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Putin auf Distanz - Pure Machtdemonstration oder wichtige Gesundheitsvorsorge?

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Von: Tobias Utz

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Wladimir Putin
Russlands Präsident Putin: Gesund oder krank? © Mikhail Metzel / AFP

Russlands Präsident Wladimir Putin polarisiert. Dies eröffnet Raum für Spekulationen um seine Gesundheit. Ein Gerücht hält sich besonders hartnäckig.

Moskau – Wladimir Putin wird in diesem Jahr 70 Jahre alt. Ein vergleichsweise junges Alter, blickt man beispielsweise US-Präsident Joe Biden (79) oder dem italienischen Regierungschef Mario Draghi (74) in die Gesichter. Um Russlands Präsidenten ranken sich derweil immer wieder Gerüchte, insbesondere um seine Gesundheit. Zahlreiche Ferndiagnosen wurden bereits gestellt: zum Beispiel Parkinson, Krebs oder allgemeine Altersschwäche, um nur einige zu nennen.

Aus dem Kreml sind dazu lediglich Dementi zu vernehmen. Dem Präsidenten gehe es sehr gut, betonte Sprecher Dmitri Peskow bereits mehrfach. Putin selbst gab erst kürzlich den Verantwortlichen der G7-Staaten Tipps, wie man sich fit hält. Für die Harmonie zwischen Körper und Seele müsse man Sport machen, nicht zu viel Alkohol trinken und andere schlechte Angewohnheiten aufgeben, belehrte Putin die Staats- und Regierungschefs der führenden demokratischen Industrieländer – möglicherweise als Reaktion auf deren Witze über das oberkörperfreie Reiten von Pferden.

Ist Wladimir Putin krank? – Die Gerüchteküche brodelt wie nie zuvor

Trotz Putins Ratschlägen hält sich ein vermeintlicher Beweis für seine gesundheitliche Schwäche besonders hartnäckig. Als der russische Präsident Bundeskanzler Olaf Scholz und den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron im Februar im Kreml empfing, kam es auf. Damals saß Putin an einer langen Tafel, rund sechs Meter entfernt, sowohl von Scholz als auch von Macron. Die Welt rätselte, was dahinter stecken könnte: eine pure Machtdemonstration, angesichts eines massiven Tisches? Oder doch eine gesundheitliche Vorsorgemaßnahme?

Putin und Macron
Putin (l.) und Macron (r.) sitzen am sechs Meter langen Tisch im Kreml. © Kremlin Pool / AP / dpa

Im Fall des Macron-Besuchs begründete Putins Sprecher Dmitri Peskow die große Distanz zwischen den beiden Staatschefs mit dem Corona-Protokoll des Kreml. Macron habe sich geweigert, sich in Russland einem PCR-Test zu unterziehen, so Peskow. „Manche folgen ihren eigenen Regeln. Aber in diesem Fall wird ein Gesundheitsprotokoll angewendet, um die Gesundheit unseres Präsidenten und die seines Gastes zu schützen“, betonte der Kreml-Sprecher. Eine Quelle aus dem Umfeld des Élysée-Palasts erklärte der Nachrichtenagentur Reuters Macrons Verweigerung: „Wir wussten sehr wohl, dass das keinen Händedruck und diesen langen Tisch bedeutete. Aber wir konnten nicht akzeptieren, dass sie die DNA des Präsidenten in die Hände bekommen.“ „Die Russen haben uns gesagt, dass Putin in einer strengen Gesundheitsblase gehalten werden muss“, sagte eine zweite Quelle der Nachrichtenagentur.

Neues Putin-Foto heizt Spekulationen an

Dass neben Corona-Maßnahmen auch der allgemeine Gesundheitszustand Putins eine Rolle spielen könnte, legen Recherchen der unabhängigen Publikation „Projekt Information“ nahe. Die Verantwortlichen verfolgten über Jahre hinweg, welche Ärztinnen und Ärzte den russischen Präsidenten dauerhaft begleiten. Darunter befindet sich unter anderem ein Mediziner, der auf Schilddrüsenkrebs spezialisiert ist – eine der eingangs erwähnten Krankheiten.

Das neueste Beispiel für Putins große Entfernung zu Gesprächspartnern ereignete sich kürzlich auf dem kaspischen Gipfeltreffen in Turkmenistan, wie der BBC-Journalist Francis Scarr berichtete. Putin nahm daran teil und saß relativ weit von den anderen Teilnehmern entfernt (auf dem Twitter-Foto am linken Rand).

Der Kreml lieferte in diesem Fall keine Erklärung dafür. Stattdessen gab Putin die bereits angesprochenen Gesundheitstipps. (tu)

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