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Letzte Vorbereitungen für die Gedenkfeier zur Befreiung des KZ Auschwitz in Polen.

"Wir sind nicht mehr verdächtig"

Stab des Bundespräsidenten wertet es nicht negativ, dass Köhler in Auschwitz nicht sprechen darfBundespräsident Horst Köhler nimmt am morgigen Donnerstag an der Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz teil. Wie Roman Herzog vor zehn Jahren wird er das Volk der Täter schweigend vertreten.

Von KNUT PRIES UND THOMAS ROSER

Berlin/Warschau · 25. Januar · Für den Bundespräsidenten ist die Teilnahme an den Feierlichkeiten zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau vor 60 Jahren die bislang heikelste Mission - auch und gerade weil er nicht gebeten ist, bei dieser Gelegenheit offiziell das Wort zu ergreifen. Der Auschwitz-Überlebende Wladyslaw Bartoszewski, der für die polnischen Opfer sprechen wird, sagt: "Niemand hat in Polen etwas gegen Horst Köhler. Doch wir mussten die Anzahl der Redner einschränken und darum eine scharfe Entscheidung treffen."

So wird es für den Bundespräsidenten bei einer überwiegend stummen Rolle bleiben, ähnlich der Herzogs, der 1995 als erstes deutsches Staatsoberhaupt zum Auschwitz-Gedenktag geladen war. Zunächst nimmt Köhler im Slowacki-Theater in Krakau an einem Internationalen Forum teil, das der Europäische Jüdische Kongress unter dem Titel "Let my people live" (Lasst mein Volk leben) veranstaltet. Am frühen Nachmittag folgt die offizielle Gedenkstunde im Lager Auschwitz-Birkenau. Dazwischen will der Bundespräsident mit dem Generalsekretär des Jüdischen Weltkongresses, Israel Singer, das Stammlager aufsuchen und in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte mit Jugendlichen und Überlebenden zusammentreffen - auch das ein Punkt, den schon Herzog im Programm hatte.

"Wenn man von deutscher Seite mit Auschwitz umgehen kann, dann da", heißt es im Berliner Präsidialamt zu dem Termin in der Begegnungsstätte, die wesentlich von der Aktion Sühnezeichen mitgetragen wird. Dass Köhler ansonsten als Redner nicht gefragt ist, wertet man in seinem Stab nicht als Zurücksetzung. Daraus spreche auch Vertrauen, dass es den Deutschen ernst sei mit dem Bekenntnis zur fortdauernden Verantwortung für die NS-Verbrechen. "Wir sind nicht mehr verdächtig." Herzog hatte seinerzeit seine Hauptbotschaft in einen Eintrag im KZ-Gedenkbuch gefasst: "Hier öffnen die Toten den Lebenden die Augen" - eine Inschrift an der alten Bibliothek im spanischen Murcia.

Neben dem deutschen Präsidenten haben sich die Staats- und Regierungschefs weiterer 43 Länder angesagt. Als Hauptredner sind neben den Repräsentanten der Opferorganisationen die Präsidenten Polens, Israels und Russlands, Aleksander Kwasniewski, Mosche Katzav und Wladimir Putin, vorgesehen. Den Bundespräsidenten begleiten unter anderem Außenminister Joschka Fischer (Grüne), der Grünen-Parteichef Reinhard Bütikofer, DGB-Chef Michael Sommer, Vertreter des Auschwitz-Komitees, des Jüdischen Weltkongresses, des Zentralrats der Juden in Deutschland, der Sinti und Roma sowie KZ-Überlebende.

Dossier: 60 Jahre Kriegsende

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