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Alexej Nawalny überlebte im August einen Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok. Jetzt meldet er sich aus dem russischen Straflager auf Instagram. (Archivbild)
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Alexej Nawalny überlebte im August einen Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok. Jetzt meldet er sich aus dem russischen Straflager auf Instagram. (Archivbild)

Lebenszeichen aus der Haft

Nawalny meldet sich aus Straflager in Russland auf Instagram

  • Stefan Scholl
    vonStefan Scholl
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Russlands Oppositionsführer Alexej Nawalny meldet sich zum ersten Mal aus der Vollzugsanstalt – und hat seinen Humor trotz der „Gefängnishölle“ IK-2 nicht verloren.

Die Haltung der strammstehenden Strafgefangenen sei angespannt, sie hätten sogar Angst, den Kopf zu drehen, erklärte Alexej Nawalny am Montag auf Instagram. Das lasse die vielen Geschichten glaubhaft erscheinen, hier seien noch vor kurzem Leute mit Holzhämmern halb tot geschlagen worden. „Jetzt herrschen andere Methoden, und ehrlich gesagt, ich erinnere mich an keinen Ort, wo alle so höflich miteinander reden. Deshalb nenne ich mein neues Zuhause ,unser liebenswürdiges Konzentrationslager‘.“

Alexej Nawalny, der zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilte russische Oppositionsführer, ist nach über zweiwöchiger „Etappe“, wie Gefangenentransporte in Russland genannt werden, in der Justizvollzugsanstalt IK-2 der Region Wladimir angekommen. Hier wird er voraussichtlich seine Strafe absitzen, in einem Lager, das einen denkbar schlechten Ruf hat.

Nawalny im berüchtigten IK-2 Straflager in Russland – „seelische Vernichtung“

Die IK-2 in der Kleinstadt Pokrow liegt nur knapp 100 Kilometer östlich von Moskau. In den vergangenen Jahren berichteten Haftentlassene von tagelangem Prügeln, mit dem hier vor allem Neuankömmlinge psychisch gebrochen werden sollten. Diese Gewalttätigkeiten endeten allerdings nach einem Wechsel des Direktors 2019.

Trotzdem sagte die Rechtsanwältin Maria Ejsmont dem Portal Mediazona, das Regime in der IK-2 bezwecke weiter die seelische Vernichtung der Häftlinge. Auch „Nawalny Live“, der Youtube-Kanal des eingesperrten Politikers, drehte schon zwei Filme über „die Gefängnishölle“ von Pokrow. Und die britische BBC zitiert den nationalistischen Politiker Dmitri Demuschkin, der dort mehr als zwei Jahre verbrachte: Das sei das härteste Straflager in Russland, „wenn es darum geht, Leute zu zerbrechen“. Acht Monate saß Demuschkin im „verschärften Kontrollsektor A“, in einer Baracke mit einer Innentemperatur von 11 bis 13 Grad. Er sei von 105 auf 60 Kilo abgemagert. Niemand habe ihn angefasst, aber dort würden für Verstöße Mithäftlinge bestraft, sie müssten vier Stunden lang Gymnastik machen, danach verschwitzt im Frost „spazieren“ gehen.

Medienaufmerksamkeit verhilft Nawalny zur Kommunikation in der Vollzugsanstalt in Russland

Jetzt meldete sich Nawalny per Instagram aus dem Kontrollsektor A, mit geschorenem Haupt. „Aber ich glaube nicht, dass Nawalny im IK-2 unter heftiges Pressing gerät“, sagt der Schriftsteller Maxim Gromow, der selbst mehr als zweieinhalb Jahre wegen Protests im Gefängnis saß, der Frankfurter Rundschau. „Dafür konzentriert sich zu viel Aufmerksamkeit von Seiten der Medien und der Menschenrechtler auf ihn.“ Wenn Nawalnys Anhänger:innen jetzt viel Lärm um die Haftbedingungen in Pokrow veranstalteten, handelten sie richtig, weil der öffentliche Lärm die Gefängnisobrigkeit zwinge, Nawalnys Rechte als Gefangener zu beachten.

Tatsächlich gelang es dem Politiker, mit seiner Instagram-Botschaft, die er bei einem Treffen seinem Anwalts-Team diktierte, die „völlige Isolation“ in der IK-2 zu durchbrechen, über die sich Demuschkin und andere ehemalige Insassen beschwerten. Auch das von ihnen beklagte Sprechverbot scheint für Nawalny nicht zu gelten.

Nawalny hat seinen Humor trotz harter Haftstrafe in Russland nicht verloren

Allerdings wurde er als Häftling mit erhöhter Fluchtgefahr eingestuft. „Nachts wache ich jede Stunde auf, weil neben mir ein Mann in Joppe steht“, bloggt er auf Instagram. „Er filmt mich mit einer Kamera und sagt: ,2.30 Uhr, Strafgefangener Nawalny, gestrichen von der prophylaktischen Liste der Ausbrecher‘.“ Er schlafe mit dem Gedanken wieder ein, dass es Menschen gebe, die immer für ihn da seien. „Ist doch klasse, oder?“

Nawalnys Humor scheint unbeschadet. Und seine Anwält:innen sagten der Agentur Interfax nach dem Besuch in der IK-2, ihr Klient sei lebhaft und gut gelaunt.

Nawalny war im Februar zu mehreren Jahren Straflager verurteilt worden, wurde danach aber zunächst weiter in einem Untersuchungsgefängnis festgehalten. Die russische Justiz wirft ihm vor, gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen zu haben, während er sich in Deutschland von einem Giftanschlag erholte. (Stefan Scholl mit dpa)

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