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Wirtschaftskriminellen auf der Spur

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Erschütternd, fesselnd, lehrreich - einfach lesenswert. Die große Gier, das neue Buch des Journalisten Hans Leyendecker erfüllt viele Ansprüche. Und es lässt

Von CHRISTINE SKOWRONOWSKI

Erschütternd, fesselnd, lehrreich - einfach lesenswert. Die große Gier, das neue Buch des Journalisten Hans Leyendecker erfüllt viele Ansprüche. Und es lässt häufig erschaudern. Denn was der Leser über Korruption und mangelnde Moral erfährt, entspringt nicht der Fantasie eines Krimiautors, sondern ist bittere Realität aus dem deutschen Wirtschaftsleben. Illegale Machenschaften, betrieben unter dem Deckmantel der Marktwirtschaft. Als ob es das Normalste der Welt wäre, andere zu bestechen, um "zum Wohle" des Unternehmens der Konkurrenz Aufträge wegzuschnappen. Und das nicht nur bei Siemens, auch wenn diese Affäre in dem Buch breiten Raum einnimmt.

Leyendecker zeigt auf erschreckende Weise, dass der Satz "das tut man nicht" aus dem Vokabular vieler Manager offensichtlich getilgt ist und maßlose Gier das Handeln bestimmt. Dabei gebärdet er sich nicht als Moralapostel. Die Fakten, gespickt mit süffisanten Bemerkungen und auch erheiternden Passagen, sprechen einfach für sich.

Wirtschaftskriminalität, das macht Leyendecker noch einmal mehr als deutlich, ist kein Kavaliersdelikt. Sondern es ist ein gravierendes Problem, das immer stärker um sich greift und die gesamte Gesellschaft angeht. Der Journalist lässt nicht unerwähnt, dass es an deutschen Universitäten und Schulen bemerkenswerte Ansätze gibt, um bereits früh das Bewusstsein für soziale Verantwortung zu schärfen.

Aber: Das allein reicht nicht, ist Leyendecker überzeugt. Er plädiert klar für ein Unternehmenstrafrecht in Deutschland. Dass dies vor allem auch der Prävention dienen kann, belegt er am Beispiel USA, wo Firmen per Gesetz weitaus stärker in die Verantwortung genommen werden.

Und noch eines ist Leyendecker nach seinen langjährigen Recherchen und Erfahrungen wichtig: Jene, die auspacken wollen, müssen umfassend geschützt werden. Die Schicksale und seelischen Qualen einiger "Whistleblower" beschreibt der Autor mit viel Feinsinn und Mitgefühl. Dabei gelingt ihm aber doch das Kunststück, dass ein Eindruck beim Leser nicht entsteht: Schön blöd, hätten die geschwiegen, wäre ihnen viel erspart geblieben.

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