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Eine Aufnahme aus Duma bei Damaskus von Sonntag: Mitglieder des syrischen Zivilschutzes helfen einer verletzten Person nach einem Luftangriff.

Lage in Syrien

"Wir sind frustriert, wütend und schockiert"

In einer Vorstadt von Damaskus können laut UN nur wenige Menschen unter größten Mühen versorgt werden. Zahlreiche Menschen sind wegen Unterernährung und fehlender Behandlung in Lebensgefahr.

Die belagerte Rebellenenklave Ost-Ghouta in Syrien wurde von den Vereinten Nationen zum „humanitären Notfall“ erklärt. Das Leid der rund 400.000 Zivilisten in der Vorstadt von Damaskus sei unerträglich. Das sagte der Nothilfekoordinator der UN, Jan Egeland, am Donnerstag in Genf.

Nur wenige Tausend Menschen hätten unter größten Mühen und Gefahren versorgt werden können. 500 Menschen, darunter Verletzte und Kinder, schwebten wegen Unternährung und fehlender Behandlung in Lebensgefahr. Die Vereinten Nationen rufen zur dringenden Evakuierung von 500 Menschen aus Ost-Ghuta auf. Neun Kinder seien bereits gestorben, erklärte Egeland. Insgesamt müssten aus medizinischen Gründen auch 167 Kinder in Sicherheit gebracht werden.

440.000 Menschen aus Syrien vertrieben

Seit Monaten warte man auf die Erlaubnis der syrischen Regierung, die Kranken und Verletzten in Krankenhäuser zu bringen, die mit dem Auto 45 Minuten entfernt seien. „In dieser De-Eskalationszone gibt es nur Eskalation“, schilderte Egeland die Lage vor Ort.

„Wir sind frustriert, wütend und schockiert“, so Egeland weiter an die Adresse der Kriegsparteien. In Genf verhandeln aktuell die syrischen Konfliktgegner über Wege zur Beilegung des Konflikts.

Während die Hilfe für Menschen in den von der Regierung kontrollierten Gebieten meist funktioniere, sei der Zugang über die Kampflinien hinweg äußerst schwierig, so der Nothilfekoordinator. Die Kämpfe hätten in diesem Jahr 440.000 Menschen aus ihrer Heimat in andere Gebiete Syriens vertrieben. Dies übersteige die Zahl der Rückkehrer um etwa das Dreifache.

Die Aussichten auf eine baldige Friedenslösung für Syrien nach fast sieben Jahren Bürgerkrieg sind gering. Die sieben vorausgegangenen Verhandlungsrunden in Genf hatten keine Annäherung gebracht. (dpa/rtr)

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