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Wirbel um Impfpass in Frankreich

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Von: Stefan Brändle

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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. © Philipp von Ditfurth/dpa

Millionen von Franzosen können ab sofort nicht mehr ins Restaurant oder Kino, da ihr Impfpass abgeschaltet wurde – Präsident Macron gerät vor den Präsidentschaftswahlen unter Beschuss.

Viele Länder lockern die Corona-Beschränkungen. Auch in Frankreich dürfen von Mittwoch an die Diskotheken nach zweijähriger Zwangspause wieder öffnen; im Zug oder in Sportstadien darf wieder Essen konsumiert werden.

Aber für viele – auch impfbereite – Franzosen und Französinnen werden die Regeln nicht aufgehoben, sondern verschärft: Am Dienstag ist die Frist für die Booster-Impfung von sieben auf vier Monate verkürzt worden. Diese Änderung scheint auf den ersten Blick geringfügig. Laut Gesundheitsministerium gelten damit aber 4,7 Millionen Personen als nicht mehr vollständig geimpft. Um prinzipielle Impfgegner:innen handelt es sich kaum, da die Betroffenen eine erste Immunisierung akzeptiert hatten. Meist waren sie vermutlich über die Neuerung schlicht nicht informiert. Ausnahmen gelten für Menschen, die sich in dieser Zeit infiziert haben. Als Faustregel gilt: Eine Infektion entspricht einer Impfung.

Selbst Impfbefürworter:innen fragen sich, ob die Regierung die Regelung mildern oder verschärfen will. „Meine Patienten kommen nicht mehr mit“, meinte etwa der Elsässer Allgemeinpraktiker Patrick Vogt zum Radiosender France-Bleu. „Ich sehe den Nutzen der Impfung völlig ein. Aber die Leute verstehen die Welt nicht mehr, wenn ihr Impfpass auf dem Handy automatisch deaktiviert wird.“

Die Erklärung für das widersprüchliche Verhalten der Regierung liegt in der Chronologie der Ereignisse: Das Parlament hatte den politisch sehr umstrittenen Impfpass – er entspricht in etwa der 2G-Regel – schon im Januar verabschiedet, als sich täglich mehrere Hunderttausend Menschen im Land ansteckten. Die nun gültige Fristverkürzung wurde damals beschlossen.

Seither scheint die Omikron-Spitze aber gebrochen und die Regierung in Paris beginnt vorsichtig zu lockern. Regierungssprecher Gabriel Attal hat zuletzt sogar das Ende des Impfpasses für „Ende März oder Anfang April“ in Aussicht gestellt.

Umso mehr Kopfschütteln gibt es jetzt, da zugleich fast fünf Millionen Menschen ihren Impfpass und damit ihren Zugang zum öffentlichen Leben verlieren. Die Regierung gerät damit noch stärker unter Druck, nachdem ihr Impfpass schon von Beginn weg unpopulär war. Im Präsidentschaftswahlkampf attackieren Kandidat:innen von links wie rechts Emmanuel Macron.

Für den Staatschef, der seine Kandidatur zur Wiederwahl in den nächsten Tagen erklären will, kommt der Impfpass-Ärger im dümmsten Moment.

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