joe Biden. Und die Erklärung des russischen Präsidenten birgt durchaus Sprengstoff im Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl am 3. November, der gut eine Woche vor der Wahlnacht in den USA auf die Zielgeraden einbiegt.

Joe Biden und Wladimir Putin pflegen seit Bidens Vizepräsidentschaft unter Obama ein gespanntes Verhältnis (Archivbild)

Sowohl Donald Trump als auch Joe Biden

Um zu verstehen, warum die Worte von Wladimir Putin für beide Lager des diesjährigen Rennens um das Weiße Haus Zündstoff bergen, ist die Geschichte einiger heftiger Anschuldigungen im Wahljahr 2020 relevant, welche sowohl aus dem Team um Donald Trump als auch aus den Reihen von Demokrat Joe Biden gegenüber dem jeweils anderen Lager erhoben wurden. Donald Trump nämlich soll seinen persönlichen Anwalt und Berater Rudy Giuliani von der Kette gelassen haben, um im Wahlkampf schmutzige Details rund um die Familie von Joe Biden und auch rund um den Herausforderer des Präsidenten selbst auszugraben - oder notfalls auch, darauf weist zumindest einiges hin, zu produzieren - unter anderem mithilfe eines russischen Spions.

Joe Biden seinerseits lässt immer wieder durchblicken, dass er in Russland einen Destabilisator der US-Wahl sieht, der bereits 2016 für Donald Trump auf die Wahl eingewirkt haben soll und das, so heißt es aus dem Umfeld der Demokraten, auch 2020 wieder tun könnte. Eine solche Einmischung von Wladimir Putin zugunsten von Donald Trump läge durchaus im Bereich des Denkbaren, gibt sich der US-Präsident doch immer wieder als Freund und Bewunderer des russischen Präsidenten zu erkennen. Zudem ist aus dem Kreml zu vernehmen, dass Joe Bidens „antirussische Rhetorik“ Präsident Putin ein Dorn im Auge sein soll. Biden hatte unter anderem im TV-Duell mit Republikaner Trump gesagt, Staaten, die auf die US-Wahl Einfluss nehmen wollten, werden „ihren Preis zahlen“ - und erwähnte Russland explizit.

Wladimir Putin nimmt den Sohn von Joe Biden in Schutz - Donald Trump könnte davon sogar profitieren

Jetzt hat sich Wladimir Putin selbst zu Wort gemeldet - und seine Einlassungen erzeugen durchaus einen gewissen Nachhall. Der Präsident des größten Flächenlandes der Erde widerspricht nämlich ausgerechnet Donald Trump und nimmt (vermeintlich) Hunter Biden in Schutz. Der Sohn des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Joe Biden habe laut Putin nämlich nichts Unrechtes getan. Der russische Präsident sehe nach eigener Aussage „nichts Verbrecherisches“ an den Aktivitäten von Hunter Biden in der Ukraine. Im gleichen Atemzug stellt Putin fest, dass Hunter Biden „mindestens eine Firma“ in der Ukraine „praktisch geleitet“ habe, mit der er „gutes Geld verdient“ habe. Er fügt hinzu: „Es geht uns nichts an. Es geht um die Amerikaner und die Ukraine“.

Was zunächst wie eine Inschutznahme von Hunter Biden seitens Wladimir Putin klingt, ist de facto eine vergiftete Parteinahme. Indem der russische Präsident Hunter Biden nämlich als einen Profiteur der Geschäfte in der Ukraine darstellt, bestätigt er beiläufig eine der wichtigsten Punchlines im Kanon der Anschuldigungen gegen den Sohn von Joe Biden aus dem Lager von Donald Trump. Frei übersetzt: „Klar hat Biden in der Ukraine Geschäfte gemacht, alles weitere müsst ihr euch selbst denken.“ Und auch die vermeintliche Entkräftigung der Anschuldigungen aus dem Team Trump, dass die Bidens in der Ukraine zumindest am Rande der Korruption gehandelt hätten, bietet mit dem Zusatz „zumindest wissen wir nichts darüber“ dann doch einen gewissen Interpretationsspielraum - auch und gerade für die letzten Tage des Wahlkampfs.

Wladimir Putin nimmt persönlich Einfluss auf den Wahlkampf zwischen Donald Trump und Joe Biden

Es wäre somit nicht komplett aus der Luft gegriffen, Wladimir Putin entgegen des ersten Eindrucks sogar eine Steilvorlage für das Wahlkampfteam um Donald Trump zu unterstellen. Doch auch eine andere Interpretation bleibt möglich und findet in den USA gerade in den sozialen Medien viele Fürsprecher: Wladimir Putin habe Donald Trump fallenlassen. Angesichts der miserablen Umfragewerte des US-Präsidenten nur rund eine Woche vor der Wahl, habe Putin den Daumen über Trump gesenkt und versuche nun, sich mit dem kommenden Präsidenten der USA - Joe Biden - ein wenig besserzustellen.

So oder so - beide Interpretationsmöglichkeiten fußen darauf, dass der als gewiefter Taktiker bekannte Putin seine Aktien im US-Wahlkampf hat und mit seinen Einlassungen diesmal sogar direkt Einfluss auf den Wahlkampf - zumal in der heißesten Phase - nehmen möchte. (Mirko Schmid)

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