Bayern

Die neue CSU wirbt um Frauen und Einwanderer

  • schließen

Markus Söder ist als Partei-Chef wiedergewählt und will die Christsozialen umkrempeln. Das kommt nicht überall gut an.

Über eine Stunde hat Markus Söder gesprochen, er hat geprahlt, gebeten, erzählt und geworben. „Weil wir nur einander haben, müssen wir einander stärken“, hat er zum Schluss gesagt und die Delegierten des CSU-Parteitags darum gebeten, ihn wiederzuwählen als CSU-Chef. Es klang fast ein bisschen verzweifelt, auf jeden Fall nicht allzu sicher. 

Und dann gibt es tatsächlich Ärger. Ein junger Mann tritt ans Saal-Mikrophon, Niklas Stadelmann aus dem oberfränkischen Lichtenfels. Der neue Kurs der CSU sei Schaumschlägerei, findet er. Es gebe ein neues Parteilogo, und nicht viel mehr. Ausgerechnet die Pläne für mehr Beteiligungsmöglichkeiten der Basis seien mit dieser Basis nicht abgesprochen worden. Jünger und weiblicher solle die CSU nun werden, aber was geplant sei, reiche nicht aus. „Warum versucht man nicht die Trennung von Amt und Mandat?“, fragt Stadelmann. „Dann kommen wirklich mal Junge zum Zuge und nicht immer nur die Gleichen.“ 

Ein zweiter fängt an zu schimpfen, Willibald Schels aus Oberbayern, er gehört zu den ständigen kritischen Parteitags-Rednern. „Wir sind nicht so nah am Menschen, wie es immer gefordert wird“, ruft er. Bei der Pkw-Maut habe sich die CSU blamiert, und Verkehrsminister Andreas Scheuer habe noch eins drauf gesetzt. Innenminister Horst Seehofers Flüchtlingspolitik sei auch nicht in Ordnung. Der Applaus ist groß, es ist eine kurze Revolutionsstimmung im Raum. Manfred Weber rettet die Lage, ausgerechnet Weber, der selber gerne Horst Seehofer als CSU-Chef beerbt hätte. Er hat dann die EU-Spitzenkandidatur übernommen, ist aber auch nicht EU-Kommissionspräsident geworden. 

Weber wirbt also nun für Söder, auf dass der ein zweites Mal gewählt werde. „Aufbruch Bayern. Zukunft Deutschland“, steht auf einer großen Wand hinter der Bühne – als könne es jetzt endlich losgehen in diesem Bayern, in dem die CSU seit Jahrzehnten regiert.

„Wir sind wieder in Schuss“ 

Wenn es nach Söder geht, beginnt tatsächlich eine neue Zeitrechnung: Vor einem Jahr, nach dem Absturz der CSU bei der Landtagswahl, sei die CSU in einer Existenzkrise gewesen, sagt er auf der Bühne. „Ein Jahr später sind wir wieder so in Schuss, dass manche uns mehr zutrauen, als nur in Bayern erfolgreich zu sein.“ Söder ist bei der Landtagswahl schon Ministerpräsident gewesen, er hat sich davor mit Horst Seehofer einen Kampf um Parteivorsitz und Regierungsamt geliefert (den Seehofer verloren hat). Er hat nicht wenig zimperlich mitgemischt beim Streit mit der CDU um die Flüchtlingspolitik. 

Nun räumt er Fehler ein: „Von Stil und Inhalt falsch geführt“ sei der Streit gewesen, und vor allem „nicht bürgerlich“. Aber er hat sich ja Neues vorgenommen. Mehr Kompromisse, mehr Klimapolitik, mehr Frauen und mehr junge Leute für die Partei. „Es wird nicht reichen, weiterzumachen wie bisher“, ruft er. 

Viel gehe zu schnell, hat Ex-Verkehrsminister Peter Ramsauer vor dem Parteitag im Deutschlandfunk gesagt. „Viele können dem Tempo nicht folgen.“ Söder antwortet: „Es gibt mehr, die wissen, was sie nicht wollen, als die, die Ahnung haben, was möglich ist.“ 

Im Übrigen kopiere die CSU nicht die Grünen, sondern erinnere sich mit der Klimapolitik an „den Urauftrag der CSU“. „Hauptherausforderer“ nennt Söder die Grünen: „Die Frage ist nicht Schwarz und Grün, sondern Schwarz oder Grün.“ Verkehrsminister Scheuer versichert er den Rückhalt der CSU. Der ist allerdings ganz außen platziert, weit weg von Söder. Viele gemeinsame Fotos kann es da nicht geben.

Zum Schluss bekommt Söder 91,3 Prozent der Stimmen. Das ist mehr als bei seiner ersten Wahl vor zehn Monaten, als er mit 87,4 Prozent die 90-Prozent-Hürde gerissen hatte, aber weniger als Weber, der mit über 93 Prozent zum Vize-Chef gewählt wird. 

Einer ist dem Parteitag fern geblieben: Söders Vorgänger Seehofer hat sich auf eine Innenministerkonferenz gerettet. In der CSU haben sie noch nicht einmal mehr ein Namensschild aufgestellt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion