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Wir müssen uns selbst schützen

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Von: Friederike Meier

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Flut in Pakistan: Die Folgen des Klimawandels sind unübersehbar.
Flut in Pakistan: Die Folgen des Klimawandels sind unübersehbar. © AFP

Es ist so viel vom Treibhausgas Kohlendioxid in der Atmosphäre wie seit mehreren Millionen Jahren nicht. Klimaschutz bedeutet, die menschliche Lebensgrundlage zu erhalten.

Im August veröffentlichte die Klimabehörde der USA eine erschreckende Zahl: 414,7. Sie steht für die Anzahl der Kohlendioxid-Moleküle in einer Million Luftmoleküle, gemessen im Jahr 2021. Die Klimabehörde schreibt dazu, dass die Konzentration damit so hoch ist wie seit ungefähr vier Millionen Jahren nicht. Vor der industriellen Revolution hatte die Konzentration während der gesamten Entwicklung der menschlichen Zivilisation bei etwa 280 Teilen pro Million gelegen.

Auch der Anteil des Klimagases Methan war 2021 mit 18 Teilen pro Million höher als jemals gemessen. Wenn mehr Kohlendioxid, Methan und andere Treibhausgase in der Atmosphäre sind, heizt sich die Erde auf, denn die Moleküle verhindern, dass Wärmestrahlung die Erde verlässt. Dieser Treibhauseffekt ist eigentlich wichtig für die Erde. Ohne ihn wäre es auf unserem Planeten im Durchschnitt etwa minus 18 Grad kalt. Doch der Mensch hat seit der Industrialisierung so viele Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen, dass sich die Erde nun schnell aufheizt.

Historische Verantwortung für den Klimawandel.
Historische Verantwortung für den Klimawandel. © FR

Ursachen sind die Verbrennung von fossilen Rohstoffen – also Kohle, Öl und Gas zur Energiegewinnung und als Treibstoff –, die industrielle Landwirtschaft und Änderungen in der Landnutzung, etwa weil Wälder abgeholzt und Moore trockengelegt werden. Die Industrieländer haben eine besondere Verantwortung für den Klimawandel: Historisch gesehen sind die USA für die meisten CO2-Emissionen verantwortlich. Deutschland kommt an sechster Stelle. Die Folgen sind jetzt, da sich die Erde um 1,2 Grad aufgeheizt hat, schon überall auf der Welt zu spüren: Extremwetter wie Dürren und Hitzewellen, Starkregen und Überflutungen werden häufiger, der Meeresspiegel steigt.

Im Pariser Klimaabkommen haben sich fast alle Länder der Welt darauf geeinigt, die Erwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen und Anstrengungen zu unternehmen, um sie auf 1,5 Grad zu beschränken. Der Weltklimarat, ein internationaler Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, hat allerdings in einem Bericht gewarnt, dass es am besten wäre, die Schwelle von 1,5 Grad nicht zu überschreiten. Ein halber Grad Unterschied scheint gering, doch die Folgen sind gewaltig. Wenn sich die Erde um 1,5 Grad erwärmt, werden beispielsweise 70 bis 90 Prozent der Korallenriffe weltweit sterben. Bei zwei Grad wären es fast alle. Der Rat schreibt deshalb in seinem Bericht: „Jedes bisschen an Erwärmung zählt.“

Doch die Anstrengungen reichen bisher nicht aus. Mit den Klimaversprechen, die die Mitgliedsstaaten bis Ende 2021 bei den Vereinten Nationen eingereicht haben, würde eine globale Erwärmung von 2,1 bis 3,4 Grad bis 2100 erwartet. Und auch wenn Deutschland sich in seinem im vergangenen Jahr reformierten Klimaschutzgesetz dazu verpflichtet, die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren und bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu sein: Es reicht nach einer Analyse des Projekts Climate Action Tracker nicht aus, um den Klimawandel auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Das Gute ist aber: Wir wissen, was global getan werden muss. In ihrem aktuellen Bericht schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Rats, dass es technisch und ökonomisch theoretisch noch möglich ist, die Klimaerhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Dafür muss die Energie zu 100 Prozent aus Erneuerbaren kommen, fossile Brennstoffe dürfen nicht mehr subventioniert werden, Gebäude müssen kompakter gebaut werden. Außerdem braucht es CO2-Senken, Aufforstung und Wiedervernässung von Mooren, Fahrzeuge mit geringen Emissionen und weniger Fleischkonsum. Besonders günstig und effektiv ist der Ausbau von Solar- und Windenergie.

Im Übrigen ist es irreführend, von Klimaschutz zu sprechen, denn dem Klima an sich, dem physikalischen Zustand der Atmosphäre, ist es egal, wie viel Kohlendioxid die Menschen verursachen. Es geht darum, die Lebensgrundlagen zu erhalten. Dazu gehört neben sauberem Wasser, Artenvielfalt und Böden auch ein stabiles Klima. Wir sollten also im Kopf behalten, dass es darum geht, uns selbst zu schützen, wenn wir Emissionen einsparen und unser Leben umstellen. Denn das wird nötig sein, um in Zukunft nachhaltig zu leben.

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