Abzug

„Wir sollten uns von niemanden spalten lassen“

  • Karl Doemens
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Trumps Abzugspläne stoßen bei Berliner Politikern auf Kritik.

Seit Wochen rätseln die Außen- und Verteidigungsexperten im Berliner Regierungsviertel, wie genau sich der US-Präsident den Teilabzug von US-Streitkräften aus Deutschland vorstellt. Sollen die Soldaten zurück nach Hause? Sollen sie an einen anderen US-Stützpunkt irgendwo auf der Welt verlegt werden – oder innerhalb Europas umziehen?

Am Mittwoch brachte Donald Trump ein wenig Licht ins Dunkel. „Wir wollen unsere Streitkräfte in Deutschland reduzieren. Einige Soldaten werden nach Hause kommen und andere werden an andere Orte gehen – Polen wird einer dieser Orte sein“, sagte Trump an der Seite des polnischen Präsidenten Andrzej Duda. Die Begründung Trumps klang vertraut.

„Deutschland gibt Milliarden Dollar, um Gas aus Russland zu kaufen“, so Trump. „Ich sag’: Was soll das? Ihr zahlt Russland Milliarden Dollar und dann sollen wir euch vor Russland verteidigen“, beklagte sich Trump. „Sehr schlecht“ sei das. Sein polnischer Amtskollege widersprach nicht. Auch Polen sind die engen Bande zwischen Berlin und Moskau in Energiefragen ein Dorn im Auge.

Am Morgen nach der Pressekonferenz im Rosengarten des Weißen Hauses schüttelt manch einer in Berlin den Kopf. „Die Ankündigung der Verlegung von 1000 Soldaten nach Polen ist undramatisch, wenn auch wenig nachvollziehbar“, sagt der CDU-Verteidigungsexperte Johann Wadephul dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Wadephul deutet den Schritt des US-Präsidenten als wahltaktisches Manöver. „Offenbar soll in Wahlkampfzeiten Handlungsfähigkeit gezeigt werden“, sagt er und beklagt: „Die Tonalität des US-Präsidenten schadet dem Gemeinsinn im Bündnis.“

Aber auch das Verhalten Dudas treibt den Unions-Mann um. „Ich hoffe, dass allen polnischen Politikern klar ist, dass unsere beiden Länder am Ende im gleichen Boot sitzen. Wir sollten uns von niemanden spalten lassen.“

FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann übt ebenfalls scharfe Kritik an Trumps Plänen. „Donald Trump und sein treuester Fan, der ehemalige US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, möchten Deutschland mit dem Truppenabzug von US-Soldaten gerne eins auswischen. Dabei beweisen sie nur, dass sie außen- und sicherheitspolitische Zusammenhänge und das NATO-Bündnis nicht verstehen“, sagt Strack-Zimmermann dem RND. Ihr zufolge schadeten sich die USA mit diesem Schritt selbst. „Der Rückzug von US-Soldaten wäre nicht nur für Deutschland schlecht, sondern insbesondere auch für die USA selbst. Deutschland ist für die Logistik und die medizinische Versorgung der US-Streitkräfte ein bedeutender Standort“, sagt sie.

Russland droht den USA mit Konsequenzen. „Wenn es mehr militärische Präsenz an unseren Grenzen gibt, wird dies zu Gegenmaßnahmen führen. Und das wird dann für alle noch schlimmer“, schrieb der prominente russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschow am Donnerstag bei Facebook. Details nannte er nicht. (mit dpa)

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